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Ein mieser, fieser Spaß

21. Oktober 2021. Die Bühne der Semper Zwei hat sich in einen Zauberwald verwandelt, wie er gruseliger fast schon nicht sein könnte. Selbst für mich als doch recht hartgesottene Erwachsene ist eine seltsame Spannung fast greifbar. Die wenigen Kinder im Saal sehen das augenscheinlich ähnlich und agieren irgendwo zwischen aufgeregter Hibbeligkeit, Spannung und ängstlich angehauchtem „Sich-an-die Eltern-kuscheln“. Gegeben wird die Kinder-Oper „Drei miese, fiese Kerle“ von Zad Moultaka nach dem Buch von Paul Maar und Susanne Opel-Götz.

Diese startet zunächst jedoch bonbonbunt im trauten Heim von Konrad (Larissa Wäspy) und seinen Eltern (Sarah Alexandra Hudarew und Dogukan Kuran). Der Grusel hier beschränkt sich, zumindest für mich, zunächst jedoch auf ein doch sehr antiquiertes Rollenbild, die in pinken Plüschpantoffeln staubwedelnde Mutter scheint mir gar zu zufrieden damit, Kind und Gatten zu betüddeln und mit frisch bereiteten Klopsen zu erfreuen. Doch das Idyll trügt: In der bewaldeten Nachbarschaft treiben die drei miesen, fiesen Kerle ihr Unwesen und manch einen in den Wahnsinn. Wahnsinnig findet Kind Konrad vor allem die ständigen Störungen durch Krankenwagensirenen und Sanitäter, die den armen Erschreckten zu Hilfe eilen müssen. Deshalb beschließt er in einem Anfall von Wagemut, dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Die Reaktion der Eltern fällt eher mäßig aus, unwillkürlich frage ich mich, was für eine Ankündigung wohl sonst im Stande sein könnte, sie aus ihrem Trott zu reißen. Immerhin: Zum Schutze ihres Sprosses lässt die Mutter höchstselbst ein paar Anti-Gespenster-Kugeln (in den Rucksack) springen. Nach kurzer Wanderschaft durch den wirklich gruseligen Wald erreicht der mutige Konrad schließlich das rußige Schloss der drei Fiesen. Das Trio ist besser zusammengecastet als jede Boyband und damit bestens geeignet, nicht nur Konrad, sondern auch die Zuschauer das Fürchten zu lehren.
Das erschrockene Wispern der anwesenden Kinder trägt auf eine sehr bezaubernde, fast anrührende Weise dazu bei, den Grusel real zu machen, als das Gespenst (Hudarew), der bleiche Nachtmahr (Kuran) und das Dicke Ungeheuer (Daniel Pastewski) die Bühne betreten und dort mit viel Publikumsinteraktion ihr sattsames Unwesen treiben. Die Kostüme sind allesamt großartig und lassen einen gewissen Sinn für Humor und Ironie nicht vermissen. Insbesondere das dicke Ungeheuer löst in mir einen Zustand von Schockverliebtheit aus, erinnert es doch sehr an Rainer Calmund in seinen besten Zeiten, der sich aus Angst vor Nahrungsknappheit diverses Naschwerk griffbereit ans Wams getackert hat.

Freilich haben die miesen, fiesen Kerle wenig Lust darauf, sich von Konrad in die gespenstische Suppe spucken zu lassen, finden es gar amüsant, dass ausgerechnet ein Kind es mit ihnen aufnehmen will. Dies tritt zunächst also den Rücktritt an und erhält unverhofften Beistand von einer karierten Katze (Christiane Hossfeld). Sie rät Konrad, es mit einem Hinterhalt zu versuchen und tatsächlich gelingt es ihm so, die Ungeheuer eines nach dem anderen sauber zu erledigen. Das ist ausgesprochen lustig mit anzusehen, obgleich die drei Miesen eigentlich gar nicht so wahnsinnig unsympathisch daherkommen. Mit stolzgeschwellter Brust kehrt Konrad ins elterliche Kaugummmiautomatenheim zurück, wo inzwischen der Vater für Ordnung sorgt und die Mutter eine Yoga-Einheit absolviert - ein sehr schöner Twist! So richtig begeistert zeigen sich die Erzeuger dennoch nicht von Konrads Leistung und ich frage mich unwillkürlich, wie unspektakulär das weitere Leben der Familie nun verlaufen wird, da der einzige Quell von Spannung und Action in ihrer Welt nun versiegt ist. Nun ja, sie haben es wohl so gewollt.

Nach einer Stunde, die bestens unterhalten und sowohl gesanglich als auch schauspielerisch überzeugt hat, kommt es nun zum großen Finale, das leider mit einer recht fragwürdigen Moral das Ende nicht ganz so happy erscheinen lässt, wie es sicherlich gedacht war: „Wenn du hörst, dass jemand fies ist, dann fies ihm das zurück. Wenn du hörst, dass jemand so spukt, dann spuk ihm das zurück. Wenn du hörst, dass jemand so brüllt, dann brüll ihm das zurück“. Nun ja. Inwieweit es heute noch zeitgemäß ist, Kindern das Heimzahlen mit barer Münze als ernstgemeinte Handlungsempfehlung mit auf den Weg zu geben, ist fraglos fraglich. Ein bisschen origineller darf es dann doch sein. Bleibt zu hoffen, dass die anwesenden Kinder sich von den tollen Kostümen, dem Grusel und der doch irgendwie individuell sympathischen Art der drei Fiesen mehr haben fesseln lassen, und Eltern haben, die sich die Mühe machen, das Erlebte noch ein bisschen nachzubereiten. Nichtsdestotrotz: Ein wirklich mieser, fieser Spaß ist dieses Stück.
Kaddi Cutz / Fotos: Ludwig Olah

Drei miese, fiese Kerle ist am 23. Oktober, 16 Uhr, am 24. Oktober, 15 Uhr und am 26. Oktober, 11 Uhr, jeweils in der Semper Zwei zu sehen. www.semperoper.de/spielplan/stuecke/stid/miese-fiese-kerle/61961.html



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