Kunststücke

Das Festival »Off Europa« zieht ins Zentralwerk und kommt in seiner 31. Ausgabe länderübergreifend daher

Das Festival, das bisher im Societaetstheater seine Dresdner Bühne fand, zieht es infolge der Sanierung nun in seiner 31. Ausgabe ins Zentralwerk. Die Werkschau für Tanz, Theater, Performance und Musik bespielt neben Dresden auch wieder Orte in Chemnitz und Leipzig. Wie schon im letzten Jahr wird durch Reisebeschränkungen kein einzelnes Land im Mittelpunkt stehen, sondern der Fokus liegt auf ausgewählten »Kunststücken«, die an die »Meisterstücke« im letzten Jahr anknüpfen. So versammeln sich aktuelle internationale Positionen des experimentellen Theaters, die in den umfassenden Sichtungen der letzten Jahre herausragten und die Experten überzeugten.

„Together“ von und mit Marko Mandič und Leja Jurišić

Fünf Stücke aus Israel, Polen, der Slowakei und Slowenien sind im Festivalzeitraum zu sehen. Am Mittwoch setzen sich die zwei Tanzstücke »Ani-Ma« mit »Me, and all of that body« mit Bewegung zur Erneuerung, Entwindung und Entfesselung sowie mit Veränderungen und Neukombinationen von Abfolgen auseinander. Während die Aufführung von Roni Chadash immanent den Körper erforscht und austestet, forcieren Leja Jurišić und Marko Mandič in einer sechsstündigen Aufführung das Zusammenspiel zweier Körper. Die Performance kann als einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals gesehen werden. Durch Improvisation loten sie aus, was Körperlichkeit in all seinen Facetten bedeutet. Der Dialog erfordert Grenzen zu sprengen und intensive Momente auszuhalten, wenn in diesem Fragen des Zusammenseins in Hierarchie und Wechselseitigkeit verhandelt werden.

Ein Teil des Duos ist dabei kein Unbekannter auf der Bühne und vor dem Bildschirm: Der slowenische Schauspieler Marko Mandič ist einerseits langjähriges Ensemblemitglied des Slowenischen Nationaltheaters in Ljubljana, zum anderen taucht er in zahlreichen deutschen Filmproduktionen (»Gold«, 2013 / »Alarm für Cobra 11«) auf. Sein körperbetonter Stil trifft auf die kraftvolle und radikale Performance der Choreografin und Tänzerin Leja Jurišićs. Die Konzentration auf Bewegungen zwischen zwei Körpern zeichnet der preisgekrönte Beitrag aus. Ob nach sechs Stunden des Kampfes und der Verschmelzung ein Endstadium erreicht wird, welche Reaktionen noch möglich sind, darf an diesem Abend herausgefunden werden – aber natürlich nur, wenn auch die Körper und die Aufmerksamkeit des Publikums bis zum Ende durchhalten.
Jenny Mehlhorn

Off Europa findet vom 18. bis 21. Mai im Zentralwerk statt; genaues Programm unter offeuropa.de/

Klöster im Kino

Im Kino im Kasten (KiK) wird es ab Mai geistlich. Die Forschungsstelle für vergleichende Ordensgeschichte der TU Dresden lädt zu kostenfreien Vorstellungen von Filmklassikern, die sich mit dem Phänomen Kloster beschäftigen. Neben dem 1966er Klassiker »Die Nonne« (2. Mai) mit der 2019 verstorbenen Nouvelle-Vague-Ikone Anna Karina sind auch Mickey Rourke in »Franziskus« (16. Mai) und der Cannes-Gewinner von 2010, »Von Menschen und Göttern« (30. Mai), zu sehen. Wem das einen Tick zu religiös ist, der kann sich mit Dennis Villeneuves bildgewaltiger Neuinterpretation von »Dune« (12./17. Mai), der tollen Naturdoku »Magie der Moore« (9. Mai) oder bei »Melancholia« (19./24. Mai), dem wohl ungewöhnlichstem Werk des dänischen Regisseurs Lars von Trier, in ganz andere Welten entführen lassen.
MK

Die Nonne (1966)

Kino im Kasten, jeweils 20 bzw. 20.30 Uhr.

Zauberhaft

Die 45. Dresdner Musikfestspiele im Schnelldurchlauf

Die Musikfestspiele starten und enden mit einem Jubilar des Jahres 2020, dessen 250. Geburtstag aufgrund der weltweit grassierenden Pandemie nicht gebührend gefeiert werden konnte. So markiert also diesjährig Ludwig van Beethovens Fünfte, die »Schicksalssinfonie«, im Eröffnungskonzert mit dem Festivalorchester unter Jean Christophe Spinosi den Anfang. Als Solist wird zum ersten Mal in seiner Karriere auf einem historischen Hammerklavier der junge, gefeierte und den Festspielen eng verbundene Pianist Jan Lisiecki zu erleben sein. Den Schlusspunkt setzt erneut das Dresdner Festspielorchester, diesmal unter dem Dirigat von David Robertson, mit Beethovens Neunter – ein Zeichen der Hoffnung in dunkler Zeit, denn nichts ist wohl derzeit europaweit populärer und einigender als Schillers Dichtung »Ode an die Freude«, der Beethoven ein musikalisches Denkmal gesetzt hat. »Im Gegensatz zu den Befürchtungen, dass wir im Beethovenjahr 2020 zu viel Beethoven hören könnten, haben wir am Ende viel zu wenig von ihm gehört«, sagt dazu Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele.

Lange Nacht des Cellos 2018 (Copyright: Oliver Killig)

Zwischen Auftakt und Finale aber haben Jan Vogler und sein Festspiel-Team ein so dichtes und solides Programm-Netz an Ereignissen geknüpft, dass es nicht gerade leicht fallen wird, sich daraus die Rosinen herauszupicken. 66 Konzerte stehen auf dem Plan, darunter auch die spannenden Reihen »Classical Beats« in der Reithalle sowie »Sound & Silence« als moderiertes Wandelkonzert im Hygiene-Museum. Ein Wermutstropfen: Die ursprünglich als multimediale Aufführung geplante aufwendige Neuinszenierung von Mozarts Zauberflöte muss auf 2023 verschoben werden. Dafür darf das Violoncello in all seinen Facetten bei der 45. Festivalausgabe seinen »Zauber«, so das diesjährige Motto, entfalten. Cellist Jan Vogler hat mehr als 40 seiner Kollegen eingeladen, die in insgesamt 19 Konzerten verschiedener Formate und Genres auch die klangliche Vielfalt der Musikfestspiele widerspiegeln sollen. So bringt das Festival im Festival, »Cellomania 2.0«, ganz klassisch mit Sol Gabetta & Bertrand Chamayou Mendelssohn-Bartholdys Sonaten für Violoncello und Klavier, mit Kian Soltani & dem Ensemble Shiraz eine exotische Klangfarbe, mit Apocalyptica gestrichene Rock-Power, mit Jan Vogler und dem hr-Sinfonieorchester unter Paavo Järvi die sinfonische Dimension, sowie mit der Langen Nacht des Cellos am 26. Mai die gesamte Bandbreite der Spielweisen dieses Instruments zu Gehör.

Natürlich dürfen auch Weltstars wie Jamie Cullum, Angelique Kidjo, Kamaal Williams, Raul Midón, Martin Grubinger oder der isländische Pianist Vikingur Ólafsson nicht fehlen. Letzterer wird mit dem London Philharmonic Orchestra das diesjährige Auftragswerk der Musikfestspiele am 30. Mai als Solist bestreiten. Komponist Thomas Adès ist zugleich der Dirigent des Abends im Kulturpalast und wird neben der Uraufführung seiner Suite nach der Oper »The Tempest« auch sein Werk »In Seven Days« am Pult leiten.

Auch Dresdens Klangkultur kommt nicht zu kurz: Die Klingende Stadt wird es wieder als Mitmach-Projekt geben, die Staatskapelle wie die Philharmonie sind als die beiden großen Dresdner Klangkörper mit internationaler Strahlkraft ebenso geladen, wie der Dresdner Kammerchor, die Jüdische Kammerphilharmonie oder Popmusiker Felix Räuber, der auf Spurensuche in seiner sächsischen Heimat war und am 7. Juni »Wie klingt Heimat?« als »Sinfonie der Kulturen« aufführen wird. Es gibt also gar keine Ausrede mehr, weshalb man den Musikfestspielen keinen Besuch abstatten sollte.

Heinz K.

Die Dresdner Musikfestspiele finden vom 11. Mai bis 10. Juni statt; Programm, Tickets und mehr Infos unter musikfestspiele.com
Programm-Update: Jamie Cullum kommt am 7. Juni zu einem Zusatzkonzert in die Gläserne Manufaktur.

Auf WeinBergKulTour am 1. Mai

Ein Beispiel dafür, dass die lange Zeit des Kulturlockdowns auch kreative Ideen hervorgbracht hat, auf die man sonst vielleicht gar nicht gekommen wäre, ist zweifellos die »WeinBergKulTour« des Radebeuler Kultur e.V. Der Verein, in dem auch Björn Reinemer mitwirkt, kam auf die Idee, den Kulturhunger mit einer Wanderung kreuz und quer durch die Natur der Ebenberge zu stillen und so nebenbei den Winzern der Stadt und deren Weingütern am Elbhang Gäste zu bescheren. Die geführten Wanderungen sind grundsätzlich kostenfrei, die Einnahmen, um die engagierten Künstler bezahlen zu können, werden, so Björn Reinemer, über Spenden, Radebeuler Winzer und neuerdings auch über Fördergelder aufgebracht. Und da diese besonderen Wandertouren in den Vorjahren so gut angenommen wurden, werden sie auch 2022 fortgeführt.

Im Bild: Frederic Bouchon (copyright Photo: Josefine Lippmann) im Weingut Grosse

So warten auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 1. Mai insgesamt zehn künstlerische Darbietungen an neun verschiedenen Orten – von der Breaking-Performance à la The Saxonz bis zum Konzert mit dem isländischen Songwriter Svavar Knútur. Jede Performance ist auf 30 Minuten limitiert, die genaue Route der Tour kann natürlich auch selbst je nach Vorlieben und Ausdauer gewählt werden. Gestartet wird um 13.30 Uhr in der Weinwirtschaft am Neufriedstein auf den Ebenbergen. Und da inzwischen auch viele Dresden die Kulturwanderung durch die Radebeuler Weinberge für sich entdeckt haben, sind in Kooperation mit morning glory concerts e. V. mittlerweile auch FahrradKulTouren zwischen den Orten möglich und buchbar bei fahrradkultour.com.
HK

Die WeinBergKulTour startet am 1. Mai in die Saison und wird am 26. Juni fortgesetzt; mehr dazu unter radebeuler-kultur.de/kultour/

Lasst euch überraschen!

Swutscher freuen sich auf eine volle GrooveStation

Der kaputt hymnische und deutschsprachige Indie-Rock der Hamburger Swutscher vermengt sich mit Einflüssen aus den Sixties und weirdo Psychedelic-Countrypunk. DRESDNER-Autor DJ Cramér nahm sich die Zeit, um bei Trommler Martin und Sänger und Texter Sascha nachzufragen, in welcher Stimmung sie sich denn auf den Weg nach Dresden machen.

Swutscher

Wie steht es denn um eure Stimmung, wenn ihr in dieser Zeit auf Tour geht? Ist es momentan eine Flucht aus der Welt und dem Wahnsinn, oder doch eher eine Therapie mit Gleichgesinnten?

Martin: Auf Tour gehen ist immer eine Art Flucht vor dem Alltag, doch den Wahnsinn der Welt behalten wir stets im Auge und vergessen wir ganz bestimmt nicht. Als eine Art Gruppentherapie kann man die Konzerte bestimmt betiteln, da wir und hoffentlich alle, die mit uns im Raum sind, für diese Zeit mal ein bisschen den Kopf ausschalten können und zusammen die Texte, Klänge und Stimmung genießen können.

Man hört bei euch so diverse Einflüsse und Verweise wie Brecht und Eisler (»Alle Guten Dinge sind Drei«), Rio Reiser, Messer, Ty Segall, Gunter Gabriel, Black Lips und Sid Vicious heraus. Wie entstehen bei euch die teils sehr verschiedenen Songs?

Martin: Die Songs entstehen meistens sehr natürlich, ohne große Uneinigkeit. Sascha kommt mit einem Text und der Rest findet den passenden Sound, oder die Band kommt mit ner Songidee und Sascha hat den passenden Text. Da wir alle verschiedene musikalische Backgrounds haben, aber auch viele Schnittstellen, was uns gefällt, kommen diese schon zum Teil verschiedenen Songs zustande.

Sascha, als Sänger deckst du vom müden Tresenphilosophen bis zum theatralisch wachen Politdichter (»Im Westen«) ein markantes wie interessantes Spektrum ab. Sind das Früchte einer Gesangsausbildung oder doch eher gelebtes Naturtalent?

Sascha: Vielen Dank für die Blumen, aber eine klassische Gesangsausbildung habe ich nie genossen, also dann doch eher das gelebte Naturtalent.

Ihr habt zusammen mit dem Material der neuen, selbst betitelten Platte doch genügend Songs beisammen, um live ein komplettes und weit gefasstes Rockbrett zu spielen. Bleibt da trotzdem Platz für atmosphärische Songs wie »Im Suhlenkamp« oder »Bodo«?

Sascha: Lasst euch überraschen und kommt zu unseren Shows! Am 20. Mai sehen wir uns in der GrooveStation!

Wie ist denn die Sicht von draußen auf die (Sub-)Kultur Dresdens? Oft wird Dresden ja lediglich politisch zweifelhaft in der überregionalen Öffentlichkeit abgebildet. Zudem nörgelt der Dresdner auch noch gern selbst an sich und der Stadt herum. Was ist euer Eindruck?

Sascha: Ich glaube, ich kann hier für uns alle sprechen: Wir stehen auf Dresden! Alle Gigs, die wir bisher gespielt haben waren wunderbar. Unser letztes Konzert im Ostpol war pure Freude, und die Neustadt im Sommer hat viel für uns zu bieten. Dies sollten sich die Dresdner von diesen verdammten rechten Idioten nicht kaputt machen lassen.

Vielen Dank für das Interview!

Swutscher spielen am 20. Mai, 20 Uhr, live in der GrooveStation.

Sachsen verlängert Corona-Regeln

Sachsen verlängert die derzeit gültigen Corona-Regeln bis 28. Mai. Die bisherigen Basisschutzmaßnahmen mit den Test- und FFP2-Maskenpflichten gelten somit weiterhin. In medizinischen Bereichen, in Pflegeheimen und im öffentlichen Nahverkehr gilt weiterhin eine FFP2-Maskenpflicht. Bei Schülern und Schülerinnen sind in Bus und Bahn OP-Masken ausreichend. Die Testpflicht für Angestellte und Besucher in medizinischen Einrichtungen, Pflegeheimen, Hospizen, Werkstätten für behinderte Menschen, in JVAs und Flüchtlingsunterkünften bleibt bestehen. Geimpfte oder genesene Arbeitgeber und Beschäftigte müssen mindestens zweimal pro Woche einen aktuellen Testnachweis vorlegen. In stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen sind drei Tests in der Woche vorgeschrieben. Darüber hinaus wird „dringend empfohlen“ weiterhin eine FFP2-Maske in Innenräumen zu tragen, den Mindestabstand und Hygieneregeln einzuhalten sowie die Kontakte auf ein notwendiges Maß zu reduzieren. Die neue Verordnung gilt vom 1. bis 28. Mai.

Hintergrund: Am 3. April entfiel aufgrund des Auslaufens der epidemischen Notlage auch in Sachsen die Maskenpflicht in Innenräumen und im Einzelhandel, bei Veranstaltungen oder beim Friseur. Es müssen auch keine Nachweise mehr für den Zugang zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Veranstaltungen, Gastronomie oder körpernahen Dienstleistungen vorgelegt werden. Sämtliche 3G- und 2G-Regeln sind seitdem entfallen, werden aber im Einzelfall von diversen Betreibern derzeit noch verlangt.
HK

Dem Pop Impulse geben

Die MusicMatch 2022 ist weiblich und diskutiert über »Music for a New Society«

Dieses Jahr soll es endlich wieder eine physisch stattfindende Konferenz und Konzerte inklusive Publikum bei der MusicMatch geben. Da die Scheune saniert wird, finden die Programmpunkte in der Schauburg, im Ostpol und im Blechschloss auf dem Vorplatz der Scheune statt. An zwei Tagen können die Teilnehmer an der Konferenz über gesellschaftliche Diskurse und deren Auseinandersetzung in der Musikbranche diskutieren. Der diesjährige Aufhänger ist »Music for a New Society« und unter dieser thematisch weiten Klammer stehen Themenfelder wie Nachhaltigkeit im Clubkontext, Mental Health, Kommerzialisierung und Feminismus in der Musikbranche. Das Austauschformat MusicMatch wurde übrigens vor kurzem von »Kreatives Sachsen« im Wettbewerb Popularmusik in Sachsen in der Kategorie »Ideen für die Popularmusik in Sachsen« ausgezeichnet.

Lisaholic

Die zweitägige Konferenz gestaltet sich wie in den letzten Ausführungen als Netzwerkplattform und diskutiert Möglichkeiten für die Umsetzung gesellschaftlicher Themen im Musikbetrieb. Mehrmals taucht hier das das Team »Pop Impuls« im Programm auf. Das Projekt ist Teil des Landesverbandes der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft und steht ganz frisch in den Startbahnen. Es sieht sich als Unterstützer zur »Förderung von künstlerischen Ansätzen für die Schaffung eines starken Ökosystems für die Popularmusik in Sachsen« und will vorhandene Strukturen festigen und neue Netzwerke schaffen. Zudem soll das Projekt Förderungen analysieren, Bedarfslücken finden und Organisationsverzeichnisse aufbauen. Als Kooperationspartner auf der MusicMatch loten sie in Talks zu Solopower oder Kollektiv« und »Kunst versus Kommerz« verschiedene Tendenzen der Musikbranche aus. Um an den Talks, Workshops und Panels teilzunehmen, wird ein Festivalticket benötigt, das auch den Zugang zum Live-Programm ermöglicht. Für alle Konzerte gibt es zusätzlich einen separaten Ticketverkauf.

Das Konzertprogramm wird von weiblichen Artists dominiert, die in den unterschiedlichsten Genres zu Hause sind. Mit ihrem Soloprojekt Älice rücken Dancehall, Hip-Hop und R’n’B in den Vordergrund, bekannt ist Alice Martin auch aus als Teil der Band Chefboss, die deutschsprachigen Female Dancehall produziert. Düsterer und poppiger wird es bei Christin Nichols. Manch einer kennt sie vielleicht als Schauspielerin (»All You Need«), doch auch musikalisch ist sie seit einigen Jahren im Rampenlicht aktiv. Sie ist Teil der Elektro-Punk-Band Prada Meinhoff und war zuletzt Solo unter ihrem bürgerlichen Namen erlebbar. Ihre intensiven, poetischen Texte werden von post-wavigen Sounds begleitet. Und natürlich werden bei der »MusicMatch« noch weitere spannende Live-Acts wie Lisaholic, Evîn, Finna, Siksa oder Derya Yildrim erwartet.

Jenny Mehlhorn

MusicMatch, am 29. und 30 April im Blechschloss, in der Schauburg und im Ostpol; mehr Infos, Tickets und genaues Programm unter music-match.biz

Voll die Vielfalt

Das 34. Filmfest Dresden zeigt sich diverser als je zuvor

Wenn man auf seine mehr als 30-jährige Festivalhistorie schaut, hat das Filmfest Dresden schon immer kurzfristig auf gesellschaftliche Themen reagiert. Doch erst seit letztem Jahr folgen die Veranstalter einem selbst gesteckten Themenfahrplan. Mehr »Diversität« hat sich das Filmfest nach eigenen Angaben nicht nur inhaltlich sondern auch strukturell verschrieben. Dass Festivalleiterin Sylke Gottlebe es damit ernst meint, sah man bereits am 2018 erstmalig ausgelobten Filmpreis für Geschlechtergerechtigkeit. Diesem folgte nun konsequent die Gründung eines entsprechenden bei der Festivalgestaltung unterstützenden Beirats. Die angedachte Trilogie geht nach dem letztjährigen Stichwort Aktivismus 2022 mit dem Thema Geschlechtervielfalt und -gerechtigkeit weiter. Im dazugehörigen, überraschend klaren Festivaltrailer gibt die Künstlerin Brenda Lien während einer Zeitrafferszene, bei der eine Zimmerpflanze am Computer akribisch in ein Dschungel-Paradies eingefügt wird, 18 hilfreiche Tipps à la »I will not ask people what’s in their pants«. So werden laut der freundlichen Off-Stimme »grundlegende Menschenrechte« eingeräumt, ohne dass in eine Klischee-, Rassismus- oder Diskriminierungsfalle getappt wird.

Die Auserwählten können auf insgesamt 16 Goldene Reiter und 71.000 Euro Preisgelder hoffen

»Wie sich Marginalisierung und Unterrepräsentation, die auf Geschlechterrollen oder anderen Identitätskategorien beruhen, auf das (Kurz-)Filmschaffen auswirken«, um diese Frage herum lassen Gottlebe und ihr Team ganz bewusst in diesem Jahr den gesamten Programmkosmos kreisen. Mit dem »Fokus Quebéc« der franko-kanadischen indigenen Regisseurin Caroline Monnet, einer Masterclass mit dem schwedischen »Black Queers«-Mitbegründer und Kunstkurator Samuel Girma und einer Retrospektive des ostdeutschen Super8-Künstlers Steffen Reck, werden weitere Facetten des Themas sichtbar. Der internationale Wettbewerb ist mit 34 Filmen von Filmemacherinnen und -machern aus 33 Ländern kulturell ebenfalls enorm vielfältig.

Auch national, regional, »voll politisch«, im Bereich Filmton und mit dem zweiten Filmkritiker-Preis können die Auserwählten auf insgesamt 16 Goldene Reiter mit insgesamt 71.000 Euro Preisgeld hoffen. Animationsfreunde erwartet eine Filmauswahl mit ergänzender Ausstellung in den Technischen Sammlungen von Werken des DEFA-Puppenkünstlers Kurz Weiler, der Kinder- und Jugendbereich bietet gleich drei Blöcke und Genre-Fans können sich für die nächsten nächtliche Portion »Seriously, WTF?!« schon einmal die Hände reiben. Spielorte sind in diesem Jahr neben der Schauburg, dem Thalia und dem Programmkino Ost auch wieder das Lingnerschloss sowie das Zentralkino, und ganz neu dabei: das studentische Kino im Kasten. Um nach jahrelanger freundschaftlicher Kooperation zur Filmfest-Familie und das europaweit gefragte »International Shortfilm Festival Dresden« noch bunter zu machen, werden die Filmnächte am Elbufer neuer Hauptpartner. Die Filmnächte stellen erstmalig den Publikumspreis in der Mitteldeutschen Kurzfilmnacht zur Verfügung. Das Medium Kurzfilm soll so noch intensiver die publikumswirksamen Kinofilme im Sommer-Open-Air ergänzen und die Szene weiter befruchten. Eben wie eine Zimmerpflanze im Dschungel.
Martin Krönert

Das Filmfest Dresden findet vom 5. bis 10. April statt. Weitere Infos und das gesamte Programm ist unter filmfest-dresden.de zu finden.

Endzeitstimmung auf Papier

Die go plastic Company hat ihre Choreografie »Motel Vibes« zu einer Graphic Novel weiterentwickelt

go plastic: »Motel Vibes«, Foto: Adam Dreesen

Schon 2018 war im Festspielhaus in der Performance »Motel Vibes« ein Paar zu erleben, das sich einfach nichts mehr zu sagen hatte. Gemeinsam waren beide eingesperrt in sich selbst wie in einem Raum der Trostlosigkeit. Jetzt gibt’s begleitend zu zwei weiteren Vorstellungen eine Graphic Novel zum Stück. Die Idee dahinter ist aber schon genau so alt. Nur ist es weniger ein Buch als ein Magazinformat, wie Susan Schubert erklärt, die bei go plastic meistens die Dramaturgie in der Hand hat: »Interessiert hat uns dabei die Übersetzung in ein für uns neues Format. Die Affinität für Comics hat uns schon länger begleitet. Wir haben für szenische und choreografische Setzungen Comicvorlagen als Inspirationsquelle genutzt. Mit der Graphic Novel haben wir das Prinzip umgedreht und unser Stück und seine Sinnlichkeit, Choreografie, Handschrift, Ästhetik und Dramaturgie in einen Comic übersetzt«. Ausgangspunkt dafür waren Fotos, Video- und Tonaufnahmen der Performance.

Der Illustrator PM Hoffmann und die Autorin Thyra Veyder-Malberg, beide aus Leipzig, haben aber auch Probennotizen und allerhand weiteres Material bekommen. »Wir haben alle eng zusammen gearbeitet. Das Projekt war auch für die beiden etwas Neues. Eine Tanzperformance in so ein Format zu übersetzen war für alle sehr spannend und herausfordernd«, so Cindy Hammer. Neben Joseph Hernandez ist sie Anfang April noch mal in dem Stück zu erleben, dieses Mal in der Runden Ecke des riesa efau. Das Schöne daran: Man muss das Stück nicht kennen, um die Graphic Novel zu verstehen. Noch schöner: Man kann beides genießen.
Rico Stehfest

»Motel Vibes«, Performance am 1. und 2. April, jeweils 20 Uhr in der Runden Ecke des riesa efau. Ticketvorbestellung (5 Euro) unter motorenhalle

Sachsen hebt fast alle Corona-Maßnahmen auf

Ab dem 3. April wird es in Sachsen nur noch wenige Corona-Maßnahmen geben. Das Kabinett hat sich am Dienstag auf Basismaßnahmen geeinigt, teilte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) laut mdr mit. Damit gilt eine FFP2-Maskenpflicht nur noch in medizinischen Bereichen, in Pflegeheimen und im Nahverkehr (OP-Masken für Schülerinnen und Schüler). Die Testpflicht für Angestellte und Besucher in medizinischen Einrichtungen, Pflegeheimen, Hospizen, Werkstätten für behinderte Menschen, in JVAs und Flüchtlingsunterkünften bleibt bestehen. Geimpfte oder genesene Arbeitgeber und Beschäftigte müssen mindestens zweimal pro Woche einen aktuellen Testnachweis vorlegen. In Pflegeeinrichtungen sind drei Tests pro Woche vorgeschrieben.

Doch wird aus dem Gesundheitsministerium „dringend empfohlen“ weiterhin eine FFP2-Maske in Innenräumen zu tragen, den Mindestabstand und Hygieneregeln einzuhalten sowie die Kontakte auf ein notwendiges Maß zu reduzieren. Ein Appell an die Eigenverantwortung also. Die Maskenpflicht in Schulen und Kitas soll ebenso wegfallen wie sonstige Zugangsbeschränkungen (3G, 2G, 2G+). In Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens sowie für Fahrgäste des ÖPNV bleibt die Maskenpflicht bestehen. Die neue sächsische Corona-Schutzverordnung soll vom 3. April bis zum 30. April gelten. Hintergrund: Der Freistaat Sachsen verzichtet wie die meisten Länder auf die Feststellung einer epidemischen Notlage.
HK