Good Vibrations

Bandstand und Songcamp in Hellerau

War der Hellerau Bandstand in den Vorjahren, den Umständen des Lockdowns entsprechend, lediglich digital erfahrbar, so steht 2023 im Zeichen neuer Kooperationen und Ideen. Zum einen klinkt sich »Pop Impuls«, ein Projekt vom Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen, mit ein. Um ein Kennenlernen der hiesigen Musikszene zu ermöglichen, findet am Abend des 16. Februar in Hellerau der »Fachtag Pop« im Rahmen des Bandstand statt. Das Netzwerktreffen ist an die gesamte Popularmusikszene Sachsens adressiert und dient unter anderem dem Vorstellen der Projekte »Branchenfokus Pop« (Kreatives Sachsen) und natürlich »Pop Impuls« mitsamt seinen Aktivitäten selbst. Dazu startet das Podiumsgespräch zur »Zukunft der Popularmusik in Sachsen« mit Vertretern der sächsischen wie auch der bundesweiten Musikszene. Anschließend führt Künstlerin Miss Mandy Cleenex durch den Abend, an dem sich erstmals auch die Teilnehmer des Bandstand-Songcamps präsentieren werden.

Damit steht auch schon der zweite Kooperationspartner auf der Bühne. Denn der Dresdner Musikverlag »Oh, My Music« lädt Musiker und Musikerinnen aus Sachsen vom 15. bis 17. Februar zum Songcamp nach Hellerau ein. Dazu wurden aus über 50 Einsendungen neue kreative Musikköpfe ausgesucht, die in kleinen Gruppen komponieren, texten und produzieren. Die Gruppen dafür werden jeden Tag neu zusammengesetzt, und dann heißt es: »Früh eine Writing-Session, nachmittags eine weitere Session und am Abend eine kurze Präsentation«, sagt Anika Jankowski von »Oh, My Music«.

Una Ray

Am 18. Februar folgt dann der Höhepunkt: Gemeinsam mit fünf anderen Überraschungsbands vom diesjährigen Bandstand erfolgt ein Konzert der Teilnehmer im Spero-Saal. In einem festival-ähnlichen Line-Up – die Bands starten in verschiedenen Sälen jeweils um 15 Minuten versetzt – werden neue Sounds und Musikprojekte der regionalen Musikszene auf die Bühne gebracht. Dabei soll ein Klangrausch aus Electronic-Sounds, Pop, Rock und Alternative Music erzeugt werden. Die bereits angekündigten Acts heißen Una Ray, Coma und Running Pine. Lassen wir uns von ihnen überraschen! Sicher ist, das Moritz Simon Geist als Hauptact seine neue Musik-Installation »Vibrations« vorführen wird. Der Dresdner Medienkünstler forscht seit zwölf Jahren im Bereich Medienkunst, Robotik, elektronische Musik und Performance. Er schuf das Roboterinstrument »Vibrations«, um beruhigende, minimalistische Musik auf futuristische Weise zu spielen – mit Robotern! Die Installation basiert auf dem Instrument Vibraphon und dekonstruiert den Klang und die physische Form des klassischen Jazzinstruments. Also auf nach Hellerau, um sich einen Rausch an musikalischen Vibrationen zu verabreichen!

René Seim

Party mit Bandstand-Songcamp-Präsentation & Live Musik (Eintritt frei) am 16. Februar, sowie Bandstand Konzertabend mit Moritz Simon Geist, Coma, Una Ray, Running Pin u.a. am 18. Februar im Festspielhaus Hellerau. Mehr unter: hellerau.org/bandstand

Das TresenLesen zieht nach Pieschen

Nachdem nun über acht Jahre lang der Stammplatz in der 100 (Bar und Weinkeller in der Dresdner Neustadt) gehalten werden konnte, zieht die Offene Lesebühne TresenLesen um. Mit dem Betreiberwechsel in der 100 kam aber für Anne Es und Flo Durden gleichzeitig die Spielstätte für ihre Offene Lesebühne abhanden. Doch bevor das Orga-Team missmutig die Leselampe auf dem Dachboden verstaute und den gemeinsamen Kopf in den Sand steckte, wagte es den Blick über den Stadtteilrand. Und fand im Pieschener Rausch und da im Roten Salon (1. OG) eine neue Dauerspielstätte (jeden zweiten Mittwoch im ungeraden Monat) für die jungen wie auch erfahrenen der lokalen wie überregionalen Literaturszene.

Die Regeln bleiben natürlich die gleichen. Für maximal 10 Minuten kann man auf der ebenerdigen Bühne seine Texte vor Publikum zum Besten geben, Applaus erwarten und am kostenfreien Belohnungsgetränk nippen. Und auch der gute Zweck wird weiterhin im Auge behalten. Am Abend stellt sich ein sozialer Verein vor, für den bei der eintrittsfreien Veranstaltung ein Hut herumgeht, dessen Inhalt selbigen am Ende des Abends übergeben wird. Heute Abend darf sich der Aufwind, Kinder und Jugendfonds Dresden eV. über diese Finanzspritze freuen. Für die heutige 34. TresenLesen-Bühne haben sich bereits Heinz Kulb (übernimmt auch heute krankheitsvertretend für Flo Durden die Moderation), Oskar Staudinger, Alexander Lingrön, Julia Herold, Sybille Fischer, Christoph Töpfer und Anne Es angekündigt.
René Seim

Rausch in Pieschen; Foto: René Seim

Es kann sich wohl auch noch angemeldet werden unter www.facebook.com/DresdnerTresenLesen/ oder per E-Mail: dresdentresenlesen@web.de
Die nächsten Termine im Rausch Dresden (Bürgerstr. 36): 8. März und 10. Mai 2023


30 Jahre Kino im Kasten

Das Kino im Kasten feiert seinen 30. Geburtstag. Um diesem Anlass gerecht zu werden, erwartet euch im Januar gleich eine ganze Festwoche. Diese startet am 10. Januar mit dem wohl gelungendsten Sequel aller Zeiten, Francis Ford Coppolas »Der Pate II«. Am 11. Januar legt das KiK mit dem zauberhaften Anime-Streifen »Arrietty – Die wundersame Welt der Borger« aus der Kultschmiede Ghibli nach. Der Donnerstag (12. Januar) steht ganz im Zeichen des treuen Publikums, denn genau das hat das »Grand Budapest Hotel« von Wes Anderson ins Programm gewählt. Am 16. Januar lassen sich die Abenteuer des quirligen Hotelconcierges M. Gustave und seines Lobbyboys Zéro gleich nochmal im KiK erleben. Am 13. Januar lockt das Filmquiz und als krönendes Finale der Festwoche kann und soll am 14. Januar nur ein Film in Frage kommen: Sergio Leones »Spiel mir das Lied vom Tod«. Mit ebendiesem Western-Meisterwerk wurde das KiK eingeläutet und so soll es auch drei Dekaden später zelebriert werden.
HK

Die Dresdner Blechschlossnächte

Ein Jahr Scheune Blechschloss wird passend zum Ort mit dem »Kleinsten Festival der Stadt«, den Dresdner Blechschlossnächten, im Januar gefeiert. »Denn was die staatlichen Schlösser können, können wir schon lange, wenn auch im Winter, dafür viel bodenständiger, prunkloser, kantiger, lauter und eben auch kleiner«, so das Scheune-Team. Vom 16. bis 22. Januar steht die konzentrierte Präsentation kultureller Vielfalt im Fokus, jeweils mit Liebe präsentiert von einem kuratierenden Mitstreiter der Scheune-Crew. Dabei wird neben bekannteren Acts auch Newcomern eine Bühne geboten. Stilistisch geht’s von Hillbilly-Folk-Punk über Experimental Noise, Alternative, Grunge, Hip-Hop, Indie, Soul und Funk bis hin zu schrägen Coversongs (17 Stages) und der Trash-Kinderdisko mit Luis La Metta. Jeden Tag was los für den ganz schmalen Taler. Den Eintritt bestimmt ihr selbst zwischen 5 und 15 Euro. Wobei das Ticket dann auch für die restlichen Tage der Woche gilt.
HK

Kody Skye

Das Programm der Blechschlossnächte:
16. Januar: Joey Henrys Dirty Sunshine Club & Kody Skye (Alternative Folk)
17. Januar: Yeahrs (Postrock) + Shathp (Live Electronics) + Dicktator Soundz Flashback 2022
18. Januar: 17 Stages (80s Reworks) + Barrio Katz Cover Special
19. Januar: The Shna(Riot Grrrl Indie) + Kaskadeur (Heavy Prog)
20. Januar: RegioTales Hip Hop Special mit CC Estres, Vahto & Kolleg, L3nz & Elkoma
21. Januar: Alocasia (Indie Pop) + Skuppin (Synth Pop)
22. Januar: Glitzerkids – Kinderdisko mit Luis La Metta
Einlass jew. 19.30 Uhr, sonntags zur Kinderdisko 14.30-17 Uhr

Ferienaktion im Lügenmuseum

Die Gründerin des Lügenmuseums brachte der Legende nach alle Weihnachtsgeschenke auf den Boden eines alten Gutshauses, um sie dort auch gleich zu vergessen. Die Besucher können mit leuchtenden Kinderaugen die Zauberwelt der vergessenen Weihnachtsgeschenke aus über 200 Jahren entdecken. Eine Weihnachtsausstellung der besonderen Art.

Sonderausstellung im historischen Tanzsaal im Lügenmuseum in Radebeul Serkowitz, Foto: André Wirsig

Das in seiner Existenz bedrohte Lügenmuseum bespielt nicht nur den vom Verfall bedrohten historischen Gasthof Serkowitz, sondern mit einer Kunstbrücke zwischen links- und rechtselbischen Kunstorten auch einen leer stehenden Laden in Riesa am Rathausplatz.
HK

In den Weihnachtsferien (22. Dezember bis 2. Januar) öffnet das Lügenmuseum täglich im Gasthof Serkowitz, Radebeul. Finissage der Kunstbrücke am 28. Dezember, 19 Uhr, im Lügenmuseum mit Live-Musik von Scotty Böttcher, Hartmut Dorschner, Max Löb & Gästen.

»Auf einmal stand ich mitten in den Bildern … «

Ray van Zeschau im Gespräch zu seinem Film »Mein Freund Lubo«

Ray van Zeschau hat einen Film über seinen Onkel Lubo gedreht. Genauer: wie er nach dem Tod seines Onkels nach Sofia fährt, um die Wohnung aufzulösen. Der bulgarische Künstler Ljuben Stoev hatte von 1957 bis 1963 an der HfBK Dresden bei Lea Grundig studiert. Den politisch engagierten, sozialkritischen Ansatz, der Grundigs Kunst und Lehre geprägt hatte, ließ Stoev nach seiner Rückkehr nach Bulgarien erst einmal beiseite und beschäftigte sich mit anderen Themen. Erst als nach 1990 auf den Straßen von Sofia das Elend immer offensichtlicher wurde, hat ihn diese Situation wieder zu seinen künstlerischen Wurzeln zurückgeführt. In seinen Zeichnungen und Collagen porträtierte er Außenseiter und sozial Unterprivilegierte, aber auch Zuhälter und Schläger. »Mein Onkel Lubo« ist ein Porträt über den bulgarischen Künstler, das auf Interviews basiert; es ist aber auch eine Reisegeschichte und ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Werk. DRESDNER-Autorin Annett Groh sprach mit Ray van Zeschau zu seinem Film.

Die Bilder von Ljuben Stoev waren 2020 in der Städtischen Galerie zu sehen, und darum dürfte sein Name manchen hier ein Begriff sein. Für alle anderen in ein paar kurzen Worten: Wer war Dein Onkel?

Ray van Zeschau: In der bulgarischen Kunstszene war er eine maßgebliche Figur und interessant genug, um ins Fernsehen zu kommen. Nach dem Studium ist er gleich nach Sofia zurückgegangen und war bis zu seinem Tod Maler und Grafiker. Im Wesentlichen hat er nichts anderes als das gemacht. Allerdings: die ganz große Berühmtheit ist er mit seinen Bildern nicht geworden, als er angefangen hat, sich für soziale Themen zu interessieren. So was kauft ja auch keiner. Er hat auch, wie sein Bruder und mein Vater von ihm im Film sagt, von einer sehr kläglichen Rente gelebt.

Der Künstler Ljuben Stoev und sein Neffe Ray van Zeschau; Foto: Grit Dora von Zeschau

Wie ist das Filmprojekt selbst entstanden?

Ray van Zeschau: Ursprünglich gab es den Plan eines Filmemachers, ein Porträt über meinen Onkel zu drehen. Der Film ist aber nicht fertiggestellt worden, und nach seinem Tod gab es diese ganzen Interviewaufnahmen. Mein Vater hat mich dann faktisch ins kalte Wasser geworfen. Mir wurde gesagt: »Wir erzählen jetzt die Geschichte deines Onkels über dich.« Darum heißt der Film auch »Mein Onkel Lubo«. Ich bin also nach Sofia gefahren, und dann wurde der Film gedreht. Es gab ein Grundkonzept, aber die Arbeit selbst war ein Chaos vor dem Herrn (lacht).

Das sieht man dem Film gar nicht an!

Ray van Zeschau: Ursprünglich bin ich als Ray angetreten, um mich selbst zu spielen. Am Ende war ich dann dann aber neben der Funktion des Darstellers, auch noch Musiker, Organisator, Texteschreiber, Co-Regisseur und schlussendlich deutscher Co-Produzent. Das Ganze ist für mich ein niemals endendes Riesenprojekt geworden. Von Anfang an war klar, dass wir zwei Varianten brauchen: eine bulgarische und eine deutsche. Denn so, wie die Geschichte in Bulgarien erzählt wird, funktioniert der Film hier nicht. Hier in Deutschland müssen wir mehr erklären über den bulgarischen Alltag und die sozialen Verhältnisse. Für mich selbst war das auch sehr interessant, denn ich kannte ja die ganzen Bilder meines Onkels, konnte damit aber nie so richtig etwas anfangen. Für den Film war ich dann zum ersten Mal in dieser Suppenküche, die für die Installationen und Zeichnungen so eine große Rolle gespielt hat – und auf einmal stand ich mitten in diesen Bildern.

Der Film zeigt, wie die Ausstellung 2020 in der Städtischen Galerie zustande kommt, als wäre sie Teil der Inszenierung.

Ray van Zeschau: In gewisser Weise ist das auch so, weil wir ja eine Geschichte erzählen wollten – und zum Abschluss des Films sollte es einfach noch einmal eine Ausstellung in Dresden geben. Es war der große Wunsch meines Onkels gewesen, noch einmal hier auszustellen, und ich hatte in den Jahren vorher die üblichen Verdächtigen der Szene nach Möglichkeiten gefragt. Die Antwort war jedes Mal gewesen: »Ja, das ist alles sehr interessant, aber man kann das nicht verkaufen.« Also genau dasselbe, was mein Onkel immer gehört hat. Dann habe ich aber Johannes Schmidt von der Städtischen Galerie zwei Kataloge gegeben. Er war sofort begeistert – und auf einmal funktionierte das! Für mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich hätte es meinem Onkel zu Lebzeiten gewünscht.

Vielen Dank für das Gespräch!

»Mein Onkel Lubo« in der Regie von Nikola Boshnakov und Ray van Zeschau wird am 6. Januar, 19 Uhr, in der Schauburg als Deutschlandpremiere gezeigt.

Großartige Kleinigkeiten

Die AG Kurzfilm lädt beim 11. Kurzfilmtag zum gemeinsamen Filmegucken ein

Ein langweiliger Kinofilm ist sicherlich so ziemlich die größte Zeit- und Geldverschwendung, die Cinephilen einfallen dürfte. Wer dieses Risiko wenigstens an einem Tag – dem kürzesten im Jahr – nicht eingehen möchte, für den erinnert die AG Kurzfilm nun schon zum 11. Mal an das großartige Format Kurzfilm und hat dafür das verspielte Motto »Ich sehe was, was du nicht siehst.« ausgewählt. »Der thematische Schwerpunkt 2022 möchte das Publikum für neue Perspektiven begeistern, es dazu anregen, einen frischen Blick auf Vertrautes zu werfen, unbekanntes Terrain zu erkunden und die eigene Betrachtungsweise zu hinterfragen«, erklärt dazu Jana Cernik von der AG Kurzfilm.

Potato Falls

Am 21. Dezember, wenn die Wintersonnenwende das Jahresende ankündigt, öffnen wieder Kinos, Bibliotheken, Cafés, Vereine, Kulturzentren oder (falls sich jemand noch spontan anmelden möchte) vielleicht auch der eigene Nachbar, ihre Pforten für Kurzfilmprogramme der unterschiedlichsten Sorte. Janina Putzkers kartoffelig-witziger Trailer zum bundesweiten Event gibt als wilder Ritt durch die Filmgenres einen Vorgeschmack auf die Kleinigkeiten, die einen bei einem solchen Besuch erwarten könnten. Entweder überlässt man den Profis von der AG Kurzfilm die Auswahl und kann sich aus einem von 20 Programmen das Passende für seine angepeilte Zielgruppe zum Vorzugspreis herauspicken oder man wird selbst kreativ. Die tollsten Veranstaltungsideen prämiert das Team vom Kurzfilmtag sogar mit einem Preisgeld. In und um Dresden ist vor allem für Familien was dabei. Ob beim Wichtelkino auf dem Striezelmarkt mit Filmen von Ralf Kukula, beim Kinderkino im Lingnerschloss oder im Kulturpalast bei einem DEFA/Filmfest-Highlights-Mix in der Zentralbibliothek. Außerdem gibt es ein Garagenkino auf der Schützenhofstraße 84 mit Tucholsky und Poe, die Motorenhalle zeigt die kunstvolle Trilogie »Das satanische Dickicht« von Willy Hans und ausgewählte Experimentalfilme der deutschen Kinemathek gibt es im Kino im Kasten zu sehen.
MK

Der Kurzfilmtag findet am 21. Dezember den ganzen Tag lang statt. Veranstaltungen anmelden und finden kann man unter www.kurzfilmtag.com

Weihnachtstimmung in der Hanse 3

Am 18. Dezember weihnachtet es gar sehr, auf dem Gelände des soziokulturellen Zentrums Hanse 3 e.V. in der Neustadt. Von 16 bis 22 Uhr wird es dort am letzten Adventswochenende einen kleinen, weihnachtlichen Basar mit Performancekunst-Einlagen geben. Abgerundet wird das Event durch Live-Musik von Ippio Payo aus München. Aufgewärmt werden kann sich mit warmen Getränken, auch für hungrige Mägen ist gesorgt.
RK

Das lauteste Schloss der Stadt

Ein Jahr Scheune-Blechschloss als Interim – Eine Erfolgsgeschichte

Seit 13. November vergangenen Jahres prangt das sogenannte »Blechschloss« direkt an der Straßenkante vor der Scheune. Als Interimsspielstätte für die Zeit der Sanierung des Haupthauses gedacht, ist der von Graffitis gesäumte, 2022 für den Sächsischen Staatspreis für Baukultur nominierte Containerbau mit der im Sommer rege genutzten Dachterrasse längst selbst ein Hingucker. Da sich die aufwendige Sanierung der Scheune voraussichtlich bis ins Jahr 2025 hinziehen wird, kann man da wohl nicht mehr von einem Pop-Up-Club sprechen. Das Team des Kulturzentrums in der Neustadt nimmt die lange Bauzeit und die damit verbundene Verzwergung der Veranstaltungsräume jedenfalls mit Humor. So starten sie pünktlich zum einjährigen Bestehen des Interims eine Kampagne, die mit vier Slogans daherkommt. Mal ist es »das kleinste Schloss der Stadt«, mal das »prunkloseste« oder »kantigste« und ein andermal kommt es als »das lauteste Schloss der Stadt« daher. Und das trifft es auch ganz gut, denn das Blechschloss bietet nicht nur ein Podium für Autoren-Lesungen, Workshops, Beatbastler, Comedians, Schnellschachturniere oder akustische Musik, sondern auch für Kinderdiscos (»Glitzerkids«) sowie Free-Jazz- (wie etwa am 20. Dezember mit Lauer Weschenfelder in der Reihe »Jazzophil«) und Experimental-Konzerte.

Das Blechschloss vor der Scheune

Stephan Zwerenz, im Scheune-Team zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Social Media, bestätigt auf Nachfrage, dass das Blechschloss als neuer, »niedrigschwelliger Veranstaltungsort ohne Konsumzwang« gut angenommen wurde. »Klar haben wir auch, wie viele andere Clubs, derzeit noch zu kämpfen, um das Publikum zurückzugewinnen, aber unsere Veranstaltungsreihen, insbesondere unser Format für Dresdner Nachwuchsbands ›RegioTales‹, sind gut besucht.« Eine Bar gibt es im Blechschloss nicht, nur einen Getränkeautomaten. Für die Veranstaltungen gibt es keinen Vorverkauf, sondern nur Tickets an der Abendkasse. Den Preis (Empfehlung: zwischen 5 und 15 Euro) bestimmen die Besucher selbst. »Im Durchschnitt zahlen die Gäste zehn Euro am Einlass«, sagt Stephan Zwerenz, »manchmal aber auch deutlich mehr als den Richtwert«. Zwerenz sieht die kleine Veranstaltungsfläche in Bezug auf die subkulturelle Vielfalt sogar als Vorteil, denn bei den Shows müsse man »nicht unbedingt an die kommerzielle Umsetzbarkeit denken«. Die Veranstaltungen im Blechschloss, das bestuhlt 45 und unbestuhlt etwa 80 Gäste fasst, werden querfinanziert durch Fördergelder und etliche Außer-Haus- Veranstaltungen der Scheune, die unter anderem in der GrooveStation, der Chemiefabrik, der Schauburg oder dem Beatpol stattfinden.

Blick in die nahe Zukunft: Vom 16. bis 21. Januar ist sogar ein richtiges Festival im Blechschloss geplant, das in Anlehnung an die Schlössernacht als »Dresdner Blechschlossnächte« für kulturelle Belebung sorgen wird.

Heinz K.

Mehr Infos zum Blechschloss sowie Programm unter scheune.org sowie im Blog

TimeRide bietet neues Zeitreiseerlebnis

Neue Elemente für »Dresden 1719« und Jubiläumsspecial für die Weihnachtszeit

Copyright: TimeRide

Zum vierjährigen Jubiläum wartet TimeRide Dresden mit einer Neugestaltung der bereits bekannten Zeitreise ins barocke Stadtgeschehen auf. Die Hochzeit von Prinz August II. Und Prinzessin Maria Josepha bleibt auch weiterhin der Mittelpunkt der Virtual Reality Attraktion. Neu ist dagegen, dass Geschichtsinteressierte auf dem Weg zur virtuellen Kutschfahrt durch die Feierlichkeiten Zwischenstopp an einem virtuellen Papiertheater machen. Mit dieser Art der Unterhaltung (damals noch vollanalog, versteht sich) vertrieb sich im 18. Jahrhundert das einfache Volk seine Zeit. Die Aufführungen hatten zumeist die Intrigen und Skandälchen des Adels zum Thema. Als weiteres Schmankerl zum Standortjubiläum hat sich das Team von TimeRide eine virtuelle Deutschland-Zeitreise einfallen lassen, die in zehn Minuten die wichtigsten Ereignisse der deutschen Geschichte, von den Römern bis hin zur Friedlichen Revolution, vor dem Bildschirm der VR-Brille ablaufen lässt. Erleben kann man den Schnelldurchlauf der deutschen Geschichte vom 1. – 23. Dezember, wie gewohnt, am Taschenbergpalais.

RK