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Wenn du mal Gift brauchst - Romeo und Julia im Theaterhaus Rudi
Grüne Tarnnetze mit roten Rosen. Ein samtener Vorhang, der unter dem geschichtsträchtigen Balkon zu einer Tür gespannt ist. Der erste Kampf beginnt: Maskiert mit Guy-Fawkes-Kostümen tritt eine aufgebrachte Menge auf, die sich ein Gefecht mit Schlagstöcken liefert. Musik erklingt und die tragische Geschichte zwischen den Liebeskindern Romeo und Julia beginnt. Ihre Familien stehen sich in Feindschaft gegenüber, weshalb die Liebe der beiden scheitern wird.
Der Text, der im späten 16. Jahrhundert von William Shakespeare geschaffen wurde, ist ein unbestrittener Klassiker und erzählt die wohl verhängnisvollste Liebschaft der Literaturgeschichte. Man könnte Romeo und Julia auch als „alten Schinken“ bezeichnen, dem eine moderne Theaterinterpretation wohlbekäme. Ulrich Schwarz versucht gemeinsam mit der Darstellergruppe »Spielbrett« einen Kompromiss zu schaffen: Auf der einen Seite halten sich die Akteure an die Original-Versform und dichten hin und wieder einige zeitgenössische Reime hinzu. Mit Bezug auf eine sowjetische Zeichentrickserie oder die Klatschpresse in Printform wird die Nähe zu den modernen Medien gesucht. Auf der anderen Seite wird das Stück durch die Wahl der Kostüme und des Dialekts vergegenwärtigt und leider auch banalisiert. Romeo tritt im Glitzermantel und mit weißer Sonnenbrille seinem besten Freund Mercutio gegenüber, der mit Dreadlocks und Festivalarmbändchen einen alternativen Gegenpart zum verliebten Jüngling darstellt. Witzig und unterhaltsam ist die musikalische Unterstützung durch drei Straßenmusiker, die als traurige Clowns zwischen den einzelnen Szenen moralische Fragen an das Publikum richten und über menschliche Beziehungen sinnieren. Auch das Publikum erfüllt diverse Aufgaben: Zum einen liest es Capulets ehrwürdige Gästeliste vor, auf der man so manchen eingeladenen Besucher kennt oder es fungiert als Leichenhalle. Gelungen ist auch der gesangliche Einsatz jeder der Figuren, die durch Wortspiele und Situationskomik die Mehrheit des Publikums für sich gewinnen.

Allerdings ist zu klären, warum fast jede Situation ins Lächerliche übersteigert wird. Wenn Emotionen aufkommen, beispielsweise als Julia den Tod ihres Geliebten realisiert und sich erdolchen will, werden diese durch Übertreibung und zu ambitionierten Witz erstickt. Zudem bleibt man in dieser Szene als Zuschauer buchstäblich im Dunkeln sitzen was ein Mitfühlen mit Julia unmöglich macht. Zeitweise glaubt man sich im Pantomimentheater: Würde man lediglich auf die dramatisierte Mimik und Gestik der Darsteller achten, bedarf es in mancher Situation keines Textes. Weniger ist also manchmal mehr. Carolin Herrig

Weitere Vorstellungen: 20.7. Burgruine Tharandt; 21.7. Waldbühne Hartha; 22.7. Nikolaikirche Freiberg; 23.7. Burgruine Frauenstein; 24.7. Parkbühne Bärenfels; 25.7. Leitenhof Geising; 26.7. Schloss Lauenstein; 27.7.2013 Schloss Kuckstein Liebstadt



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