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Ich will nicht allein unter der Erde liegen – »Die Brüder Löwenherz« in Semper 2
15. März 2015 - Was kommt nach dem Tod und wie gehen wir mit ihm am besten um? Es sind wohl die schwierigsten Fragen, mit denen sich nicht nur ein Sterbender auseinandersetzen muss. Auch den Angehörigen fällt es oft nicht leicht, sich mit dem Thema zu beschäftigen und schon gar nicht, wenn es sich um ein Kind handelt.


Ganz anders geht der 13-Jährige Jonathan damit um. Sein kleiner Bruder Karl, liebevoll Krümel genannt, ist schwer erkrankt und wird bald sterben. Um Krümel die Angst vor dem Tod zu nehmen, erzählt Jonathan ihm die Geschichte von Nangijala. Ein Land der Sagen und Abenteuer und der Ort, an dem Karl gesund und stark sein wird und viele Heldentaten erlebt. Doch es kommt anders. Als das Haus der Familie Löwe brennt, rettet Jonathan seinen kleinen Bruder Karl, kommt jedoch bei dem Sprung aus dem Fenster selbst ums Leben. Karl tröstet der Gedanke, dass sein Bruder nun in Nangijala ist. Kurze Zeit später trifft Karl seinen Bruder an dem sagenhaften Ort wieder. Wie versprochen ist der Junge nun gesund und hat keine körperlichen Beschwerden mehr. Alles scheint wunderbar, bis sich herausstellt, dass auch an diesem Ort das Böse existiert. Vereint müssen die Brüder Löwenherz den bösen Tyrannen Tengil bekämpfen.


Inszeniert hat dieses Musiktheater über das Leben nach dem Tod der Berliner Komponist Helmut Oehring, der hierfür auf die gleichnamige Romanvorlage von Astrid Lindgren zurückgreift. Gehüllt ist das Stück von Beginn an in eine düstere und bedrückende Atmosphäre. Nicht nur das Bühnenbild, sondern auch der Gesang sowie die musikalische Unterlegung wirken oft sehr bedrohlich und verstärken das Böse der phantastischen Welt Nangijala. Die hellen Momente sind rar, stattdessen sind eine gefühlte Anspannung und Enge die ständigen Begleiter. Schauspielerisch überzeugt das Ensemble. Insbesondere den beiden Brüdern Karl (Sarah Maria Sun) sowie Jonathan (Christina Bock) gelingt es ein Band von untrennbarer Liebe und Stärke zu vermitteln. Auch Sophia, gespielt von der gehörlosen Mimin Christina Schönfeld, sowie die Taube Bianca (Wagner Moreira) zeigen, dass Empfindsamkeit keiner Worte bedarf.


»Die Brüder Löwenherz« ist eine Mischung aus Schaupiel, Performance und Musik, das sich nicht nur mit dem schwerfälligen Thema Tod auseinandersetzt, sondern zugleich verdeutlicht, dass auch das Böse zum Leben gehört und dass dagegen ankämpfen muss, um etwas zu verändern. Alles in allem recht schwierige Kost, da die (musikalische) Umsetzung sehr anspruchsvoll ist.



Diana Beyer / Fotos: Matthias Creutziger

Nächste Vorstellungen: 16.-18., 20., 22., 23.3.2015 in Semper 2



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