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Finale Musik mit konventionellen Mitteln: Hauschka
feat. Samuli Kosminen am 20. März 2013 in der Schauburg. »Perkussionsmusik ist eine Übergangslösung der klavierbeeinflussten Musik bis zum Erreichen der finalen Musik der Zukunft.« Das hat John Cage 1937 gesagt und danach hat er das präparierte Klavier erfunden, mit dem sich allerlei perkussives Geschnatter und Geratter erzeugen lässt. Jetzt könnte man über den Begriff »finale Musik« philosophieren, aber was Cage meinte, war schlicht und einfach die elektronische Klangerzeugung, die damals eben noch in sehr kleinen Kinderschuhen steckte. Dass sich das präparierte Klavier auch mit deutlich fortgeschrittener elektronischer Klangerzeugung nicht erledigt haben muss, bewies Hauschka aka Volker Bertelmann wieder einmal sehr überzeugend. Was Hauschka, der mit dem Schlagzeuger Samuli Kosminen von der isländischen Band Múm vornehmlich Stücke von seinem 2011 erschienenen Album »Salon des amateurs« zum Besten gab, da eigentlich tut, ist nicht leicht einzuordnen. Und weil das so ist, schreiben die Medien meist so etwas wie »eine wirklich beeindruckende Mischung aus Klassik und Techno«. Daneben kann, wer will, auch noch eine Prise Postrock raushören und natürlich jede Menge Minimal Music.

Wie man es nennt, ist aber eigentlich auch egal, frappierend vor allem ist die Klangvielfalt, die Hauschka seinem präparierten Flügel zu entlocken vermag und die den klassischen Pianoklang vor allem um perkussive Aspekte ergänzt. Seiner eigenen Aussage nach hat er sich in dieser Hinsicht live allerdings zurückgenommen, da Kosminen diesen Part ja mehr als ausfüllen kann. Dem zuzuschauen ist allein schon eine Freude. Konventionelle Schlagzeugarbeit tritt hier eher in den Hintergrund. Kosminen streichelt, tackert, sirrt und klackert zart mit seinem Gerät, bedient nebenbei diverse Glöckchen, Schellen und ein Mini-Vibraphon und die mittlerweile wohl unvermeidliche Loopstation. Und Hauschka setzt diesem rhythmischen Grundgerüst reduzierte, aber wohlgesetzte Melodiebögen auf, die einen nur schwer im Kinogestühl halten. Da ist es wieder, das Sitzkonzertproblem. Es mag Geschmackssache sein, aber Livemusik (wenn es sich nicht gerade um Klassik handelt) und ein bisschen Bewegungsfreiheit gehören nun mal zusammen. Das in den Stuhlreihen heftig wippende und nickende Publikum schien diese These zumindest zu stützen.

Bliebe die Frage, was der vor dem Bühnenrand auf einem Stapel Bierdeckel balancierende Beamer eigentlich sollte. Dem Vernehmen nach visualisiert der wohl im Normalfall das Geschehen in Hauschkas Piano auf der Leinwand. Funktionierte aber nicht. So war der ganze Spielzeugladen, der dort hüpft und dämpft, schwirrt und puckert, nur per Spiegelung im angeklappten Pianodeckel zu erahnen und das aufgrund optischer Gesetzmäßigkeiten auch nur für eine kleine Minderheit des Publikums. Aber sei’s drum, nur ein kleiner Schönheitsfehler. Davon abgesehen lieferten der Meister des präparierten Klaviers und sein Unterstützer eine wirklich extravagante und musikalisch hervorragende Performance, die selbst dem unermüdlichsten Konzertgänger deutlich länger im Gedächtnis bleiben dürfte, als manch andere Veranstaltung. André Hennig/ Fotos. Stefan Bast




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