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E-Gitarre, Schlagzeug, Testosteron: Two Gallants
am 22. Mai im Beatpol. Die Legendenbildung (erster Gig an einer Bushaltestelle, herausragende Bühnen-Shows) und die lieben Kollegen von der FAZ (Gesang »zwischen dem Klingelton ,alte Hupe‘ und einem andauernden Notruf«) machen einen Ausflug nach Altbriesnitz zu den beiden Buddelkastenfreunden unumgänglich. »Ausziehen, ausziehen!«-Forderungen noch vor dem ersten Akkord lassen vermuten, dass Adam Stephens und Tyson Vogel tatsächlich einen Ruf zu verlieren haben. Auch der Mann am Mischpult scheint angesichts dessen in Experimentierlaune, zu groß ist wohl die Verlockung, bei zwei Leuten auf der Bühne den einen auf den rechten Boxenturm und den anderen auf den linken zu legen. Dass das überhaupt nicht funktioniert, merkt der Fachmann an den Reglern dann zum Glück doch recht flott. Die Erkenntnis führt allerdings lediglich dazu, dass er die Two Gallants eher für Stadionakustik abmischt und nicht für die eines gut gefüllten, aber überschaubaren Clubs. Woran freilich die beiden Krachmaschinen auf der Bühne nicht ganz schuldlos sind. Dass auch zwei Menschen auf einer Bühne ziemlichen Lärm veranstalten können, wissen wir spätestens seit den White Stripes. Und da die mit der gleichen Instrumentierung wie die Kavaliere aus Frisco daherkamen und ähnlich druckvoll agierten, liegt ein Vergleich wirklich nicht fern. Auch weil Vogels Geschepper an den Drums dem von Meg White tatsächlich gleicht. Zu seinem Kollegen Stephens ist nicht viel mehr zu sagen, als dass er seine Instrumente (Gitarre, gelegentlich Mundi und Piano) souverän beherrscht und dass die Assoziation des FAZ-Kollegen nur bedingt nachvollziehbar ist. Reden tut Stephens nicht groß, das macht Vogel hinter seinem Zottelhaarvorhang, bleibt dabei aber auch eher wortkarg.
Neben den beiden Instrumenten, die jeweils tatsächlich auf der Bühne gespielt werden, ist auf jeden Fall ein drittes zu vernehmen und das heißt Testosteron. Man könnte auch sagen, was Two Gallants da machen, hat Eier. Dass die allein nicht immer ausreichen, um die zwischen Vogels Berserkern und Stephens Stimmgedröhn aufblitzenden musikalischen Leerstellen zu füllen, sei allerdings auch konstatiert. Zumindest nicht hier in Dresden. Beim nochmaligen Nachhören des jüngsten Albums an der heimischen Anlage stellt sich die Sache erstaunlicherweise ein klein wenig anders dar und man ist geneigt, die Wikipedia-Zuschreibung »Folkrock« doch ansatzweise gelten zu lassen. Was nach diesem Abend bleibt: Two Gallants sind eine nette Abwechslung vom Mumford&Sons-verseuchten Folkpop-Mainstream und agieren auf der Bühne solide – aber nicht herausragend. André Hennig/Fotos: Stefan Bast




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