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»Die Fleppen sind weg« im wechselbad
So flink, wie die drei Darsteller von Michael Herls Amtsstuben-Lustspiel gestern Abend im wechselbad die Bühne verließen, waren sie wohl auch froh, es endlich hinter sich zu haben. Dabei darf Brigitte Wähner, Dietmar Burkhard und Ulrich Schwarz die Belanglosigkeit des Stückes nicht vorgeworfen werden. Haben sie doch versucht, rauszuholen, was rauszuholen ist. Gereicht hat es aber doch nur dafür, an einem fast nicht mehr lauen Sommerabend gerade so zu unterhalten, dass es zumindest nicht peinlich wurde.
Dietmar Burkhard fand sich gut in der Rolle des arbeitsscheuen Beamten am Machthebel des »Fleppenentzugs« – der Führerscheinstelle, wieder. Gingen die selten zündenden, doch stets erwartbaren Wortwitze immerhin auf sein Konto. Brigitte Wähner versuchte, der gesichtslosen Rolle des geziert-kultivierten alten Fräuleins ein Gesicht zu geben. Nur Ulrich Schwarz ist einfach nicht der Typ für einen überzeugenden Proleten, der die Beziehung zu seiner Mandy kitten will, säuft wie ein Loch und alles nieder pöbelt, was nicht bei drei aus dem Führerscheinstellen-Wartebereich verschwunden ist.
Fräulein, wie Prolet, haben ihre Fahrenlizenz wegen Trunkenheit am Steuer verloren und versuchen sich nun durch die MPU – die medizinisch-psychologische Untersuchung zu mogeln. Zu selbiger kommt es auf Grund der Arbeitsallergie und des Pausenstresses des Beamten Müller nicht wirklich, den Stempel gibt’s irgendwie trotzdem. Wie es dazu kam, ist nicht mehr zu erinnern. Am Ende, wer hätte das gedacht, entpuppt sich der Staatsdiener als der größte Schuft und Suffi, der nach feuchtfröhlichem Kümmerling-Besäufnis am Arbeitsplatz munter hinters Steuer gleitet.
Der Abend wäre erträglicher gewesen, hätte das Drumherum der Sommertheaterinszenierung, wie vom wechselbad angekündigt, gestimmt. Doch das kulinarische Angebot war ebenso sparsam geplant, wie die Schenkelklopfer. Aber man ist ja flexibel und genießt den Roster nach langer Wartezeit auch ohne Salat und Sättigungsbeilage – denn beides war trotz überschaubarer Zahl an Mithungrigen schon aus. AS

nächste Vorstellungen: 30./31.8.2012, jew. 20 Uhr.



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