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Der Spielbrett e.V. hat »Ein dickes Ding« im Rudi
Aristophanes hatte mit seiner »Lysistrata« ein Plädoyer für den Frieden in Form einer derbhumorigen Komödie geschaffen. Spielbrett hat unter der Regie von Ulrich Schwarz jetzt im Prinzip ein Musical draus gemacht. Die im Krieg daheim sitzenden Strohwitwen gieren gleich zu Anfang durch ihre Ferngläser jedem Mann hinterher. Aber Lysistrata hat die Schnauze voll und schmiedet einen, wie kann es anders sein, weiblichen Plan. Man rauft sich zusammen und schwört bei einer Art Sangria-Besäufnis, für keinen mehr die Beine breit zu machen bis nicht endlich Frieden herrscht. Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Diese Weiber sind ja eben gerade auch nicht aus Stein.
In der Zwischenzeit vergiften zwei alte Herren mit diebischer Freude die durch Kreisler unübertroffen besungenen Tauben im Park. Das ist aber kein Akt der Anarchie. Die Tauben, diese widerwärtigen Friedenssymbole werden staatlicherseits beseitigt, da sie immer so nicken, als würden sie zu allem ja, ja, ja sagen. Kann man schon verstehen: Wer im Krieg seine soziale Bestimmung findet, scheut den Frieden wie der Teufel das bekannte Weihwasser. Man sänke schließlich zu häuslicher Bedeutungslosigkeit herab, würde man sich nicht mehr in feindlichen Auseinandersetzungen verzetteln können. Die Frauen entleeren wie gehabt genüsslich ihre Nachtgeschirre über den Köpfen ihrer holden Gatten und stellen sie mit Fußball und Bier ruhig. Und sie wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Männer klein beigeben. Und den Weg gehen die Frauenzimmer auch hier.
Mit ihrer Spiellust und ihrem Spaß am Stück gewinnen die Darsteller das Publikum im Handumdrehen für sich. Da spielt es keine Rolle, ob der eine oder andere vielleicht nicht direkt zum Sänger geboren ist. Trotzdem fragt man sich, ob sich eine »Lysistrata«-Inszenierung irgendwann mal die Mühe machen wird, Männer eben nicht als Trottel hinzustellen. Aber dafür ist es wohl einfach zu verlockend. Und wer weiß, ob es dann überhaupt noch eine Komödie wäre. Wichtiger ist, die Weibsbilder hacken leidenschaftlich ihre harten Möhren klein. Ein schönes Bild. Ganz ohne unterschwellige Kastrationsängste. Und sie singen »Keine von uns schont sich, der Weg zur Liebe lohnt sich«. Dann ist doch alles in bester Ordnung. Wir wissen ja: Die meinen es doch nur gut. S.R.

Nächste Vorstellungen: 9.12.2012 & 12./13.1.2013



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