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Wir sind ganz gut in Übung – Fettes Brot im Interview
Fettes Brot im Interview
■ Die Trauer war groß. Ende 2010 gab das Hamburger Trio eine Trennung auf unbestimmte Zeit bekannt. Schnell wurde gemunkelt, dass dies das Ende sei, Gerüchte kolportiert, Dokter Renz, Björn Beton und König Boris hätten nach 18 Jahren Bandgeschichte das Ende der künstlerischen Fahnenstange erreicht. Heute, drei Jahre später sind alle schlauer. Hörbar gestärkt durch die Pause, bassen Fettes Brot wieder im Takt und feiern ihre Rückkehr mit einer Riesenparty genauer mit dem neuen Album »3 Is Ne Party«. Neben einer ganzen Ladung musikalisch abwechslungsreicher, höchst feiertauglicher Songs, Konfetti und nackten Hintern, gibt es auf der Platte allerdings auch ruhige, nachdenkliche Momente, wie den bereits vorab veröffentlichen Song »Echo«. DRESDNER-Autor Matthias Hufnagl hat bei Björn Beton nachgefragt, worum genau es in dem Stück geht, was die Band vom zielgruppengerechten Texten hält und außerdem erfahren, warum er Sido Respekt zollt. Copyright Foto: Jens Herrndorff.

Eine Trennung auf Probe funktioniert unter Paaren oft eher schlecht. Man trifft sich weiterhin, erkundigt sich und landet irgendwann doch wieder gemeinsam im Bett. Scheint bei euch ähnlich gewesen zu sein, oder?

Björn Beton: Bei den meisten Pärchen, die eine Trennung auf Probe machen, ist der Ofen längst aus. Wenn die sich erst mal auf Abstand einigen, kann man das Ganze meistens auch gleich ganz beenden. Das war bei uns auf jeden Fall anders. Um andere Projekte verfolgen zu können, hat es Sinn gemacht, sich eine Zeit nicht um Fettes Brot kümmern zu müssen. Als Boris Soloplatte 'Der König tanzt' dann aber fertig und auch die dazugehörige Tour abgeschlossen war, fühlte es sich normal an, wieder eine Fettes Brot Platte zu machen. Klar gab es die Sorge, ob genau zu dem Zeitpunkt auch alle wieder Lust haben, oder der ein oder andere doch noch andere Pläne hat. Das war ein gewisses Risiko. Auf der anderen Seite hatten wir vorab vereinbart, nach der Pause mit Schwung, Köpfchen und neuen Ideen eine neue Platte zu machen - was wir ja nun auch getan haben.

Das Stück »Echo« gehört eher zur ruhigeren Fraktion der neuen Platte, läuft gefühlt nicht ganz unter dem Banner von »3 Is Ne Party«. Trotzdem wurde es bereits Anfang Oktober als Appetizer veröffentlicht. Worum genau geht es in dem Stück?

Björn Beton: Es geht um Wünsche, die jeder Mensch kennt: gesehen und beachtet zu werden. Irgendwo ein Gegenüber zu finden. Andere Menschen zu haben, die ähnlich denken und fühlen, sich aber auch in Kunst und Musik widerspiegeln zu können. Etwas zu haben, das einen tief berührt, darum geht es in dem Stück. Bei einer Platte, die »3 Is Ne Party« heißt, ist dies aber tatsächlich der ruhigste und in sich gekehrteste Moment.

Der Moment kurz vor dem Kater wäre demnach der Eröffnungstrack »Wackelige Angelegenheit«?

Björn Beton: Das kann man so sagen. Das ist auf jeden Fall ein postalkoholisches Depressionsthema. Man wacht irgendwann auf und stellt fest, dass das ganze Leben nur eine wackelige Angelegenheit ist.

Standet ihr beim Schreiben der neuen Stücke unter Druck, sowohl den Fans von »Emanuela« oder »Jein«, wie auch den Entertainment-Bedürfnisse der Generation WhatsApp gerecht zu werden?

Björn Beton: Wir haben irgendwann einmal die Erfahrung gesammelt, dass es ergebnislos ist, sich über so etwas Gedanken zu machen. Wir leben einfach in dem Größenwahn, dass wenn wir uns zusammentun und zusammen aufnehmen, sich das immer auch selbst reguliert. Natürlich gab es schon mal die ein oder andere Idee, die wir wieder verworfen haben, aber eben nie weil wir dachten, dass könnte dem ein oder anderen nicht schmecken. Auch nicht, weil wir das Gefühl hatten, das verstehen jetzt nur Leute unter, bzw. über dreißig. Selber maßregeln, oder verändern müssen wir uns also nicht, nein.

Via Twitter habt ihr den Begriff »humorsexuell« verbreitet. Was steckt dahinter?

Björn Beton: Ein Wortspiel aus sexuell, Humor und Homo. Ich glaube, wir wollten den Begriff nur mal in den Ring werfen, haben ihn aber nicht zu Ende geprägt. Es darf sich also jeder selbst Gedanken machen, was das sein könnte. Bei Sexualität etwas Humor dazuzugeben ist aber auf jeden Fall schon mal eine gute Idee.

Neben eurer eigenen, neuen Platte ist Dokter Renz innerhalb einer Allstar-Riege auf dem Titeltrack des neuen Sido Albums vertreten. Ein Jungbrunnen für Fettes Brot, oder Ritterschlag für Sido?

Björn Beton: Etwas von beidem. Auf jeden Fall ein Zeichen dafür, dass auch Sido älter geworden ist. In mancherlei Hinsicht ist er mir fast schon ein bisschen zu alt geworden. Auf jeden Fall verdient es Respekt, die Eier zu haben, all die Leute einzuladen, die für seine eigene Rap-Karriere von Bedeutung waren. Das hat Größe.

Gab es etwas, dass euch als pubertäre Jungs an und in Hamburg derart fasziniert hat, dass es bis heute nachwirkt und vielleicht sogar immer noch eure Musik beeinflusst?

Björn Beton: Ich glaube, dass ist bei uns eher so ein Style-Ding. Wenn wir cool sein wollen, können wir uns als großstädtische und weltmännische Hipster inszenieren. Gleichzeitig haben wir aber nie geglaubt, dass wir als Pinneberger Vorstadt-Deppen so richtig dazu gehören konnten. Wir hatten also immer gleichzeitig eine Vorreiter-, und eine Außenseiterrolle inne, weswegen wir uns bis heute auch ein gewisses Augenzwinkern bewahren konnten.

Freut ihr euch, getreu dem Albumtitel auch während der Tour auf rauschende Partys, oder geht das nur am ersten und finalen Tag, da ihr ansonsten mittlerweile auf die Kondition achten müsst?

Björn Beton: Das hat nichts mit Kondition zu tun. Wir sind da ganz gut in Übung. Es geht eher um einen strikten Zeitplan. Irgendwann fährt der Nightliner nun mal weiter und spätestens dann sollte man an Bord sein. Ich glaube aber trotzdem, dass wir das ein oder andere mal so richtig feiern werden. Dann auch mehr, als am ersten und letzten Abend. Das ist aber wiederum von der Route des Busses abhängig.
Besten Dank für das Interview!

Fettes Brot ist mit MC Fitti als special guest am 23. Januar live im Alten Schlachthof zu erleben; www.fettesbrot.de/fb/

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