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DRESDNER Interviews / O-ton!
Interkulturelles Modellprojekt für die ehemalige Arbeitsanstalt – Der Verein »Elixir« will bezahlbaren Wohnraum für Flüchtlinge und Dresdner schaffen
Der Verein »Elixir« will bezahlbaren Wohnraum für Flüchtlinge und Dresdner schaffen
■ Deutschlandweit wird händeringend nach Lösungen für die Unterbringung und Integration von Asylsuchenden und anerkannten Flüchtlingen gesucht. Ein mögliches Erfolgsmodell ist bereits in einigen Städten angelaufen. Dank dem Engagement des Vereins »Elixir« könnte ein solches »Experimentierzentrum für interkulturelles Leben in Dresden« auf dem Areal der ehemaligen Arbeitsanstalt und des Wehrkreiskommandos auf der Königsbrücker Straße ebenfalls bald schon Wirklichkeit werden. DRESDNER-Autor Martin Krönert sprach über die Idee, Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam bezahlbaren Wohn- und Lebensraum schaffen zu lassen, mit Vereinsvorstand Silke Pohl.

Frau Pohl, was für Menschen stehen hinter der Idee, ein Mammutprojekt wie »Elixir« in Dresden umsetzen zu wollen?

Silke Pohl: Wir sind mittlerweile 20 Personen, die sich aus verschiedenen gemeinnützigen Vereinen, wie dem Ökumenischen Informationszentrum, dem sächsischen Flüchtlingsrat, den Internationalen Gärten Dresden und diversen Flüchtlingsinitiativen zusammengefunden haben.
Die Idee ist entstanden, als die Stadt die Sanierung des leerstehenden Areals auf der Königsbrücker Straße 117a und 119 zur Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften aus Kostengründen ablehnte. Nach einigen Wochen Konzeptphase wurde nun der Verein »Elixir« gegründet. Wir wissen natürlich alle, dass wir ein so ambitioniertes Projekt nicht allein ehrenamtlich stemmen können, aber wir haben in den drei Monaten mit dem intensiven Planungsprozess schon viel geschafft.

Wo stehen Sie derzeit und welche nächste Hürde muss genommen werden, damit die Realisierung gesichert werden kann?

Silke Pohl: Wir haben das Potenzial des Geländes erkannt und öffentlich gemacht. Nun müssen wir vor allem den Stadtrat bis zur Entscheidung im April von dem Konzept überzeugen, damit die Gebäude nicht wie bisher geplant verkauft werden, sondern ein Erbpachtvertrag mit uns abgeschlossen wird. Ohne die Unterstützung, Kompetenzen und Fähigkeiten der Stadt geht es nicht. Ein weiterer wichtiger Schritt unsererseits ist die Gründung einer Genossenschaft. Deren Anteile können von zukünftigen Bewohnern gekauft werden, damit zeitnah Geldmittel für die ersten Baumaßnahmen zur Verfügung stehen.

Was ist allgemein zum Wohnen und Leben für die Flüchtlinge und Dresdner geplant?

Silke Pohl: Unser Wunsch ist ein Mix aus Räumen für WGs, Familienwohnungen und Einzelwohnungen. Der Orientierungsmaßstab von 20 m² pro Person bietet zwar erstmal wenig individuellen Wohnraum, doch dafür sollen zukünftig von den Bewohnern Gemeinschaftsräume für Sport, Feiern und zum Kennenlernen geschaffen werden. Zudem sind prinzipiell alle im »Elixir« gleich zu behandeln – egal ob Deutsche, Migranten, Asylbewerber oder anerkannte Flüchtlinge. Besonders letztere Gruppe hat es derzeit schwer, Wohnraum, Ausbildungsplätze oder eine Beschäftigung zu finden. Wir glauben, neue Modelle wie unser »Elixir« vereinfachen nicht nur die Integration durch gemeinsame Bau- und Gestaltungsvorhaben und die Schaffung von Ausbildungsplätzen, Werkstätten und Bildungsangeboten, sondern sind gleichzeitig ein vielversprechendes Sozialwohnungsbaukonzept, das Dresden dringend benötigt.
Vielen Dank für das Gespräch!

Eine Informations- und Diskussionsveranstaltung des Elixir e.V. findet am 16. März in der Scheune statt. Zu Gast sind u.a. Vertreter von Vorbildprojekten aus Augsburg und München. Wer helfen möchte, kann sich unter kontakt@elixir-dresden.de melden. Weitere Informationen gibt es unter www.elixir-dresden.de

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