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»Die Chemie zwischen zwei Schauspielern ist ein Mysterium« – Interview mit Helen Mirren zu ihrem Raubkunst-Drama »Die Frau in Gold«
Interview mit Helen Mirren zu ihrem Raubkunst-Drama »Die Frau in Gold«
■ Nach epischen Schlachtgetümmeln und schockierenden Kriegsverbrecherdramen hat man nun in Hollywood ein neues Thema für die Zweiter-Weltkrieg-Filme auserkoren: Raubkunst. Die Restitution der von den Nationalsozialisten geraubten Kunstgüter hat zuletzt George Clooney im leicht pathetischen »Monuments Men« beschäftigt. Nun hat sich auch Simon Curtis diesem noch immer kaum aufgearbeitetem Verbrechen gewidmet und schickt Helen Mirren als geflüchtete Jüdin für die Zurückführung ihres Erbes, Klimts Gemälde »Die Frau in Gold«, in den Kampf gegen die wenig kooperationsbereite österreichische Regierung. DRESDNER-Autor Martin Schwickert sprach mit Helen Mirren über die Faszination für den Stoff und ihre Arbeit mit Ryan Reynolds.

Mrs. Mirren, sie stehen mittlerweile seit 50 Jahren vor der Kamera. Haben sie erreicht, was sie sich als junge Schauspielerin vorgenommen haben?

Helen Mirren: Als junger Mensch ahnt man ja nicht, was man alles sein könnte. Dafür hadert man viel zu sehr mit der eigenen Identität. Es ist sehr schwer in jungen Jahren eine richtige Idee davon zu haben, was man erreichen möchte. Aber ich war damals auf jeden Fall ambitioniert. Ich wollte Erfolg, dass meine Stimme als Schauspielerin gehört und meine Kunst wahrgenommen wird. Aber ich hätte damals nie geahnt, dass ich es einmal so weit bringen würde.

Wie schon in »The Queen« spielen sie auch in »Die Frau in Gold« ein real existierende Person. Fühlen Sie sich da als Schauspielerin stärker in der Verantwortung?

Helen Mirren: Auf jeden Fall. Aber anders als bei der Queen, kennen nur wenige Maria Altmann. Die meisten wissen nicht, wie sie aussieht oder wie sie gesprochen hat. Trotzdem habe ich versucht, mich so nahe wie möglich an die reale Person heranzuarbeiten.

Waren sie mit der Geschichte um das Gemälde »Die Frau in Gold« von Gustav Klimt schon vor der Arbeit an dem Film vertraut?

Helen Mirren: Nein, überhaupt nicht. Als ich studierte, hatten fast alle ein Klimt-Poster im Zimmer mit Kaugummi an der Wand festgeklebt. Auch von den Verhandlungen über die Restitution des Gemäldes habe ich seinerzeit nichts mitbekommen, aber als ich das Drehbuch in die Hand bekam und ich mich mit den historischen Hintergründen beschäftigt habe, hat mich diese bewegende und sehr gehaltvolle Geschichte sofort fasziniert.

Was genau machte ihre Faszination aus?

Helen Mirren: Es ist eine sehr interessante Geschichte über den hindernisreichen Weg zur Gerechtigkeit und über das Beharrungsvermögen, das man dafür aufbringen muss. Außerdem ist das eine großartige Rolle für eine Frau in meinem Alter – und da gibt es nicht allzu viele. Die einzige Gefahr bei einem solchen Film besteht darin, dass die Leute denken: »Nicht schon wieder ein Film über den Zweiten Weltkrieg«. Aber Simon Curtis hat keinen historischen, sondern einen sehr persönlichen Film daraus gemacht. Als Jude hat diese Geschichte für ihn eine besondere Wichtigkeit.

Mit Randy Schoenberg, der im Film von Ryan Reynolds gespielt wird, heuert Maria Altmann einen jungen, unerfahrenen Anwalt an und zwischen den beiden entsteht eine sehr ungewöhnliche Beziehung…?

Helen Mirren: Ja, es ist fast wie eine Liebesgeschichte über die Generation hinweg. Natürlich nicht in sexueller Hinsicht. Aber die beiden haben einander als Menschen geliebt, viel miteinander gestritten, aber standen sich am Ende so nahe, als würden sie zur selben Familie gehören. Ich war sehr froh, dass ich das mit Ryan Reynolds spielen konnte, weil er ein sehr charmanter und umgänglicher Mensch ist. Die Chemie zwischen zwei Schauspielern ist ein Mysterium. Man kann sich noch so sehr mögen und trotzdem kann es sein, dass die Chemie sich auf der Leinwand nicht herstellt. Mit Ryan hatte ich da wirklich großes Glück. Manchmal hassen sich die Schauspieler und sehen auf der Leinwand trotzdem aus wie das größte Liebespaar aller Zeiten!
Vielen Dank für das Gespräch!

Die Frau in Gold, ab 4. Juni im Pk Ost, Rundkino und in der Schauburg; USA/Großbritannien/Österreich 2014, Regie: Simon Curtis, mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl u.a. Mehr zum Film unter http://diefrauingold.de/

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