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Hinweis in eigener Sache.

Aufgrund der Allgemeinverordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus sind in Sachsen ab 15. Mai wieder Veranstaltungen möglich. Theater, Musiktheater, Kinos, Konzerthäuser, Konzertveranstaltungsorte und Opernhäuser dürfen wieder öffnen, sofern ein behördlich genehmigtes Hygienekonzept vorliegt. Angebote in Literaturhäusern, Kleinkunst-Spielstätten, Soziokultur und Gästeführungen sind ebenso möglich. Größere Veranstaltungen bleiben bis auf weiteres ausgesetzt, Clubs, Bars und Diskotheken vorerst geschlossen.

Für die veranstaltungsarme Zeit möchten wir unsere Leserinnen und Leser über Online-Alternativen, Kulturmeinungen und kreative Initiativen informieren und auf dem Laufenden halten: www.dresdner.nu/co19

Also, macht das Beste draus und bleibt gesund!

Aktuelle Tonträger

Bela B

bye

(B/sploitation/ Trocadero/ Rough Trade)


Der Mann ist 51 Jahre alt. Somit hat Bela B das brandgefährliche Alter für Rockstars bereits um 24 Jahre überlebt. He's alive and well! Keine schlechte Leistung, bedenkt man, dass er mit seiner Hauptband seit über 30 Jahren für Furore sorgt, regelmäßig die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Plan rief und seinen Rockstar-Status hier und da mit Sicherheit auch etwas zu ordentlich abgefeiert hat. Darum geht es hier und heute aber nicht. Vielmehr erscheint dieser Tage ein drittes Soloalbum, worauf Herr B abermals das Schlagzeug gegen die Gitarre eintauscht. Und? Ganz klar: es darf, muss und sollte laut geklatscht werden. Warum? Ganz einfach. Der Mann liefert mehr, als man hätte erwarten können. Die auf »bye« enthaltene Musik geht weit über einen Aneinanderreihung von Songs hinaus und ergibt summa summarum den Soundtrack für ein Kopfkino-Medley der größten Filme aus den Bereichen »Straße, Colt, Beziehungskiste, Pferd, Kuh, Muscle Car, radikale Liebe und schwarzer Humor«. Klingt nach Überfrachtung? Keineswegs. Zusammen mit seiner allbekannten Band Smokestack Lightnin' und kompetenten Gästen, wie der musikalischen Tausendsasserin Peta Devlin gelingt hier eine Reduzierung auf das Wesentliche. Allzu pubertäre Wortspiele sucht man vergebens und auch der dargebotene, gut abgehangene Rock'n'Roll mit Gürtelschnalle passt mehr vor einen verrucht-verrauchten Kreuzberger Tresen, als auf eine hippe Tanzfläche in Mitte. Große Sätze wie »Der kleine Streichholzmann war von dem Zündholzmädchen sofort fasziniert« aus dem Stück »Streichholzmann«, oder »Ich hab mit Voodoo den Typhus besiegt und in Marzahn eins auf die Fresse gekriegt« aus dem Song »Teufelsküche« stehen dabei exemplarisch für den hier angetretenen Beweis, dass arriviertes Künstlertum nicht immer zwangsläufig mit unnötiger Nostalgie, peinlicher Selbstreflexion oder überladener Selbstbeweihräucherung einhergehen muss. Voller Vorfreude auf die Tour im Mai bleibt daher nur zu hoffen, dass der Albumtitel nicht programmatisch gemeint ist und dieser Mann noch lange von Schuppen zu Schuppen stromert, um uns sein Verständnis von guter Musik näher zubringen.
Matthias Hufnagl
Bela B am 12.5.2014 live im Alten Schlachthof
www.bela-b.de/content/bye
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