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Hinweis in eigener Sache.

Aufgrund der umfangreichen Maßnahmen und behördlichen Anordnungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus sind nach der für Sachsen geltenden Allgemeinverfügung vorerst bis zum 20. April alle Veranstaltungen ausgesetzt.

Nachdem in Sachsen am 23. März sowie am 1. April weitere Verschärfungen der Allgemeinverfügung in Kraft traten, ist das Verlassen der eigenen Wohnung bis 19. April nur noch mit triftigem Grund möglich.

Für die veranstaltungsfreie Zeit möchten wir unsere Leserinnen und Leser über Online-Alternativen und kreative Initiativen informieren und auf dem Laufenden halten: www.dresdner.nu/co19

Also, bleibt zuhause, macht das Beste draus und bleibt gesund!




I've been looking for freedom – »Prometheus 2.0« an der bühne
Wenn das kein Spielzeitauftakt ist. Die bühne hat sich des aktuell berühmtesten Obdachlosen angenommen und präsentiert eine schnittige Stückentwicklung, die komplett funktioniert. Der Fall Edward Snowden wird hier mit der Folie des Prometheus-Stoffs überlegt, also mit der Idee, des »Helden«, der Gutes meint, aber was bewirkt? Das ist bekanntermaßen immer relativ.

Nichts ist im Theater schwerer zu ertragen als aufgesetzte Spontaneität, der Versuch der Illusion, die Dialoge auf der Bühne in möglichst flapsigen Floskeln als nicht inszeniert darzustellen. Was unter der Regie von Romy Lehmann und Markus Arnhold entstanden ist, überzeugt aber tatsächlich: Mario Pannach und Robert Richter sitzen sich an Schreibtischen mit ihren Laptops gegenüber und surfen durch das Internet, als wäre ihnen kurzfristig ihr Samstag-Date geplatzt. Sie haben nichts besseres zu tun und verdeutlichen damit, was »Sinn und Verstand« bedeutet: Zitateseite und Fundstück der Woche. Weißes Rauschen statt Informationsgehalt.

Im Hintergrund läuft als Projektion permanent Text über die Wand. Matrix. Das klingt erst mal nicht sonderlich beeindruckend, doch bedient sich diese Arbeit eines cleveren Kunstgriffs. Sinn und Zweck des »whistleblowing« werden zwar in Frage gestellt, aber versehen mit der Metaebene der Ironie. Was bringt uns das Verhalten von Edward Snowden? Wollten wir eigentlich wissen, was er zu sagen hatte?

Dieser Grundansatz ist erfrischend, denn er hinterfragt die tatsächliche Dramatik, die letztendlichen Auswirkungen der Preisgabe vertraulicher Informationen. Inwiefern hat sich denn seit dem »Outing« Edward Snowdens die Welt verändert? Oder gar das eigene Leben? Das eigene Nutzungsverhalten des Internets? Na bitte. Netzabhängigkeit ist das Stichwort. Aber wer sich im Auge des Zyklons befindet, weiß in der Regel nichts davon. Wo da das heldische bleibt, kann nur mit einem Achselzucken beantwortet werden. Deshalb sieht man am Ende Teile des bekannten Snowden-Interviews derart geschnitten, dass nur die Momente gezeigt werden, in denen er nicht spricht. Effektiv. Intelligent. Genau wie Edward Snowden. Und genau deshalb so verstörend. Rico Stehfest

Nächste Vorstellungen: 23., 25., 26. & 30.10., 2.11.2013, die bühne, jew. 20.15 Uhr.



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