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DRESDNER Interviews / O-ton!
»Ich habe keinen Grund zum Schimpfen« – Im Gespräch mit Kathrin Schmidt, Dresdner Stadtschreiberin 2021 (Foto: Dirk Skiba)
Im Gespräch mit Kathrin Schmidt, Dresdner Stadtschreiberin 2021 (Foto: Dirk Skiba)
■ Seit Juni wohnt die Schriftstellerin Kathrin Schmidt in der Stadtschreiberwohnung in Pieschen. Für ein halbes Jahr ist die Berliner Autorin Dresdnerin. Eine Vielschreiberin ist Kathrin Schmidt nicht – seit den frühen 80er Jahren veröffentlichte sie fünf Romane und eine Handvoll Lyrik- und Erzählbände. Ihr erfolgreichster Roman »Du stirbst nicht« erhielt 2009 den Deutschen Buchpreis. Er erzählt ihre eigene Geschichte: Durch einen Schlaganfall, nach Koma und Lähmung wird eine Schriftstellerin mit Erinnerungsverlust und Sprachlosigkeit konfrontiert, gegen die sie ankämpft und ihr Leben zurückgewinnen will. DRESDNER-Autorin Annett Groh im Gespräch mit der neuen Dresdner Stadtschreiberin.

Was waren die Gründe für Ihre Bewerbung als Dresdner Stadtschreiberin?

Kathrin Schmidt: Das war ja nicht meine erste Bewerbung für Dresden, ich hatte mich auch schon für das poet in residence-Stipendium in Loschwitz beworben, was leider nicht geklappt hatte. Dresden fasziniert mich schon seit meiner Jugend und ist eine wichtige Stadt für mich. Ich hatte hier einen Freund, mit dem ich gemeinsam die Kunstausstellungen besucht habe. Über ihn bin ich mit der DDR-Opposition in Berührung gekommen und habe Anfang der 80er Jahre schon Lesungen in der Versöhnungskirche gemacht. Das war für mich sehr entscheidend. Dresden hat sich sehr verändert. Das Dresden, was ich damals kannte, unterscheidet sich sehr von dem, was heute ist. Es gibt aber auch noch einen zweiten Grund für meine Bewerbung: Ich kann bei Stipendienaufenthalten besser arbeiten als zuhause, seit mein Mann Rentner ist (lächelt). Er stört mich nicht mit Absicht beim Schreiben, aber es ist doch ganz anders als früher, wo ich allein im Haus war und er auf Arbeit.

Kurt Drawert schimpfte in seinem Buch »Dresden. Die zweite Zeit« über die Stadtschreiberwohnung: sie sei funktional und ausdruckslos, der Schrank zu klein und das Bett protestantisch schmal ...?

Kathrin Schmidt: Ich habe es noch nicht gelesen, es mir aber vorgenommen. Schimpfen würde ich über die Wohnung nicht. Es ist eine normale Wohnung, und die Terrasse entschädigt mich für so ziemlich alles. Wenn ich irgendwo bin, brauche ich ohnehin nur meinen Rechner. Ich kann eigentlich überall arbeiten. Ich habe gar keinen Grund zum Schimpfen.

Haben Sie sich ein spezielles Projekt für Dresden vorgenommen?

Kathrin Schmidt: Ich arbeite an einem neuen Buch, von dem ich noch gar nicht weiß, was es wird. Es ist ein Zufallsfund: Ich habe von meiner Freundin ein Tagebuch von einer anonymen Neuruppinerin bekommen, die man für eine Schneiderin hielt. Ich habe herausgefunden, wer sie wirklich war. Sie hat sogar einen Wikipedia-Eintrag, wenn auch nur als Tochter eines bedeutenden Mannes. In dem Tagebuch entspinnen sich unglaubliche, auch mich selbst in meinem persönlichen Leben berührende Geschichten. Es wird auch eine schlesische Industrieadelsfamilie genannt, die nach Dresden kommt und eine gewisse Rolle spielt. Ich stehe mit der Arbeit noch ganz am Anfang und kann noch gar nicht viel darüber sagen. Aber ich will hier auch im Archiv nachforschen, um mehr zu erfahren. Da gibt es noch viel zu entdecken.
Vielen Dank für das Gespräch!

Kathrin Schmidt hält am 25. Juni 2021, 19.30 Uhr im Kulturpalast (Foyer 2. OG) ihre Antrittslesung. Die Lesung wird auch im Live-Stream auf www.dresden.de/stadtschreiber übertragen. Zudem liest sie am 11. August ab 19.30 Uhr beim PalaisSommer gemeinsam mit Marcel Beyer, Volker Sielaff u.a. anlässlich der Jubiläumsfeier zur 100. Ausgabe der Literaturzeitschrift »Ostragehege«.

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