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Feldherren treffen auf sächsisches Geflügel – Die Serkowitzer Volksoper lädt mit »Romulus der Große« in die Saloppe
Die Serkowitzer Volksoper lädt mit »Romulus der Große« in die Saloppe
■ Eine römisch-germanische Hühneroper feiert am 12. August Premiere in der Saloppe: die Serkowitzer Volksoper hat sich diesmal Dürrenmatts »Romulus der Große« vorgeknöpft. Das bei Opernfans und Klassikfernen gleichermaßen beliebte Musiktheater lässt es mit dem neuen Stück gewaltig krachen – verzichtet aber auf echte Hühner, wie Regisseur und Projektleiter Wolf-Dieter Gööck DRESDNER-Autorin Kaddi Cutz im Gespräch verriet.

Ihr seid mit der Serkowitzer Volksoper jetzt im 9. Jahr. Was macht das Projekt aus, bei dem das Ensemble noch immer mit so viel Herzblut und Spielfreude dabei ist?

Wolf-Dieter Gööck: Es ist zum Selbstläufer geworden und inzwischen ein Ensemble von Leuten, die sich sehr gut kennen und miteinander sehr gut Ping-Pong spielen können. Wir sind in der Arbeit sehr schnell geworden, weil wir uns gut kennen, wissen wie wir ticken und den Gedanken der anderen gut folgen können. Das ist eine ganz wunderbare Zusammenarbeit. Und wenn man einmal angefangen hat mit so einer Serie, dann steigt man auch nicht wieder aus. Wir freuen uns jedes Jahr auf das Publikum, das einfach auch total Lust hat, uns zu sehen. Über die Jahre haben wir uns ein Stammpublikum erspielt und legen eigentlich jedes Jahr nach, was die Spieltermine angeht. Angefangen haben wir mal mit sechs, in diesem Jahr sind es zehn.

Wer entscheidet, was gespielt wird? Mischen da alle mit?

Wolf-Dieter Gööck: Hauptsächlich ist das ein Ding zwischen Milko Kersten und mir, in diesem Jahr ein bisschen mehr meins. Das ist ein lang gehegter Traum, den ich mir da erfülle, dieses Stück machen zu können. Ich mag den Dürrenmatt sehr gern. Ich bin in der Siebzigern auf ein ausrangiertes Bibliotheksbuch gestoßen, das war der »Romolus«, und ich war einfach begeistert von diesem Sprachwitz und der Souveränität, mit der Dürrenmatt seine Gedanken witzig in eigentlich tragische Storys gießt. Das hat mich nie so wirklich losgelassen. Ich hab das dann den Kollegen nahegelegt (lacht) und die waren völlig happy. Überrascht, aber eigentlich auch nicht.

Warum nicht?

Wolf-Dieter Gööck: Na ja, so bekannt ist es ja nicht, aber sie haben sich darauf eingelasssen und damit mir, und hoffentlich auch dem Publikum, einen Riesenwunsch erfüllt. Als sie den Romolus gelesen haben, konnte ich mir anhören, dass ich ja eigentlich sowieso die letzten Jahre nichts anderes gemacht hätte, als Dürrenmatt-Stücke zu schreiben, weil dessen Sprache mich offenbar doch mehr beeinflusst hat, als mir das selber klar war. Die haben da was wieder erkannt und waren sehr entzückt.

Das klingt dann aber, als wäre »Romulus« auch wirklich überfällig gewesen?

Wolf-Dieter Gööck: Es passt absolut in die Zeit, beschäftigt sich mit der Frage: Was hat ein Land für ein Recht, sich zum Weltreich zu erklären? Ein anderer Gedanke ist, dass ein Volk den Reichtum abschaffen will, zu Gunsten von etwas Neuem. Das kennen wir hier im Osten ja besonders gut (lacht). Wenn sich dann aber rausstellt: huch, das was da dann kommt, ist auch nichts anderes. Tja, dann wird’s ganz närrisch. Das führt Romulus vor.

Was ist die größte Herausforderung oder auch der besondere Spaß bei der Nachbearbeitung von so bedeutungsschweren Klassikern für eine Bühne, die auch mit dem Ulk sehr liebäugelt?

Wolf-Dieter Gööck: Wenn man etwas sehr Wertvolles in der Hand hat, dann muss man damit wertschätzend umgehen und das machen wir auch. Umso schmerzhafter ist es für uns, da erheblich kürzen zu müssen. Und das, obwohl schon alle Spieler mehrere Rollen spielen und diese in rasantem Wechsel tauschen müssen. Und es kommt natürlich auch noch was dazu, nämlich die Musik, in diesem Fall größtenteils von Händel. Da mussten also auch noch neue Gesangstexte her, die dann auch von uns extra ersonnen wurden.

Wird es auch Hühner auf der Bühne geben?

Wolf-Dieter Gööck: Auf jeden Fall! Dem Tierschutz zuliebe natürlich keine echten. Die können aber auch nicht reden. Eines unserer Hühner hingegen hat einen vortrefflich ausgeprägten sächsischen Dialekt.

2020 feiert ihr euer 10-Jähriges – gibt es was Besonderes zum Jubiläum?

Wolf-Dieter Gööck: Bestimmt. Vielleicht sogar schon vorher, wir sind da gerade an was dran, das wir vielleich sogar noch dazwischen schieben. Was das Jubiläum angeht, hat Milko schon eine ganz gute Idee. Aber das ist noch ein ungelegtes Ei.
Vielen Dank und viel Erfolg!

»Romulus der Große« feiert am 12. August, 19.30 Uhr seine Premiere in der Saloppe; weitere Termine siehe timer und unter www.serkowitzer-volksoper.de

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