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DRESDNER Interviews / O-ton!
Die Hauptsache ist, es bleibt ein Wohnzimmer – Im Gespräch zum 18. Geburtstag der Chemiefabrik
Im Gespräch zum 18. Geburtstag der Chemiefabrik
■ Die Chemiefabrik, als fester Bestandteil der Dresdner Konzert- und Clublandschaft nicht wegzudenken, feiert ihr 18-jähriges Bestehen mit einer Punkrockfete am 14. September. DRESDNER-Autor René Seim hat aus diesem Anlass mit Andi, Mitbetreiber und Musiker (Strg-Z, Rotzlöffel), über die Gründung, den Ausbau und die Zukunft des Clubs gesprochen.

Wie kam es denn zur Gründung der Chemo?

Andi: Die Chemo entstand zu einer Zeit, als in Dresden alles noch viel unterteilter war. Du hattest da einen Club, der machte Rock´n´Roll, der andere Metal, der nächste Punkrock. Es war halt alles klarer definiert. Aber ich fand das schon immer blöd, denn Musik soll ja keine Grenzen schaffen, sondern die Leute zusammenbringen. Den Anfang machten Freunde aus der Dresdner Punkerszene, die bis dahin auf dem Scheunevorplatz und bei Konzerten im Merkwürden auf der Louisenstraße unterwegs waren. Von denen entdeckten dann welche das Gelände hier und so ging es dann los mit den Konzerten in der Chemo. Anfangs war auch noch eine Gruppe Technos mit im Spiel – aber das ging nur eine kurze Zeit zwischen beiden Gruppen gut. Ich selbst kam erst etwas später dazu und fing an Konzerte zu veranstalten. Der Jugendtanz vom AZ Conni mietete sich jeden Donnerstag ein, und später gab es auch wieder Elektroveranstaltungen.

Mit der Chemo verbindet man aber immernoch zuerst Punkrock, Hardcore und auch verschiedene Metalgenres. Bei welchen Anfragen würdet ihr aber doch absagen?

Andi: Wir haben da musikalisch gesehen keine Vorgaben. Das wichtigste ist, dass es keine zu kommerzielle Geschichte sein sollte, und da bekommen wir mittlerweile gehäuft Anfragen, denn wir machen das hier wirklich nicht, um mal schnell Geld zu verdienen. Wir wollen bei den Veranstaltungen Spaß haben. Und zum anderen müssen die Personen, die hier was auf die Beine stellen wollen, einfach menschlich passen. Das Gefühl zueinander muss einfach stimmen, dann kann man auch alles mal probieren.

Der Ausbau hat die Optik der Chemo ja doch beträchtlich verändert. Der Käfig-Effekt ist ja definitiv weg, zum Glück. Was gibt es denn da für Reaktionen?

Andi: Es gab gemischte Reaktionen, völlig klar. Ich hadere auch noch ab und zu damit, ob das die richtige Entscheidung war. Ich steh auf Kellerclubs und bin damit aufgewachsen. Ich fand den Käfig-Effekt eher schön. Aber der Umbau war notwendig und Veränderungen brauchen oft etwas Zeit. Glücklicherweise überwiegt Lob und Freude bei den Leuten. Mittlerweile erhält der Raum auch seine charmanten Gebrauchsspuren zurück und wird mit jeder Veranstaltung lebendiger.

Apropos Gestaltung, es gibt ja zu den meisten Konzerten ein ganz besonderes Plakat. Erzähl mal!?

Andi: Ja, das kommt dann immer vom Toni, handgefertigt. Der hat schon immer gemalt, also so für sich. Irgendwann fing er an, seine Plakate mitzubringen. Und das fanden nicht nur die Leute sehr cool, sondern auch die Bands, die das mitnehmen wollten. Es sind ja alles Unikate. Und so hat sich das verselbständigt. Es ist aber kein Auftrag an ihn. Er bringt sich damit einfach ein. Und das ist wieder so ein Chemoding, dass sich halt jeder hier mit einbringt und etwas beiträgt.

Gab es bei dir schon Momente, dass du hier aufhören wolltest, weil du doch alles schonmal gesehen, gehört und gemacht hast?

Andi: Nee, ganz ehrlich, das gab es noch nie. Also klar, man ist auch mal K.O. von der einen oder anderen Sache, aber man weiß ja stets, warum man das tut. Solange ich hierherkomme und immer noch dieses gewisse Wohnzimmergefühl bekomme, ich also in vertraute Gesichter schaue, also auch neue Gesichter natürlich, aber halt Leute, die hierher gehören, so lange hab ich da auch keine Zweifel dran. Wenn hier aber irgendwann mal die Mentalität »Der Kunde ist König« einzieht – und ich mich hier selbst nicht mehr wiederfinde – da würde ich doch die Tür schließen. Aber wir schauen natürlich, dass es nicht soweit kommt.
Dann alles Gute für die Zukunft!

18 Jahre Chemo am 14. September um 20.30 Uhr mit Toxoplasma, Acht Eimer Hühnerherzen, Pinoreks, Es war Mord, Rotzlöffel, Blood Sugar; mehr Infos unter: www.chemiefabrik.info

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