Neue Corona-Regeln in Sachsen

Das sächsische Kabinett hat am Dienstag eine neue Corona-Schutzverordnung beschlossen, die vom 21. Oktober bis zum 17. November gilt. Die Verordnung sieht u. a. vor, Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern ohne Begrenzung zu ermöglichen, wenn die 2G-Regeln eingehalten werden können. Bei solchen Veranstaltungen kann bis zum Erreichen der sogenannten Vorwarnstufe auf Regeln wie Kontakterfassung und Besucher-Höchstgrenzen verzichtet werden. Notwendig ist allerdings ein genehmigtes Hygienekonzept. Auch mit Erreichen der sogenannten Vorwarn- oder Überlastungsstufe sind Veranstaltungen weiterhin möglich. Sofern die Veranstaltung in Flanier- und Verweilbereiche aufgeteilt werden, könne in den Flanierbereichen auf Kontakterfassung, 3G-Regelung und Maskenpflicht verzichtet werden. Mit der neuen Verordnung werden Sportgroßveranstaltungen wie auch Weihnachtsmärkte und Bergparaden ermöglicht.

Weitere Änderungen sieht die neue Verordnung beim 2G-Optionsmodell vor. Sofern sich die Veranstalter für dieses Modell entscheiden, entfällt laut Kabinett die bisherige Begrenzung auf 5.000 Besucher und die Pflicht zur Kontakterfassung. Zusätzlich zu den Änderungen bei Großveranstaltungen und dem 2G-Modell hat das Sächsische Kabinett auch einige Änderungen für Schulen und Kitas auf den Weg gebracht. So entfällt zum Beispiel die Maskenpflicht im Klassenraum ab 8. November. (Quelle MDR)

Im Detail ist die Verordnung nachzulesen hier.

Yenidze Theater öffnet am 23. Oktober

In Kooperation mit der Indischen Botschaft Berlin und dem Indian Council for Cultural ReIations (ICCR) eröffnet das Theater in der Yenidze am 23. Oktober. Unter dem Leitbild »Tradition trifft Innovation« und »East meets West« trifft dabei klassische Kunst und Kultur des Orients und Okzidents auf experimentelle Kunstformen. Direkt unter der Kuppel, die durch ihre farbenfrohe Stahl-Glas-Konstruktion eine ganz besondere Atmosphäre bietet, wird mit der Produktion „Dimension“ die Spielzeit 2021/22 eröffnet. Zum Programm gehören klassische und zeitgenössische Inszenierungen, Workshops, Vorträge, Bildungsangebote und Ausstellungen.

Das Yenidze Theater Team: Mario Faust, Anne Dietrich, Doreen Seidowski-Faust

Nach indischer Tradition werden wichtige Ereignisse immer über mehrere Wochen gefeiert. Atmadhvani erschaffen dabei erstmalig zusammen mit Medienkünstler Jo Siamon Salich ein Gesamtkunstwerk aus Video, Grafik, Sounds und Performance. Eine spektakuläre Performance aus westlich und östlichen Klängen, Sounds, Sprache, Bewegung, Tanz, Lichtdesign und Medieninstallation.

Zum Hintergrund:

Die drei Künstlerinnen und Künstler Anne Dietrich, Doreen Seidowski-Faust und Mario Faust haben sich 2014 zusammengefunden. Als Atmadhvani und assoziierte Kompanie des Yenidze Theaters verwirklichen sie gemeinsam mit Christian Retzke innovative, kreative und weltoffene Projekte. Die Verschmelzung indischer Mythologien mit klassisch indischen Ragas, Gesängen und Tanz werden mit elektronischen Sounds gepaart.

Spielplan und Tickets unter yenidze-theater.de/spielplan.

Save The Next Dance

Programmzauber beim DAVE Festival

Nachdem das DAVE Festival 2020 coronabedingt nur verkürzt stattfand, wird es im achten Jahr seines Bestehens in Volldistanz, also an zehn Tagen ausgetragen. Aber nicht nur die Länge lässt aufhorchen, es handelt sich beim diesjährigen Angebot auch inhaltlich um einen Kessel Kunterbuntes. Umfasst es doch audiovisuelle Liveshows und Konzerte genauso wie Workshops, Diskussionen, Kino und Theater. Und da das den Veranstaltern noch nicht aufwendig genug schien, führt man auch interdisziplinäre Experimente wie das Backstage-Dinner ein. Dieses findet am 13. Oktober in der extra umgestalteten Chemiefabrik statt. Der dortige Küchenmaestro Mario Forberg zaubert live ein Sieben-Gänge-Menü, welches den hohen Anspruch veganer Deluxe-VoKü und tierproduktfreier Drei-Sterne-Hausmannskost genügen soll. Zu jedem Gang gibt sich jeweils ein Act die Ehre, wobei von Drone bis Drum’n‘Bass nichts versprochen, aber alles zu erwarten ist. Wem das noch nicht Programmzauberei genug ist, der gönne sich den Online-Fernsehsender DAVE-TV, denn hier wird innovative Teilhabe zelebriert. Konkret heißt das, es wir nicht nur ein bloßer Live-Stream von den diversen, jeweiligen Event-Spots geliefert, sondern man unterfüttert das Entertaiment-Format mit diversen Reportagen von Studiobesuchen bei Dresdner Künstlern, „Behind-The-Scenes“-Eindrücken oder Interviews mit lokalen Clubkultur-Akteuren. Das Publikum kann sich per Livechat mit Gleichgesinnten austauschen und aktiv am Sendegeschehen teilnehmen. Im Vordergrund steht natürlich das echte dabei sein.

Neu und für ein Club-Festival fast schon überraschend, startet das Festival auch wirklich in einem Club, dem Sektor Evolution. Dort eröffnet die Wahlberlinerin JakoJako mit einem Mix von Ambient bis Techno, begleitet vom Dresdner Visual-Künstler Dominic Kießling, der erst kürzlich mit seinen riesengroßen Zweig-Bällen in der Dresdner Heide für Aufmerksamkeit sorgte. Danach folgt Panda Lassow, die ihr Live-Debüt zusammen mit den Visual von highpitchedblack gibt. Doch auch da kennt das Opening noch kein Ende, das Opening bleibt eine anhaltende Staffelübergabe an elektronischen, tänzerischen, interdisziplinären, visualisierenden Acts. Ein Kaleidoskop zumeist elektronischer Unterhaltungskunst.

Beim Opening am 8. Oktober am Start: Interdisziplinäres Kunstkollektiv

Doch es geht auch um Austausch und um das Kennenlernen der Szene. Dazu eignet sich zum Beispiel der Label-Markt am 9. Oktober im Sektor Evolution. Dabei handelt es sich um eine Plattform, um Fans und Enthusiasten lokale Musiklabels in ihrer Tonträgervielfalt vorzustellen. Dabei geht es nicht nur um Vinylschallplatten, sondern auch Tapes, Minidiscs und andere Formate kehren aus der Versenkung zurück. Bildung funktioniert nicht nur über Aufnahme, sondern auch über das Tun. So kann man unter dem (verkürzten) Motto: „Wir denken mit unseren Fangarmen, wir tasten mit unseren Saugnäpfen, wir lieben mit unseren Schlauchherzen … “ im objekt klein a in Workshops das Bauen, Tanzen und DJ-Sein lernen oder verbessern. Gestartet wird um 12 Uhr mit einem Sektfrühstück. Ab 20 Uhr darf dann das gelernte Wissen vertanzt werden. Im Thalia Kino kann man sich am 11. Oktober den Musikdokumentarfilm „Sisters with Transistors“ anschauen. Es handelt sich hierbei um die Doku-Geschichte von Pionierinnen der elektronischen Musik, deren Einfluss bis heute spürbar ist, obwohl die meisten Menschen noch nie von ihnen gehört haben. Das Format 8×8 kehrt zurück und findet erstmals in der GrooveStation statt. Hierbei erzählen acht Protagonistinnen und Protagonisten aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Dresdner Clubkultur ihren persönlichen Werdegang. Dazu haben sie genau acht Minuten Zeit, um Fragen zu beantworten.

Das Festival findet sein Ende am 17. Oktober in der Showbox. Der Clou dabei ist, dass dabei Jazzclub Tonne und Showboxx ein gemeinsames Programm zusammen gestellt haben, das alle beglücken soll. Es treten der Berliner Pianist Lambert, der norwegische Saxophonist und Opernsänger Håkon Kornstad, sowie die Dresdner Klavierspielerin Johanna Summer zum gehaltvollen Abschluss auf.

René Seim

DAVE Festival, 8. bis 17. Oktober in diversen Locations; Programm, Tickets, Hygiene-Infos und mehr unter dave-festival.de. Zusätzlich sendet coloradio.org im Festivalzeitraum DAVE Radio Special-Sendungen.

Filme über den Tellerrand

Interkulturelles Kurzfilmfestival im Zirkuszelt am Bischofsplatz

Im Zirkuszelt am Bischofsplatz im Dresdner Hechtviertel entsteht für drei Wochen im Oktober ein Raum für kulturellen Austausch und zwischenmenschliche Begegnung. Menschen aus ganz verschiedenen Lebenswelten und Ländern treffen hierbei aufeinander, kuratieren Kurzfilme und gestalten als Tandempartner einen
gemeinsamen Abend. Das Ergebnis sind Filme über den Tellerrand.

Das Zirkuszelt am Bischofsplatz

Beim interkulturellen Kurzfilmfestival „Filme über den Tellerrand“ präsentiert KinoüberLand e. V. ein Programm aus zahlreichen Kurzfilmen, Musik und Lesungen. In verschiedenen Workshops mit sozialen Trägern und Netzwerkarbeit mit Kulturakteuren will der im März 2021 gegründete Verein im Oktober zudem sein Engagement zur Belebung der filmkulturellen Infrastruktur auf dem Land sichtbar machen. Der Eintritt ist frei. Es gilt die 3G-Regel.

„Filme über den Tellerrand“, 6. bis 30. Oktober im Zirkuszelt am Bischofsplatz, Programm unter kinoueberland.de

Ein Tribute-Album mit den größten Hits

Dresden hat keine Banksy-Ausstellung

2006 organisierte Banksy eine Ausstellung in Los Angeles, bei der Angelina Jolie ein kleines Vermögen für drei Werke bezahlte und die sein Schicksal als berühmtester Straßenkünstler der Welt besiegelte. Eigentlich waren es aber die Stunts, die ihn berühmt machten. Der Einbruch in den Zoo von Barcelona, die Veröffentlichung seiner eigenen Version der CD von Paris Hilton, das Aufstellen eines aufblasbaren Guantanamo-Gefangenen in Disneyland, die Aufschrift »Mind the crap« auf den Stufen der Tate Gallery und das Eindringen in mehrere große Museen, um seine eigenen Werke aufzuhängen, sorgten für Aufmerksamkeit in den Medien. Er machte aus der Straßenkunst eine Art Performance-Kunst und ahmte die Arbeitsweise der großen Marken nach, um etablierte Werte anzugreifen.

Ein Blick in die Ausstellung; Copyright: Dominik Gruss

Die Ausstellungen, die Banksy produziert, haben nie die Form einer »traditionellen« Kunstausstellung. Sie dauern in der Regel nur ein paar Tage und – wichtiger Punkt – sind kostenlos. Dresden hat also keine Banksy-Ausstellung. Das, was in der Zeitenströmung zu besichtigen ist, sind Reproduktionen seiner Graffitis, Stencils, Drucke, Skulpturen und Installationen. Der Anspruch der Ausstellungsmacher ist es, »einen umfassenden Überblick und Einblick in das Gesamtwerk« zu geben. Die Firma »Cofo Entertainment«, die sonst auf Musicalbiografien spezialisiert ist (»Falco – Das Musical«, »Die Udo Jürgens Story«), hat in erprobter Manier also ein Tribute-Album mit den größten Banksy-Hits zusammengestellt: Mit dabei sind der »Flower Thrower«, das »Balloon Girl« und das »Devolved Parliament«. Es gibt einen Nachbau der Eingangshalle des Walled Off Hotels in Bethlehem und einen U-Bahn-Waggon mit Corona-Graffitis: ein großes Kuriositätenkabinett mit handwerklich gut gemachten Kopien.

Nicht autorisierte Ausstellungen mit seinen Bildern sind rund um den Globus zu finden. Man kokettiert mit dem Zitat »Copyright is for losers« und macht sich die Gesetzgebung im Bild- und Medienrecht zunutze, wonach illegal in den öffentlichen Raum eingebrachte Kunst keinen Eigentumsrechten unterliegt. Der Künstler selbst sagt dazu: »There has been a recent spate of Banksy exhibitions none of which are consensual. Please treat them accordingly.«

So fragwürdig das Geschäftsmodell auch ist, die größere Frage ist: Was bietet die Ausstellung tatsächlich? Banksys Werke haben viel schwarzen politischen Humor und satirischen Witz; sie sind Reaktionen auf aktuelle gesellschaftliche und politische Themen. Ohne diesen Kontext können sie nicht gelesen werden, und hier ist auch der Punkt, die Ausstellung zu kritisieren. Fotografien der Werke sind alle im Internet zu finden. Wofür sollen Besucher den happigen Eintrittspreis bezahlen, wenn nur wenig kuratorische Mühe aufgewendet wurde? Die Bilder und Objekte sind zwar mehr oder weniger thematisch geordnet, doch die Erläuterungen zu den Zusammenhängen und Hintergründen fallen sehr mager aus.

Es ist ein heikles Unterfangen, Werke, die eigentlich auf die Straße gehören, in eine Galerie zu holen. Die klugen Beobachtungen, Witze und Unverschämtheiten, die im Einzelnen überraschen und schockieren können, summieren sich nicht zu einem noch größeren Erlebnis. Im Gegenteil: Die Energie, die von einem einzelnen Werk ausgeht, verschwindet. Zusammengenommen wird alles ein bisschen monoton und belanglos.

Annett Groh

The Mystery of Banksy ist bis 9. Januar 2022 in der Zeitenströmung (Königsbrücker Str. 96) zu sehen.

Zeitreise an verschwundene Orte

Die 23. Tschechisch-Deutschen Kulturtage beeindrucken durch Vielfalt

»Heimat«, Tschechisch »Domov«, ist das Motto der 23. Ausgabe des grenzüberschreitenden Festivals. In der Euroregion Elbe/Labe spielt die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Region beiderseits der Grenze eine große Rolle. Besondere Brisanz besitzt das Thema in der sächsisch-böhmischen Grenzregion aufgrund der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Nachwirkungen spürt man auch heute noch, denn mit den Menschen verschwanden vor allem in der Grenzregion auch viele Orte, in denen sie gelebt haben, und damit einhergehend verschwand auch die Erinnerung. In Deutschland ist das Thema inzwischen nur noch wenig präsent, in Tschechien hingegen hat es eine jüngere Generation wieder für sich entdeckt. So wird in Tschechien aktuell auch über eine Wiederbesiedlung der nahezu menschenleeren Grenzregion nachgedacht. Die Fotoausstellung »Das verschwundene Sudetenland« des Vereins Antikomplex aus Prag in der Gedenkstätte Bautzner Straße (zu sehen ab 15. Oktober) stellt historische mit heutigen Aufnahmen verschwundener Orte gegenüber. Der radikale Einschnitt ist bis heute in der Landschaft sichtbar.

Vilém Spilka Quartet

In seinem neuen Buch »Gebrauchsanweisung für Zugreisen« begibt sich Jaroslav Rudiš auf Reisen im Takt der Schienen durch Europa – unter anderem in einem tschechischen Speisewagen. In Dresden liest der Autor daraus am 5. Oktober im Verkehrsmuseum und kommt dabei mit Martin Krafl, dem Leiter des Tschechischen Literaturzentrums und selbst Zugfahrer, ins Gespräch. Am gleichen Tag ist übrigens exklusiv für Besucher der Lesung auch die Dauerausstellung »Schienenverkehr« geöffnet.

Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage bieten diesjährig trotz der pandemiebedingten Einschränkungen eine große Vielfalt an kulturellen Angeboten. Bewährte Programmpunkte wie die Kurzfilmtournee » FEINKOŠT« (8. Oktober im Programmkino Ost), die Becherovka Ska Night mit All Mad Here, Skaprifisher und DJ Ska-Fish (8. Oktober, Chemiefabrik), Exkursionen, Kochkurse, Autorenlesungen, Gespräche und Diskussionen, Konzerte von Klassik bis Jazz und Pop (empfehlenswert: Vilém Spilka Quartet am 2., Tomáš Liškas Worldmusic-Jazz-Projekt »Invisible World« am 5. sowie B/Y Organizm am 15. Oktober in der Tonne), Theater, aktuelle tschechische Kinofilme sowie Ausstellungen mit tschechischen und deutschen Künstlern finden sich auch diesjährig im Programm, das mit 68 Veranstaltungen auf deutscher und 16 auf tschechischer Seite aufwartet. Für die Anreise nach Tschechien wird zudem ein Bus-Shuttle-Service angeboten.

HK

Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage finden vom 1. bis 17. Oktober in diversen Locations in Dresden sowie in der ganzen Euroregion Elbe/Labe bis hin nach Ústi nad Labem statt; Programm, Tickets und mehr Infos unter tdkt.info

Die Jekkes kommen

Die 25. Jüdische Woche Dresden feiert 1700 Jahre jüdische Kultur und die Jekkes-Kultur

Wenn die »Jekkes« kommen, dann sind damit jene jüdischen Personen gemeint, die typische und oftmals negativ konnotierte Eigenheiten der deutschen Kultur mitbringen. Dazu gehören Überheblichkeit, übertriebene Korrektheit und Gründlichkeit und das Phänomen der mangelnden Anpassung, was ungewohnte kulturelle Gegebenheiten betrifft. Früher war der Begriff ein Schimpfwort, heute eine positiv konnotierte Selbstbezeichnung, und dieser kulturelle Zweig steht auch im Mittelpunkt der diesjährigen Festivalwoche. Dazu feiert das Festival zusätzlich 1700 Jahre jüdische Kultur in Deutschland, denn es wurde von der Forschung nachgewiesen und in Funden dokumentiert, dass jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum bereits seit dem Jahr 321 gepflegt wurde. Bis heute sind zahlreiche bekannte Persönlichkeiten in jüdischen Familien aufgewachsen oder gehören der jüdischen Glaubensrichtung an. Karl Marx‘ Großväter waren zum Beispiel beide Rabbiner, sein Vater konvertierte aber zum protestantischen Christentum, weil er als Jude seinen Beruf als Rechtsanwalt nicht ausüben durfte. Deshalb ist Marx auch evangelisch getauft worden.

Im Mittelpunkt des Festivals steht als »artist in residence« Frank London. Den US-Amerikaner wird man als Besucher der Jüdischen Woche höchstwahrscheinlich begegnen, denn er ist unter anderem mit der Dresdner Banda Comunale, in öffentlichen Workshops mit dem sozialen Musikprojekt Musaik e. V. und dem Gymnasium der Kreuzkirche sowie im Konzert zur Festivaleröffnung mit dem Nigunim Trio, einer Weltpremiere (Musik- und Tanzimprovisation zum Leben von Valeska Gert) und weiteren Auftritten zu erleben. London ist Grammy-Preisträger, kommt ursprünglich aus dem Rock’n’Roll, ist aber seit Jahren in der Klezmer-Szene und in der Weltmusik verortet. Er verfolgt mehrere Musikprojekte und ist nebenher auch immer wieder solo unterwegs.

Frank London

Den örtlichen Mittelpunkt bildet das Societaetstheater, denn hier spielt sich der Großteil der Veranstaltungen ab. Dort wird es in den ersten drei Oktobertagen unter dem Titel »Home/Invasion« jüdische Künstler aus Theater, Musik und Tanz einbeziehen und Bühnenstücke, Gespräche und Workshops anbieten. Darunter ist auch die Ausstellung »Lesbisch. Jüdisch. Schwul«, die 24 Biografien von lesbischen Jüdinnen und schwulen Juden zeigt, die im 20. Jahrhundert in Kultur und Politik Teil emanzipatorischer Gruppen waren. Vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus mussten Menschen mit dieser Doppelstigmatisierung extreme Schicksale erleiden.

Neben den Veranstaltungen im Societaetstheater kann auch an Rundgängen über den Alten und Neuen Jüdischen Friedhof sowie dem Rundgang durch die jüdische Neustadt teilgenommen werden. Eine Einführung in Hebräisch und Jiddisch gibt zudem die Bildungs- und Begegnungsstätte HATiKVA. Wem Kulturaustausch eher durch den Magen geht, dem sei das Gefilte Fest im Hygiene-Museum am 10. Oktober empfohlen, wenn es unter anderem darum geht, dass viele deutsche Speisen eigentlich jüdische Wurzeln haben. Und so stellt man am Ende des Tages wieder fest, dass alles ein Geben und Nehmen ist.

Jenny Mehlhorn

Die Jüdische Woche Dresden findet vom 30. September bis 10. Oktober im Societaetstheater und weiteren Orten statt; Programm, Tickets und mehr unter juedische-woche-dresden.de

Kraftwerk Mitte Club wird zum Stromwerk

Außenansicht Stromwerk im Kraftwerk Mitte, Foto: Robert Jentzsch | www.rjphoto.de

Seit Ende 2010 befindet sich der „Kraftwerk Mitte Club“ in zentraler Lage am Wettiner Platz und fungierte bisher primär als Veranstaltungsstätte für Partyevents. Doch nun entsteht hier ein neues Kulturzentrum. Dabei erhält das ehemalige Bahnstromwerk nicht nur eine Teilsanierung und ein erweitertes Konzept, sondern auch einen neuen Namen: STROMWERK – Kulturarena im Kraftwerk Mitte.

Mit nationalen und internationalen Gastspielen sowie regionalen Künstlern sehen sich die Macher als neues Veranstaltungshaus aller Sparten. Dabei bietet das Stromwerk als eines der größten Spielstätten Dresdens mit seinen 641 Sitz- und 1.400 Stehplätzen optimale Voraussetzungen für Konzerte, Comedy- und Kabarettabende. Hinzu kommen neue Veranstaltungskonzepte im Bereich Theater, Bühnenshows, Sportveranstaltungen sowie Lesungen, die dank des Industriecharmes in einer besonderen Atmosphäre präsentiert werden. Die große Wandelbarkeit des Saals und die technische Ausstattung ermöglichen eine schnelle Umsetzung verschiedener Formate.

Beliebte Partyevents werden den Veranstaltungskalender auch weiterhin bereichern. „Die Eventkultur ist Teil unseres Lebens und wir hoffen, dass sich die Menschen in absehbarer Zeit wieder daran erfreuen und das Miteinander zelebrieren können“, so Projektleiter Roger Hädrich, der die umfangreichen Baumaßnahmen in den vergangenen Monaten und die für den 1. Oktober 2021 geplante Wiedereröffnung koordiniert.

Stromwerk bestuhlt; Copyright Foto: Willi Weigelt

„Neben der baulichen Aufwertung möchten wir die einstige Partylocation künftig in eine Kulturarena verwandeln, welche den unterschiedlichsten Veranstaltungsformaten Platz bietet und damit unseren Teil zum bunten, lebendigen Kulturstandort Kraftwerk Mitte beitragen“, fügt Roger Hädrich hinzu. Trotz der vorübergehenden Pausen im Kultursektor blickt Geschäftsführer Olaf Maatz positiv in die Zukunft: „Aktuell stehen noch Nachholtermine für den Zeitraum Oktober bis November 2021 auf dem Plan. Weitere neue Programme werden in absehbarer Zeit veröffentlicht, wenn die Situation hinsichtlich des Corona-Virus und der daraus resultierenden Maßnahmen klarer ist. „

Los geht’s am 1. Oktober mit der XXL Re-Opening Party, vom 5. bis 17. Oktober gibt es mit „Show must go on“ ein Gastspiel der Comödie, und am 23. Oktober die WXW Wrestling-Show True Colors 2021.

Labyversum an den Elbwiesen in Kötzschenbroda

Elbabwärts ziehen nun die Installationen und Kunstwerke samt imaginärer Kunsthalle von Serkowitz nach Kötzschenbroda auf die Elbwiesen. Erweitert wird die Freiluftausstellung am ersten Oktoberwochenende zu einem Labyversum. Damit unterwandert die Kunstfigur Richard von Gigantikow das professionelle Regelwerk des Kuratierens.

Ein internationales Künstlerteam kreiert seit 22 Jahren auf den Elbwiesen in Radebeul eine imposante labyrinthische Installation als Museum ohne Dach, soziale Skulptur oder „Reparatur-Werk-statt-Demokratie“. Als Spezialisten für prozessorientierte Kunst zeigen die Künstler im Labyversum demokratietaugliche Formen im öffentlichen Raum. Das feurige Finale (unklar bisher, ob und wie) lohnt alle Mühen. Träger der Kunstaktion ist der neue Radebeuler Kunstverein „Kunst der Lüge“ e. V. Das Radebeuler Weinfest und Wandertheaterfestival wird in diesem Jahr dezentral organisiert.

Labyversum, 1. bis 3. Oktober, 13 – 22 Uhr Elbwiesen in Kötzschenbroda.

Klima des Wandels

Das 13. Umundu-Festival für nachhaltige Entwicklung

Der globale Klimawandel ist die wohl größte Herausforderung unserer Zeit. Die Risiken und Kosten für die Bewältigung der Folgen der globalen Erwärmung werden immer stärker steigen, wenn nicht gemeinsam und überlegt gehandelt wird. Der Klimawandel ist eine ernste Bedrohung für unsere Lebensweise und er ist eine Chance für neue, zukunftsfähige gesellschaftliche Ordnungen und die globale Zusammenarbeit in einem neuen Zeitalter des Menschen.

Artwork by Robert Richter

Welche Herausforderungen und Möglichkeiten bestehen, den Klimawandel und seine Folgen abzumildern und welche Rolle unser Alltagshandeln, Politik und Verwaltung, Wissenschaft, Bildung und Kultur dabei spielen, will das Umundu-Festival vom 24. September bis 2. Oktober unter dem Titel „Klima des Wandels“ mit einem Festival-Symposium (24. bis 26. September) in den Technischen Sammlungen und mit einer zur Programmatik passenden, eintrittsfreien Festivalwoche (27. September bis 2. Oktober) erkunden.

Umundu-Festival, 24. September bis 2. Oktober in den Technischen Sammlungen sowie weiteren Locations. Aufgrund der aktuellen Corona-Regelungen und der begrenzten Kapazitäten wird empfohlen, sich für die jeweilige Veranstaltung über das Onlineprogramm anzumelden.