Raum im Zentrum für Kunsthaus und Ostrale

Robotron-Kantine soll ab Dezember temporär für zeitgenössische Kunst genutzt werden

Andrea Hilger, Christiane Mennicke-Schwarz, Foto: PR

Die „Robotron-Kantine“ als eine markante Pavillonarchitektur der Ostmoderne, wird in Kürze temporär für zwei Projekte der zeitgenössischen Kunst zur Verfügung stehen. Namentlich werden das Kunsthaus Dresden sowie das OSTRALE Zentrum für zeitgenössische Kunst die Gelegenheit erhalten, das ungenutzte Gebäude temporär zu nutzen. Entsprechende Verträge für die Zwischennutzung sind in Vorbereitung, wie beide Häuser heute mitteilten. Damit kann die internationale Ausstellung für zeitgenössische Künste OSTRALE Biennale erstmals im Dresdner Stadtzentrum stattfinden. Das Objekt befindet sich im Besitz der GERCHGROUP AG, Düsseldorf.

Bereits im Dezember 2020 wird die Robotron-Kantine zum lokalen Auftaktort des internationalen Kunstprojektes Nord Ost Süd West, welches das Kunsthaus Dresden mit weiteren Partnerinnen und Partnern plant. Vier Dresdner Künstlerinnen und Künstler bespielen die Außenfassade temporär und setzen damit dem fortschreitenden Vandalismus an dem Gebäude der Ostmoderne buchstäblich Kunst entgegen. Die künstlerische Leiterin des Kunsthauses Dresden Christiane Mennicke-Schwarz erklärt dazu: „Kunst ist Teil der Gesellschaft, auch in Zeiten der Pandemie. Gerade jetzt, vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme, ist es wichtig, auch ermutigende Zeichen zu setzen, und dafür, dass wir weiterhin Beziehungen und Austausch mit anderen Menschen in der Welt benötigen.“ Geplant sind Beiträge des Projektes Nord Ost Süd West im Sommer im Rahmen der OSTRALE Biennale O21 wie auch im darauffolgenden Jahr in und an der Kantine. 

Andrea Hilger, Direktorin des OSTRALE Zentrums, ist optimistisch, die Voraussetzungen dafür schaffen zu können, dass die Durchführung der internationalen Ausstellung zeitgenössischer Künste OSTRALE Biennale vom 1. Juli bis 3. Oktober 2021 in dem Objekt baupolizeilich genehmigungsfähig ist. Sie hat bereits ein Architekturbüro mit den Planungen beauftragt.

Theater mahnen Politik, differenziertere Lösungen zu finden

Sächsische Theater wenden sich mit offenem Brief an Ministerpräsident Kretzschmer

In einem offenen Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer haben sich heute zahlreiche Theater gewandt und die zweite Schließung ihrer Häuser im Rahmen des für November geltenden »Teil-Lockdowns« gewandt. Im Gegensatz zum Beginn der Pandemie im März sei dieses Verfahren für die Kulturschaffenden nicht nachvollziehbar, wird in dem Brief ausgeführt. Man habe inzwischen kluge, kostenintensive und von den Gesundheitsämtern überprüfte Hygienekonzepte. Auch habe man bisher deutschlandweit keine einzige Ansteckung mit dem Coronavirus in einen Theatersaal zurückverfolgen können.
»Die Theater haben alles getan, um den Besuch der Veranstaltungen für ihre Zuschauer sicher zu machen. Für uns als Kreative ist es irritierend, ernüchternd und nicht zuletzt auch demotivierend, wenn von Politikern Kultur als reines Freizeitvergnügen eingeordnet und mal eben einfach von einem Tag auf den anderen ersatzlos abgeschaltet werden kann. Kultur ist für Menschen relevant. Lebenswichtig.«, heißt es in dem Brief.

Der Brief schließt mit dem Wunsch um differenziertere Lösungen für die Zukunft und der Bitte um ein zeitnahes Gespräch. Unterzeichnet haben u.a. Comödie, Herkuleskeule, die Leipziger Pfeffermühle, Kammerspiele Dresden, Dresdner Comedy & Theaterclub, Close Up Night und 1001 Märchen GmbH.

Heimat – Versuche, in der Moderne Halt zu finden

Vorträge – Diskussionen – Musik. Eine Online-Veranstaltung im Zentralwerk zu Geschichte und Gegenwart von Heimat

Heimat ist schwer in Mode. Man könnte auch sagen nach 30 Jahren Mauerfall, Wiedervereinigung und Globalisierungsoptimismus wachsen die Hecken des virtuellen Schrebergartens wieder höher. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und im Bund tragen Ministerien den Begriff „Heimat“ im Namen. In den Sozialen Medien, in Hörsälen, Kneipen und Parlamenten wird diskutiert, geschimpft, gefeiert und abgelehnt. Das Dresdner Stadtmarketing endete bei der Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt vorzeitig beim Versuch einer Heimatdeutung.
Wieso diese Renaissance? Warum gerade jetzt? Und was ist überhaupt gemeint, wenn von Heimat gesprochen wird? Was schließen wir ein – was wird zwangsläufig ausgeschlossen? Und was bedeutet das in der Konsequenz? Welche Aktivitäten haben mehr Inszenierungscharakter als tatsächlich gesellschaftlich prägend zu sein?


Die Konferenz möchte die Gegenwart mit einem Blick in die Geschichte deuten. Eingeladen wurden Menschen, die sich wissenschaftlich mit dem Begriff auseinandersetzen. Nach kurzen Impulsvorträgen stehen der gemeinsame Austausch mit dem Publikum und der Perspektivwechsel im Mittelpunkt. Die Moderation übernimmt Justus H. Ulbricht, Historiker und Geschäftsführer des Dresdner Geschichtsvereins. Die Konferenz „Heimat – Versuche in der Moderne Halt zu finden“ ist ein Projekt des Dresdner Geschichtsvereins, des Instituts für Geschichte der TU Dresden und des Sonderforschungsbereichs „Invektivität“ an der TU Dresden sowie des Zentralwerk e.V.

Der Ablaufplan:
14.10 Uhr: Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg (Technische Universität Dresden) „Heimat“: Ambivalenzen eines lebensweltlichen Schlüsselwortes
14.30 Uhr: Prof. Dr. Beate Mitzscherlich (Westsächsische Hochschule Zwickau) Heimat-Bedürfnis und Modernisierungsverluste – Die psychologische Funktion von Heimatkonstruktionen
14.50 Uhr: Pause – Wechsel zur Zoomdiskussion
15 Uhr: Diskussion in zwei Themenfeldern: „Heimat und Transzendenz“ (Nick Wetschel) und „Zukunft Heimat“ (Barbara Lubich)
15.45 Uhr: Musikalisches Intermezzo
16:05 Uhr: Antje Reppe (Technische Universität Dresden) Heimatinszenierungen im Deutschen Kaiserreich. Traditionsbewusstsein versus Fortschrittsoptimismus
16.15 Uhr: Henrik Schwanitz (Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde) Die andere Heimat. „Linke“ Heimatbilder und -konstruktionen in der Weimarer Republik 16.25 Uhr: Dr. Johannes Schütz (Technische Universität Dresden) Zwischen politischer Steuerung und tradierten Praktiken. Heimatkonstruktionen im Wandel von der DDR zur Transformationsgesellschaft
16.35 Uhr: Pause – Wechsel zur Zoomdiskussion
16.40 Uhr: Diskussion in drei Themenfeldern: „Formen der Inszenierung“ (Daniel Fischer), „Heimat und politische Gruppen“ (Stephanie Zloch), „Heimat und ostdeutsche Identitäten“ (Kristin Heinig)
17.25 Uhr: Musikalisches Intermezzo
17:40 Uhr: Abschluss im Plenum und Ausblick

Der Live-Stream ist am 13. November hier zu sehen.

Fast Forward At Work

Europäisches Festival für junge Regie als Online-Theaterprojekt

Der November steht am Staatsschauspiel Dresden ganz im Zeichen von Fast Forward At Work, dem europäischen Festival für junge Regie. Vom 12. bis 15. November 2020 findet der künstlerische Teil des Festivals, der von Beginn an als Online-Theaterprojekt konzipiert war, auf www.fastforw.art statt. Die einzelnen Programmpunkte sind – im Gegensatz zu sonstigen Gewohnheiten – im Internet nur einmalig und zu bestimmten Zeitpunkten zu sehen.

Ein europäisches Festival lebt davon, dass Künstler aus ganz Europa zusammenkommen und sich austauschen. Theater ist live; ein Ereignis, das von der unmittelbaren Begegnung lebt – vor allen Augen, mit Darstellenden und Zuschauenden in einem Raum, in einer Situation und in einem Moment, den alle gemeinsam erleben. Die digitale Welt ist eigentlich das Gegenteil davon, und doch kann sie uns über die getrennten Räume der Pandemie hinweg vernetzen.

Mit viel Energie, Fantasie und in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten entstand daher der digitale Teil dieser ganz besonderen Ausgabe von Fast Forward. Die Website www.fastforw.art, konzipiert vom Künstlerduo Studio Beisel, ist die digitale Bühne des Festivals. Auf diese Bühne ist vom 12. bis 15. November täglich von 10 Uhr bis Mitternacht ein umfangreiches Programm zu erleben: an jedem Abend gibt es eine Inszenierung, davor und danach Interviews, Live-Diskussionen und auch Online-Partys.

Alle Beiträge der digitalen Bühne stehen kostenfrei und ohne Voranmeldung unter https://www.fastforw.art/ zur Verfügung.

Freie Sendezeit für freie Künstler

MDR ruft Kulturwoche aus

Keine Auftrittsmöglichkeiten, und das seit einer gefühlten Ewigkeit. Um sich dennoch einem Publikum zu präsentieren, können sich Künstler nun beim MDR um Sendezeit bewerben. Für die Aktion stellt der Sender 100.000 Euro zur Verfügung. Künstlerinnen und Künstler aus allen Bereichen können sich ab sofort um jeweils fünf Minuten Sendezeit bewerben. Dafür stellt der MDR einen Sonderetat von 100.000 Euro bereit. Einsendeschluss ist der 11. November. Zu sehen sind 15 Beiträge in der MDR-Themenwoche Kultur ab 21. November. Aufgeteilt ist der Wettbewerb in fünf Kategorien: Theater/Tanz, Pop/Rock, Klassik/Chor, Literatur/Malerei und Museen/Ausstellungen/Events. Gesucht werden Ideen, die sich filmisch umsetzen lassen. Drei pro Kategorie werden veröffentlicht.

Eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des MDR und der Kulturszene in der Senderegion entscheidet über die Gewinner-Beiträge. Die inhaltliche Ausrichtung innerhalb dieser Kategorien ist den Teilnehmenden freigestellt. Die Realisierung der Beiträge übernehmen die Künstlerinnen und Künstler selbst. Zu sehen sind die Beiträge in der MDR-Themenwoche Kultur vom 21. bis 27. November.

Bewerbungen bis Mittwoch, 11.11.2020 mit einem Exposé zu einer Video-Idee sowie einer Kurzkalkulation an kultur-online@mdr.de unter dem Betreff „Ideenwettbewerb Video“. Bitte Exposé und Kurzkalkulation als Einzel-Dokumente anhängen. Weitere Informationen auf mdr-kultur.de

Déjà-vu

Der kulturelle Lockdown wäre vermeidbar gewesen – ein Kommentar von Heinz K.

Als ich neulich im Oktober eine Veranstaltung besuchte, da stand die Corona-Ampel noch auf Grün – mit Tendenz zu Gelb. Noch bevor ich das Stadtmuseum betrat, setzte ich (angesichts des gleich am Eingang präsenten Museumspersonals) automatisch den Mund-Nasen-Schutz auf und behielt diesen auch an, bis ich einen Platz gefunden hatte. Es war eine nicht sonderlich gut besuchte Literaturveranstaltung, die Erscheinung einer eben nicht gerade unbedeutenden Lyrik-Anthologie sollte gefeiert werden. Wirklich gefeiert wurde natürlich nicht. Das Museumscafé war aus Hygieneschutzgründen nicht zugänglich, also wurde die Lesung kurzerhand in einen großen Ausstellungsraum verlegt, in dem die überdimensionierte Lüftung unentwegt Störgeräusche produzierte, was der Konzentration auf das Eigentliche abträglich war. Nun steht die Ampel auf Rot. Sogar auf Dunkelrot, wie uns der altersgrüne Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretzschmann, warnend versicherte.

Lesung mit Abstand

Irgendwie hatte man sich ja schon gewöhnt ans Maske tragen und Abstand halten. Und ans hinsetzen auch bei Stehveranstaltungen. Ein erneuter Lockdown, so wie im März geschehen, wurde vollmundig und fast einhellig von der Politik ausgeschlossen (außer natürlich vom ewig um die Bevölkerungsgesundheit besorgten Gesundheitsexperten der SPD, Karl Lauterbach). Eigentlich.

Und nun ist er da, verharmlosend als Lockdown Light oder Teil-Lockdown bezeichnet. Was bedeutet das für die Kultur? Die Einschränkungen mögen vielleicht gar nicht so drastisch erscheinen, wenn man weder an Kunst noch an Kultur oder gar an Subkultur irgendein Interesse zeigt. Aber mal ehrlich, wer möchte sich zu solch einem kulturlosen Typus zählen? Offensichtlich sind die Repräsentanten der 16 Bundesländer und die Bundesregierung einer Meinung, dass Kultur nicht systemrelevant und daher am ehesten verzichtbar ist.

Anders ist es nicht zu erklären, dass eine ganze Branche, die immerhin 1,5 bis 1,7 Mio. Menschen beschäftigt (die Schätzungen gehen je nach Lesart auseinander) stigmatisiert, seit acht Monaten an der Arbeit gehindert und mit Almosen wie Hartz4 für Soloselbständige oder Krediten abgespeist wird. Zugegeben, die Kultur-Lobby ist bei weitem nicht so einflussreich auf die Politik wie die Auto-, Pharma- und Ärzte-Lobby oder die großen Wirtschaftsverbände, aber immerhin ein nicht zu unterschätzender Bereich, in dem personalintensiv gearbeitet wird, um Menschen Freude zu bereiten und geistige Anregungen zu bieten.

Nicht ganz zufällig ist dies auch der Bereich, der mir am meisten Freude bereitet, weswegen ich mich auch dazu entschlossen habe, meine Berufung darin zu sehen, kulturelles Erleben im lokalen und regionalen Umfeld zu begleiten und zu befördern. Die Geringschätzung, die derzeit Künstlerinnen und Künstlern entgegenschlägt, schlägt auch auf die Kulturvermittler zurück. Auf Medien, Agenturen, Management, technischen Support. Jeder und jede im künstlerischen Bereich Kreative muss sich davon wie vor den Kopf gestoßen fühlen, weder systemrelevant noch irgend relevant zu sein. Sind die Stimmen aus der Kunst- und Kulturszene nicht laut genug, um da ein Umdenken zu bewirken? Leider nein. Die Kunst erneuert sich ja bekanntlich irgendwie von selbst, sie stirbt bestimmt nicht aus wegen eines Virus. Um die großen Institutionen machen sich anscheinend die wenigsten Sorgen. Tenor: die werden schon nicht fallengelassen, so hofft man. Aber was ist mit den vielen anderen? Hat die angeschlagene Kulturwirtschaft nicht auch ein Recht darauf, die Krise zu überleben?

Ich will hier gar nicht aufrechnen, wie sinnlos oder sinnvoll eine Schließung beispielsweise von Museen oder Theatern ist, wenn zugleich unter zumeist schlechteren Hygiene-Bedingungen der Besuch eines Baumarktes, x-beliebigen Ladengeschäfts oder Friseurs möglich ist. Um mal vom Gedränge im öffentlichen Nahverkehr ganz zu schweigen. Ich habe noch keine Politikerin, keinen Politiker gehört, der dafür eine plausible Erklärung parat hätte. Die Kontaktvermeidung, die sich Bundesregierung und Länderchefs jetzt angesichts steigender Fallzahlen auf die Fahne geschrieben haben, ist bei einem Museums- oder Theaterbesuchs unter der peniblen Beachtung behördlich genehmigter Hygiene-Auflagen obligatorisch. Trotzdem müssen Theater und Museen im November schließen. Wer da nach Logik sucht, wird sie nicht finden.

Andererseits sieht sich die Politik außerstande, die beschlossenen Maßnahmen wirksam zu kontrollieren. Auf Dresden heruntergebrochen, spielte sich am sogenannten Assi-Eck in der Neustadt (und punktuell auch am Elbufer) aus infektiöser Sicht über den Sommer hin monatelang Unbeschreibliches ab. Die Behörden schritten allenfalls ein, wenn die Situation alkoholisierter Partygänger zu eskalieren drohte. In einem demokratisch verfassten Rechtsstaat wie der Bundesrepublik muss eigentlich niemand befürchten, dass seine Privatsphäre ohne triftigen Grund ausgespäht und sanktioniert wird. Und genau das erscheint nun in der Politik im Bereich des Möglichen zu sein. Stichwort: Infektionsketten verfolgen. Die Exekutive ist offenbar nicht in der Lage, öffentliche Plätze in deutschen Großstädten zu kontrollieren. Wie sollte sie denn dann in der Lage sein, die privaten Rückzugsräume zu kontrollieren? Also bleibt im Grunde nur der Appell an die Vernunft oder die Ermunterung zum Denunziantentum. Der Appell an die Vernunft erscheint irgendwie auch notwendig. Nicht notwendig sind jedoch die drastischen Einschränkungen des Kulturlebens, die die Bundesregierung und die Repräsentanten der Bundesländer unter Umgehung lästiger Debatten in Bundestag und Länderparlamenten am Mittwoch dieser Woche beschlossen haben.

Ab 2. November gilt neue Corona-Schutz-Verordnung in Sachsen

Nachdem am 28. Oktober nach den Beratungen von Bundesregierung und Ministerpräsidenten verschärfte Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus beschlossen wurden, hat am 30. Oktober das sächsische Kabinett die Coronaschutzverordnung für den Freistaat angepasst.

Demnach werden ab 2. November öffentliche Einrichtungen wie Theater, Konzertsäle, Museen, Zoos und Sportstätten ebenso geschlossen wie Hallenbäder, Saunen, Fitnessstudios, Diskotheken, Opernhäuser und Weihnachtsmärkte. Restaurants und Kneipen dürfen nur noch Speisen außer Haus anbieten. Im Handel darf sich nur ein Kunde pro zehn Quadratmeter aufhalten. Ausgenommen ist der Individualsport sowie Profivereine.

Volksfeste, Jahrmärkte, Messen und Kongresse sind untersagt. Außerdem werde empfohlen, auf private Reisen und Besuche, auch von Verwandten (außer aus triftigen Gründen) zu verzichten. Dies gilt auch für das Inland und für überregionale touristische Ausflüge. Bibliotheken und Schulen (Maskenpflicht für Oberstufe!) bleiben hingegen weiterhin geöffnet.

Die neuen Regeln sehen verschärfte Kontaktbeschränkungen vor. Private Zusammenkünfte in der eigenen Wohnung sind nur noch mit Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes bis maximal zehn Personen gestattet. Auch in der Öffentlichkeit ist der Aufenthalt nur mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes erlaubt. Wo immer möglich soll ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten und auch bei Kontakten im öffentlichen Raum wird empfohlen, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen.  Quelle: MDR

Medienfestival Dresden / Preisverleihung des Deutschen Multimediapreises mb21

Digitales Medienfestival für digitale Projekte

Jährlich lädt das Medienfestival Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Familien dazu ein, digitale Welten auf spielerischem Wege zu entdecken und gleichzeitig das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien zu schärfen. In diesem Jahr können die zahlreichen Festivalstationen, Installationen, Workshops und Panels aufgrund der Corona-Pandemie aber nicht wie sonst in den Technischen Sammlungen stattfinden. Mit viel Kreativität und Organisationstalent wurden virtuelle Alternativen für die verschiedenen Programmpunkte entwickelt, die dadurch auch bundesweit allen Interessierten offen stehen, die bislang nicht die Möglichkeit hatten, vor Ort in Dresden dabei zu sein. Höhepunkt ist die Preisverleihung des Deutschen Multimediapreises am 14. November, die ab 18 Uhr in einem Live-Stream übertragen wird.

Das Festival selbst startet aber schon in der Woche zuvor, wenn am 9. November um 18 Uhr nicht nur das Festival, sondern auch die Ausstellung der Nominierten des Deutschen Multimediapreises eröffnet wird. In virtueller Umgebung ist es dann möglich, alle Exponate genauestens unter die Lupe zu nehmen. Die Ausstellung wird auch über das Festival hinaus einen Monat lang zugänglich sein und kann sowohl auf eigene Faust, als auch mithilfe einer geführten Videovariante erkundet werden. Die Nominierten melden sich mit Videobotschaften zu Wort und bieten so die Möglichkeit, die Kreativen hinter den Projekten kennenzulernen.

Zusätzlich wird es ein vielfältiges Rahmenprogramm aus Workshops, Panels und dem beliebten IndieGameForum geben. So stehen von Montag bis Freitag in den Nachmittags- und Abendstunden jeweils Informationsveranstaltungen auf dem Plan, die über Themen wie Big Data, pädagogisch empfehlenswerte Apps für Kinder, den Einsatz von digitalen Spielen im Unterricht und faire IT informieren. Jeweils ab 20 Uhr stellen unabhängige Spieleentwicklerinnen und -Entwickler gemeinsam mit den „Indiestrolchen“ ihre Computerspiele auf der Streamingplattform Twitch vor. Das Festival-Wochenende wartet mit einer Vielfalt von Informations- und Mitmachangeboten wie „Smartphone Google-frei einrichten“ und “Wie uns soziale Netzwerke beeinflussen“ auf.

Infos zum Wettbewerb und zur Teilnahme unter: www.deutscher-multimediapreis.de

Bundesregierung und Ministerpräsidenten der Länder beschließen faktisch einen Kultur-Lockdown

Die beschlossenen Maßnahmen und die Reaktionen darauf

Bund und Länder haben angesichts der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen massive Einschränkungen für den November beschlossen. Das bestätigte Kanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz nach den Beratungen mit den Ministerpräsidenten. Vor allem mit scharfen Kontaktauflagen wollen sie die Ausbreitung des Virus eindämmen. Deutschlandweit sollen die Maßnahmen vom 2. November an bis 30. November gelten.

Pressekonferenz der Bundesregierung vom 28.10.2020 (Quelle: Die Bundesregierung)

Folgende Maßnahmen sind beschlossen worden:
Kontakte werden auf maximal 10 Personen aus zwei Haushalten reduziert. Feiern in Gruppen sind verboten. Die Gastronomie muss schließen, ein Abhol- und Lieferservice ist jedoch weiterhin möglich. Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Theater und Clubs müssen schließen, Veranstaltungen sind untersagt. Es sind keine Übernachtungen in Hotels und Pensionen für Touristen mehr möglich. Ebenso wird ein organisierter Amateur- und Freizeitsport nicht mehr möglich sein. Profisport gibt es nur ohne Zuschauer. Verstöße gegen diese Kontaktbeschränkungen würden von den Ordnungsbehörden sanktioniert, heißt es in den Beschlüssen. Betriebe im Bereich der Körperpflege wie Kosmetikstudios, Massagepraxen oder Tattoostudios sollen im November schließen. Friseursalons bleiben aber unter den bestehenden Hygienevorgaben geöffnet. Auch medizinisch notwendige Behandlungen sollen weiter möglich sein. Der Bund plant laut dpa offenbar »milliardenschwere Nothilfen« für Unternehmen, die von den vorübergehenden Schließungen betroffen sind.
Die Erklärung ist hier zu finden.

Erste Reaktionen:

Laut sächsischem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer haben Wissenschaftler den Regierungschefs empfohlen, die Kontakte um 75 Prozent zu reduzieren. »Für Sachsen sei immer klar gewesen, dass Schulen und Kitas offen bleiben«, so Kretschmer. »Die Kulturkreise, die Gastronomie und viele andere Bereiche haben meine größte Achtung für die Anstrengungen, die sie in den vergangenen Monaten unternommen haben.« (Quelle: MDR Sachsen)

Nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) kommen die Maßnahmen einem Lockdown gleich. Zwar dürften die Geschäfte geöffnet bleiben, erklärte der Verband, »aber es werden voraussichtlich nur wenige Kunden den Weg in die Stadtzentren finden« (ARD)

Der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) kritisierte die Schließungen der Gastronomie als »völlig unangemessen«. Für viele mittelständischen Betriebe könne das in der jetzigen Lage den Todesstoß bedeuten, sagte BGA-Präsident Anton Börner. (ARD)

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sieht den Bund in der Pflicht, bei weiteren Einschränkungen in der Corona-Pandemie Firmen und Kulturbetrieben finanzielle Entschädigungen zu gewähren. »Das schließt eine finanzielle Unterstützung für Soloselbstständige ein«. (dpa)

Mehrere Kulturverbände kritisierten die geplanten Schließungen von Kinos, Theatern oder Opern. »Wir haben überhaupt kein Verständnis mehr für das ständige Auf und Ab der ergriffenen Maßnahmen«, teilte der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) mit. Seit Monaten arbeiteten die Kinos mit detaillierten Sicherheitskonzepten, großen Räumen, modernen Belüftungsanlagen und einer geringeren Auslastung. Kinos übernähmen eine große Verantwortung für ihre Besucher, dennoch nütze ihnen das nichts. »Wir sind fassungslos«, teilte HDF-Vorstand Christine Berg mit. (ARD)

Es gebe bisher »keine gemeldeten Fälle von Museen als Infektions-Hotspots«, hatte etwa der Deutsche Museumsbund vor den Beratungen mitgeteilt. Ähnlich argumentieren die Kinoverbände, die Deutsche Orchestervereinigung, der Deutsche Bühnenverein und die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft SPIO. (ARD)

Kulturstaatsministerin Monika Grütters forderte ein Hilfspaket für die Kultur- und Veranstaltungsbranche. »Es geht für die Branche um Leben und Tod. Die Künstler und Kreativen haben sich in der ganzen Krise ungeheuer fair verhalten, obwohl es an ihren Lebensnerv geht«, sagte sie gegenüber Bild. Sie erwarte, dass die Branche nun dieselben Hilfen bekomme, wie sie der Gastronomie zugesagt worden seien.

Bei allem Verständnis für die notwendigen Maßnahmen sehen Die Grünen »ein nicht zu vernachlässigendes Problem in der Akzeptanz der Bevölkerung für die schweren Einschnitte durch die neuen Coroanbestimmungen des Bundes«, sagte Fraktionsvorsitzende Franziska Schubert. (MDR)

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bezeichnete die Beschlüsse hingegen als einen Sieg der Vernunft. »Die Beschlüsse von heute sind ein großer Erfolg und ein Meilenstein gegen das Coronavirus in Deutschland«, schrieb Lauterbach auf Twitter.

Ein weiterführender Artikel des Redaktionsnetzwerks Deutschland ist hier nachzulesen.

Weitere Beschränkungen: Dresden führt Maskenpflicht in Bereichen der Innenstadt ein

Aufgrund steigender Infektionszahlen hat die Landeshauptstadt Dresden eine neue Allgemeinverfügung erlassen. Der Inzidenzwert auf 100.000 Einwohner liegt aktuell bei 57 (Stand: 23. Oktober, 12 Uhr). Die Allgemeinverfügung gilt ab 27. Oktober. Man habe den Zeitpunkt bewusst gewählt, um den Einwohnern eine Übergangsfrist und Nachfragen zu ermöglichen, so die Stadtverwaltung.

Neben einer erweiterten Maskenpflicht innerhalb von Gebäuden wird es an belebten Innenstadtplätzen (vom Hauptbahnhof über Prager Straße, Altmarkt, Postplatz, Augustusbrücke, Hauptstraße bis in die Äußere Neustadt) auch eine Maskenpflicht unter freiem Himmel geben. Diese gilt von Montag bis einschließlich Samstag in der Zeit von 7:30 Uhr bis 4 Uhr am Folgetag. Ausgenommen ist die Fortbewegung per Fahrrad oder beim Joggen.

Ab 27. Oktober gilt:

  • Private Zusammenkünfte und Feiern sowie Familienfeiern in Gaststätten sowie Betriebsfeiern sind auf maximal zehn Personen begrenzt
  • Groß- und Sportveranstaltungen dürfen mit höchstens 100 Personen stattfinden

Für Einrichtungen mit genehmigtem Hygienekonzept gelten die Einschränkungen der Personenzahl nicht. Hier sind das Hygienekonzept und die darin benannten Schutzmaßnahmen anzuwenden (z. B. auf Konzertveranstaltungen, Kinos, Theater). Bereits genehmigte Hygienekonzepte behalten ohne erneute Einreichung beim Gesundheitsamt ihre Gültigkeit, wenn zusätzlich folgende Auflagen beachtet werden:

  • Datenerhebung zur Kontaktnachverfolgung
  • Maskenpflicht für die gesamte Dauer des Aufenthalts, einschließlich Aufführung
  • verpflichtende Einhaltung eines Mindestabstandes

Sperrstunde und Alkohol-Ausschankverbot:

  • Schank- und Speisewirtschaften sind von 22 Uhr bis 5 Uhr am Folgetag zu schließen
  • Alkoholhaltige Getränke dürfen von 22 Uhr bis 5 Uhr des Folgetages nicht abgegeben werden. Dies gilt für alle Einrichtungen, auch für Gastronomie oder den Einzelhandel.

Der genaue Wortlaut der Verfügung ist hier nachzulesen.