tjg.-Kunstmonat für Schulen und Kitas

Ab sofort bietet das tjg. theater junge generation in den entsprechenden Varianten Kindertagesstätten, Grund- und weiterführenden Schulen den sogenannten tjg.-Kunstmonat an: ein kostenloses Postkarten-Set mit 30 Kunstaktionen und Wahrnehmungsübungen, die einfach im Klassenverband bzw. jeder Gruppengröße umsetzbar und zudem auf die aktuellen Hygienevorschriften abgestimmt sind. Für die Übungen für die weiterführenden Schulen gibt es außerdem Hinweise, wie sie als digitale Variante durchführbar ist. Ausgehend von einem Inszenierungsmoment aus dem tjg.-Programm kann man damit einen Monat lang jeden Tag gemeinsam eine Aufgabe in Angriff nehmen, die Spaß macht, und die Beteiligten neue Blickwinkel einnehmen lässt.  

Da das tjg. aktuell nicht über seine Inszenierungen und theaterpädagogischen Angebote mit den Schulen und Kindertageseinrichtungen der Stadt in direkten Austausch kommen kann, möchte es auf diesem Wege Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern dazu einladen, mit ihren Klassen und Gruppen selbst kleine Kunstmomente zu schaffen. Für solche sinnlichen, aktivierenden und interdisziplinären Impulse empfindet das Kinder- und Jugendtheater auch in einer Zeit geschlossener Bühnen eine entsprechende Verantwortung.

Bei Interesse am kostenlosen Postkarten-Set: E-Mail an gruppen@tjg-dresden.de oder telefonisch (Mo – Fr 8 – 15 Uhr) 0351.3 20 42 704 mit Angabe der jeweiligen Einrichtung und einer Postadresse beim tjg. melden.

Kino leuchtet. Für Dich.

Bundesweiter Aktionstag der Kinos am 28. Februar

Unter dem Titel „Kino leuchtet. Für Dich.“ gehen am Sonntag, 28. Februar um 19 Uhr bundesweit in zahlreichen Kinos, außen und innen, die Lichter an. Zudem gibt es verschiedene, kleine Aktionen vor Ort und eine gemeinsame Sichtbarkeit der Aktion in den sozialen Netzwerken. Die Idee entstand am Rande einer virtuellen Mitgliederversammlung der AG Kino – Gilde. Die Kinos wollen bei dem gemeinsamen Aktionstag unter dem Motto #kinoliebe zeigen, dass sie sehnsüchtig auf ihre Zuschauer warten und bestens vorbereitet sind, ihre Projektoren wieder einzuschalten. #zurückinskino unterstützt die Aktion. Mit der gemeinsamen Aktion wollen die Kinos als Kulturorte Präsenz zeigen. So gehen z.B. in Dresden im Programmkino Ost von 19 bis 22 Uhr innen wie außen die Lichter wieder an.

Städtische Bibliotheken öffnen wieder am 1. März

Ab 1. März sind alle Bibliotheken wieder in ihren üblichen, personalbesetzten Öffnungszeiten, einschließlich Samstag geöffnet. Die Bibliothek Südvorstadt bietet zusätzliche Öffnungen ohne Fachpersonal am Donnerstag, 12 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Eine Rückgabe am Automaten in der Zentralbibliothek ist von Montag bis Samstag 8 bis 20 Uhr und in der Bibliothek Neustadt uneingeschränkt möglich.

Die gesetzlich vorgeschriebenen AHA-Regeln sind einzuhalten und es besteht die Pflicht zum Tragen einer medizinischen MN-Bedeckung. Die Nutzung der Bibliothek ist nur mit Einkaufskorb (Ausnahme: Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr) möglich. Die Anzahl der Körbe wird individuell je nach der Größe der Räumlichkeit begrenzt. Um vielen den Bibliotheksbesuch zu ermöglichen, beträgt der Aufenthalt max. 30 Minuten.

Die Serviceangebote sind beschränkt, möglich sind Medienausleihe und Rückgabe inklusive Nutzung der OPAC-Plätze sowie das Abholen bestellter bzw. vorgemerkter Medien. Der Abholservice endet am 28. Februar. Letze Abholmöglichkeit ist der 27. Februar. Entliehene Medien werden automatisch bis zum 15. März verlängert. Die individuellen Rückgabetermine können im Benutzerkonto des Online-Kataloges eingesehen werden. Die Nutzung der Internetarbeitsplätze ist leider noch nicht möglich. Die Beratung erfolgt eingeschränkt. Veranstaltungen finden nicht statt.

Dresdner Musikfestspiele planen Spielbetrieb

Live wie digital – unter Pandemiebedingungen

Copyright: Oliver Killig

Viele Künstler und Ensembles haben sich bereiterklärt, zweimal zu spielen, um der doppelten Anzahl an Besuchern den Musikgenuss auf Abstand zu ermöglichen. Andere Konzerte sollen in größere Spielstätten verlegt werden. Eine wichtige Säule der vom 15. Mai bis 12. Juni 2021 stattfindenden Dresdner Musikfestspiele wird zudem das Streaming sein, das besonders gefährdeten Personen, aber auch Fans weltweit den virtuellen Eintritt in etwa zehn ausgewählte Livekonzerte ermöglicht. Auf Wunsch der Landeshauptstadt Dresden werden zwei Programme als Beiträge zur Sommerbespielung Dresdens in den Juli und August verschoben. Da es aufgrund weltweiter Restriktionen zur Eindämmung von COVID-19 kurzfristige Änderungen geben kann, stehen die ausführlichen Programmhefte zu den einzelnen Konzerten diesmal als PDF-Dateien zum Download zur Verfügung. Alle Informationen zu Konzertdopplungen, Verlegungen, Verschiebungen und Ersatzprogrammen werden fortlaufend veröffentlicht auf musikfestspiele.com.

Programmänderungen Dresdner Musikfestspiele 2021 (Stand 22.2.21):
Ausgefallene Konzerte:

2. März Orchestre symphonique de Montréal – Nagano – Matsuev
1. Juni Yale Schola Cantorum
5. Juni Werkstattkonzert (dafür 2. Orchesterkonzert Dresdner Festspielorchester)

Verschobene Konzerte:

2. Juni auf 25. August Pape Diouf (Sommerbespielung Dresden)
11. Juni auf 12. Juni | 15.00 Uhr Rudolf Buchbinder

Gedoppelte Konzerte:

15. Mai | 15 & 19.30 Uhr Klavierrezital Emanuel Ax
18. Mai | 17 & 19.30 Uhr Klavierrezital Tiffany Poon
19. Mai & 20. Mai | 19.30 Uhr Sergei Nakariakov & Maria Meerovitch
22. Mai | 11 & 17.30 Uhr Brentano String Quartet & Jan Vogler
25. Mai | 17 & 19.30 Uhr Katja Riemann & Sebastian Knauer
5. Juni | 11 & 19.30 Uhr Dresdner Festspielorchester & Ivor Bolton
6. Juni | 17 & 19.30 Uhr Kirschlager – Dorfer – Drake
7. Juni & 8. Juni | 19.30 Uhr Violinrezital Kevin Zhu
9. Juni | 17 & 19.30 Uhr Vision String Quartet

Verlegte Konzerte:

3. Juni | 20 Uhr Noa – Frauenkirche statt Palais im Großen Garten

Drei-Stufen-Plan für Kultur und Sport vorgestellt

Am Montagvormittag hatte ein Bündnis aus Kultur, Sport und Wissenschaft mit 20 Forscherinnen und Forschern und knapp 40 Institutionen einen Plan raus aus dem Lockdown vorgestellt. Dieser soll, untermauert von wissenschaftlichen Studien, aufzeigen, wie Großveranstaltungen mit Zuschauern wieder möglich sein können. Die Eckpunkte sind personalisierte Eintrittskarten, Datenabgleich und Tests. Der Vorsitzende des Sächsischen Bühnenvereins, Lutz Hillmann, verbindet damit die Forderung nach einheitlichen Regelungen. Sie sollten bundeseinheitlich oder mindestens ländereinheitlich gelten, „damit wir nicht Kulturtourismus erzeugen zwischen den Ländern oder vielleicht sogar zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten“, begründete Hillmann im Gespräch mit MDR KULTUR.

Kernpunkte des Drei-Stufen-Plans sind:

Stufe 1 – geschlossene Räume: In Theatern oder Konzerthäusern soll bei Vorliegen eines Hygiene-, Lüftungs- und Infektionsschutzkonzeptes eine Auslastung zwischen 25 und 30 Prozent möglich sein. Es soll nur personalisierte Eintrittskarten geben, die zusammen mit dem Ausweis kontrolliert werden. Das Tragen von medizinischen Masken soll Pflicht sein. Auf den Verkauf von Speisen oder Getränken würde verzichtet, zudem sollen Mindestabstände mit entsprechend leeren Sitzreihen eingehalten werden. Wer in einem Haushalt wohnt, soll nebeneinander sitzen dürfen. Stehplätze sind demnach nur in nummerierten und markierten Zonen mit zusätzlichem Ordnungspersonal möglich. Zudem würden Konzepte zum Ein- und Auslass sowie für An- und Abreise verlangt.

Stufe 2 – Außenbereich: Hier würde wegen der günstigeren Lüftungssituation bei vergleichbaren Standards eine Auslastung von bis zu 40 Prozent als möglich betrachtet. Maskenpflicht soll bis zu den Plätzen gelten. Bei mehr als 1.000 Besuchern soll es keinen Alkohol geben. Das Basismodell für drinnen und draußen unterscheidet nicht zwischen Besuchern, die schon geimpft sind und anderen. Eine Steigerung der Kapazität darüber hinaus erfordere „ein individuelles Spezialkonzept“, heißt es weiter.

Stufe 3 – komplett volle Stadien: Die „Maximalmodell“ genannte Variante erfordere eine Teststrategie unter anderem mit digitaler Unterstützung des Kontaktmanagements. Verbindlich wären zudem Antigen-Tests vor jeder Veranstaltung, positive Tests sollen zum Ausschluss von der Veranstaltung führen.

Matchingfonds unterstützt 29 Dresdner Projekte

Der Kunst trotzt Corona-Matchingfonds ist ausgeschöpft. Mit Beginn des Jahres neigt sich die 2. Förderrunde der Corona-Unterstützung dem Ende zu. Dresdner Kreative konnten sich in diesem Rahmen für eine Unterstützung ihrer Crowdfundingkampagnen bewerben und bis zu 2.500 Euro zusätzlich für ihre Projekte erhalten.

 „Die Resonanz auf den Matchingfonds war überwiegend positiv, nicht nur seitens der Kulturschaffenden. Wir haben in der Corona-Pandemie nach Instrumenten gesucht, Kulturakteure schnell und unkompliziert zu fördern. Mit dem Matchingfonds haben wir eine neue Art der Förderung abseits der kommunalen Kulturförderung erprobt und damit nicht nur das Projektvolumen erhöhen, sondern auch neue Zielgruppen erreichen können. Ich danke unserem Partner, dem Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Wir gestalten Dresden, ganz herzlich für die kreative Idee und deren Umsetzung,“ erläutert dazu David Klein, Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz.

Insgesamt 29 Projekte sind im Rahmen des Matchingfonds gestartet, von denen bereits 28 erfolgreich durch das Publikum finanziert worden sind. Die letzte Kampagne läuft am 28. Februar 2021 aus. „Bisher wurden die Kampagnen von über 1.707 Menschen unterstützt, die insgesamt 130.620 Euro zusätzlich gespendet – oder wie man bei Crowdfundingkampagnen sagt – gefundet haben. Das ist fast das Dreifache der ursprünglichen Fördersumme on top!“, resümiert WGD-Vorstand Anika Jankowski.

Mit der derzeitigen Unterstützung für Dresdner Projekte schießt der Matchingfonds nun weit über das Ziel hinaus und weist damit den Weg für neuartige Förderstrukturen. „In den Beratungen zum Förderprogramm haben wir gemerkt, dass es zwar noch ein wenig Aufklärungsarbeit benötigt, ein Gefühl für Inhalte und Umfang von Crowdfunding zu vermitteln“, sagt Carolin Gerlach von WGD, „allerdings waren die meisten Kreativschaffenden dieser Art der Förderung gegenüber sehr aufgeschlossen und neugierig. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn wir auch in Zukunft dieses Fördertool weiterhin nutzen und erproben können.“ Wir auch.

Liste aller Kampagnen und Projekte

–       RAUZE, Pierre Tannert –       Weihnachtsalbum, Enna Miau
–       Neue Musik von Luise, Luise Gramsch
–       I WANT POETRY“, Tine von Bergen
–       Dein Herz steht still, Johannes Gerstengarbe
–       Whysker, Willy Papperitz
–       Weihnachtskonzerte, Linda Jung,
–       MJUUK Fairer Concept Store, Josephine Obert
–       Kreative Welt Dresden – Stadtteilladen in Dresden Trachau, Ronny Wetzig
–       Platten trotzt Corona, Stephan Leonhardt
–       Musikalischer Online-Salon, Matthias Lorenz
–       100 Tage undsonstso – Das Buch, Undsonstso
–       HER OWN HOME, Annemarie Reines
–       Heute Nacht, Band Offbeat Cooperative
–       THE SAXONZ 84’till Tanzstudio, THE SAXONZ
–       Siebsdruck-Kein-Kalender 2021, Konglomerat e.V.
–       Funky Worship, Arian Dominiak
–       Unplugged Empire, Benjamin Süß
–       Ghost Girls, Kristin Menthe
–       Konzert und 1st Album, Lesly’s Dynamite
–       Röttet die Rösselstube, Friedrich Rössl e.V.
–       Wucans Krautfunding, Tim George
–       Schluss mit lustig, Galerie Komische Meister Dresden GbR
–       Faust hoch 2, Tom Quaas Theaterzirkus Dresden g GmbH
–       Internationale Kunst in Dresden, Kunstverein Dresden
–       OKDA, Felix Franz
–       Walks Looking, Eric Vogel
–       DUO handinhand, Annett Lipske
–       Du bist Radio, Philipp Hänicke & Jonas Meintschel GbR

Alle Projekte finden sich auf der Seite des Kunst-trotzt-Corona-Matchingfonds bei startnext.com

Blaue Fabrik und parablau bespielen den digitalen Raum

St. Corona von Euronymus (2020), Foto: Philipp Hille

Der Kulturverein in der Günen Villa trotzt der aktuellen Situation auf digitalem Wege. Dank der Fördermittel des Bundesverbands Soziokultur (Neustart-Programm), konnte digitale Technik angeschafft werden, die ab sofort zur Verwendung und Vermietung angeboten wird. Zum einen besteht also die Möglichkeit, die Räumlichkeiten für Foto/Video-Produktionen etwa unter Leitung von Georg Knobloch (bilderradio.de, Betreiber von analogfotograf.de) oder in Eigenregie zu erstellen sowie auch für zu Hause zu nutzen. So wird es beispielsweise Bands ermöglicht, Musikvideos zu drehen oder Künstlern, ihre Projekte virtuell umzusetzen. Im Februar sind im Rahmen der von Conny Köckritz kuratierten »parablau«-Ausstellungsreihe Arbeiten von Tanja Rein (Kalaschnikow Galerie) zu sehen, die ihre Bilder zu »Disappointed (behind the sense)« hinter Masken steckt und dazu eine Oper gemeinsam mit Joachim Lippmann (Clown Lulu) präsentiert. Das Ganze kann man digital auf parablau.com bestaunen, ebenso ein virtuelles 1:1-Abbild der Räume. Hier hat die offene Ausstellung »Krisengalerie« einen festen Platz an den zunächst virtuellen Wänden bekommen. Die Krisengalerie ist mit Beginn der Corona-Maßnahmen als Facebook-Gruppe entstanden, bei der jede(r) mitmachen kann. Auf diese Art gaben die Initiatoren Euronymus und Philipp Hille bereits über 100 Künstlern die Möglichkeit, ihre in Krisenzeiten entstandenen Werke zu zeigen, welche es mit den nächsten Lockerungen dann auch „in Echt“ zu sehen geben wird.
K.H.

Neue Corona-Schutzverordnung tritt am 15. Februar in Kraft

Nach dem Beschluss des sächsischen Kabinetts gelten weiterhin das Alkoholverbot und die Ausgangsbeschränkungen zwischen 6 und 22 Uhr, zwischen 22 und 6 Uhr werden diese verschärft. Die Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre und des 15-km-Radius ist durch kommunale Behörden möglich. So hat die Landeshauptstadt Dresden die nächtliche Ausgangssperre aufgrund der gesunkenen Inzidenzzahlen am 14. Februar und die Beschränkung auf den 15 Kilometer-Radius rund um den Wohnbereich, die Unterkunft oder den Arbeitsplatz, aufgehoben. Die amtliche Bekanntmachung für Sachsen ist hier nachzulesen.

»Der Wille und der Berg. Mind over Matter«.

Per Roboter ins Museum

Mit Hilfe von acht kleinen Roboterfahrzeugen können wir nun am heimischen Computer auf Entdeckungstour durch die für November geplante Ausstellung des Dresdner Netzwerks Medien Kunst und des C. Rockefeller Centers for Comtemporary Arts gehen, deren Vernissage in den Technischen Sammlungen dem Lockdown zum Opfer fiel. Die mit Minikameras ausgestattete Roboter fahren durch den 400 qm großen Emanuel-Goldberg-Saal und zeigen die Installationen, weiterführende Informationen und vielleicht auch weitere digitale Besucher.

Immer freitags (12., 19. und 26. Februar) von 16 bis 20 Uhr digitaler Rundgang unter c.rockefeller.org

Experiment zwischen Lo-Fi und Lärm

Hellerau Bandstand feiert die Rückkehr des Musikvideos – von Heinz K.

Eigentlich war es nie tot, das Musikvideo. Es ist wohl nur etwas in die Jahre gekommen. 1981 startete MTV und ist immer noch da – auch wenn der Lack längst ab ist. Mitte der 80er schwappte die Video-Welle nach Europa über, immer teurere und aufwendige Musik-Videos wurden gedreht – Michael Jackson (R.I.P.) produzierte 1995 mit »Scream« für 7 Millionen Dollar ein Video, das 20 Jahre lang als das teuerste der Musikgeschichte galt. In jener Ära wurde das Musikvideo zu einem unverzichtbaren Marketing-Instrument, um im harten Pop-Business zu überleben. Die Zeit von stets präsenten Pop-Stars in Music Televion ist längst vorbei – und bleibt doch unvergessen.

Das hat sich wohl auch das Festival-Team um Rosa Müller und Moritz Lobeck gedacht und kurzerhand »Return of the Music Video« als Motto für den Hellerau Bandstand 2021 ausgegeben. Unter Lockdown-Bedingungen ist eine physische Begegnung von Künstlern und Publikum natürlich nicht möglich. Das ist umso bedauerlicher, da der für alle Räume im Festspielhaus konzipierte Bandstand gerade davon lebte, die im Normalfall bestehende Distanz zwischen Bühne und Publikum auf ein Minimum zu reduzieren, um die Musikperformance so unmittelbar und unverstellt wie möglich wirken zu lassen. Aber vielleicht funktioniert es ja auch ganz anders. So will sich der Bandstand ab diesem Jahr für »neue Medien, neues Publikum und neue Horizonte« öffnen. Auf einer eigens dafür entwickelten Online-Bühne kann sich das Publikum im Februar auf zwei Abende mit regionaler Musik und produzierten Musikvideos freuen. Eine Jury hat dafür im Vorfeld Bands und Solokünstler mit Lebens- und Schaffensmittelpunkt in Sachsen für einen Auftritt und die Produktion eines Musikvideos ausgewählt.

Die Arbeit, Copyright Foto: Tine Jurtz

Bekannte Namen sind diesjährig allerdings Mangelware. Viele frisch gegründete Projekte sind am Start, Leipzig grüßt Dresden. Zu den hier Bekannten darf sich die Dresdner Musikgruppe Die Arbeit zählen, die mit reduzierten Gitarren, Beats auf dem Punkt sowie durchdachter deutschsprachiger Poesie und Propaganda kleine existenzialistische Gesamtkunstwerke erschafft. Das bislang herausragendste Produkt ihrer Arbeit ist das im Februar 2020 auf dem Dresdner Label »Undressed Records« erschienene Album »Material«. Bekannt durch ihre Performances dürfte auch das musikalisch nur schwer zu verortende Jazz-Beat-Improvisationstrio Zur Schönen Aussicht sein. Oder Anna Munka alias No Splendor, die sich intensiv mit den Kontaktpunkten von Sprache und Musik beschäftigt. Munka ist Veranstalterin und Performerin der Reihen »Lyrik ist Happening« und »No Splendor feat.« (kooperatives Songwriting). Derzeit arbeitet sie an ihrem Soloprogramm, wobei sie ihre Songs nicht nur in klassischer Singer/Songwriter-Manier mit der Gitarre begleitet, sondern auch durch wundersame Geräuschkulissen aus Field Recordings, Sprechtexten und Live-Loops in Szene setzt.

Born in Flamez, Copyright Foto: Peter R. Fiebig

Was erwartet uns noch? Da wäre zum Beispiel Born in Flamez. Eine interessante Produzentin und DJ aus Berlin, die 2013 ihr »transhumanes Musikprojekt« startete und darin genreübergreifend düster-eingängige Elektronik, dekonstruierte Clubmusik, Lo-Fi-Pop, Grime und Elemente klassischer Musik miteinander verwebt. Oder EVIN, die zwischen Soul, R’n’B, Hip-Hop und ihren orientalischen Wurzeln Geschichten vom Träumen, von Selbstzweifeln und Stärke erzählt. Das Songwriter-Duo Monkey & Goat alias Katta Lattke und Chris Farnaby will dem Wort »Duo« eine ganz neue Bedeutung verleihen mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, harmonischen Satzgesängen, Glockenspiel – alles ohne Playback. Mit der punk-poppigen One-Girl-Group Lea Matika, der queer-feministischen Synthpop/Folk-Glam/Dada-Band Cocktail Napkin, der Leipziger Band Das Feuilleton, die lyrisch anspruchsvolle deutsche Texte mit energetischen Kompositionen verbindet, sind noch längst nicht alle genannt. Schaut euch das Video-Show-Experiment an, es lohnt sich!

Hellerau Bandstand 2021, am 12. und 13. Februar, jeweils 20 Uhr, online unter hellerau.live
Begleitend dazu findet am 13. Februar der erste AI Songwriting Contest mit Jovanka v. Wilsdorf (Konzept und Produktion) als digitaler Workshop statt. Mehr Infos unter hellerau.org