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Burial

Antidawn

(Hyperdub)


Bei Mark Fisher dank des düster-hauntologischen Knisterdubstep seines 2007er Meilensteins »Untrue« einst zu einer Art Erlösungsmusik erklärt worden, ist es zwischenzeitlich verhältnismäßig still geworden um den Briten William Bevan aka Burial. Das ist zum einen seiner identitätsverschleiernden Medienscheuheit geschuldet, zum anderen dem Umstand, dass sich Burial seit jenem »Untrue« noch noch über EPs in der Öffentlichkeit meldet, deren Highlights Ende 2019 in die großartige Compilation »Tunes 2011-2019« mündeten. Der dort zu bezeugende Stilwandel hin zu bisweilen Bubblegumdisco schrieb sich bis zur letztjährigen »Shockpower of Love«-EP fort. Mit »Antidawn« wird nun abermals ein atmosphärischer Kontrast aufgespannt und Burials Facettenreichtum demonstriert. Geradezu unstofflich dehnen sich 5 verlorene Schwarzlochdrones aus und bieten (abgesehen von distanzierten, entfremdeten vocals und kurzen, Hoffnung simulierenden Ambient-Passagen wie in »New Love«) kaum mehr an als vakuumiertes Rauschen und ausgetrocknetes Knacken. Aufs erste Ohr womöglich wenig griffig und ziellos wirkend, entpuppt sich »Antidawn« mit jedem weiteren Hörgang allerdings als komplex texturierte, in ihrer Reduktion stimmige Soundcollage und vielleicht passendster Soundtrack für die Ära eines frisch in die Post-Brexit-Tristesse eingetauchten Großbritanniens.
Peter Zeipert
www.burial.bandcamp.com/album/antidawn-ep
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