Hinweis in eigener Sache.

Aufgrund der geltenden Notfallverordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus können Veranstaltungen in Sachsen derzeit nur eingeschränkt stattfinden.

Für die veranstaltungsarme Zeit informieren wir euch über Online-Alternativen, kulturelle Aktivitäten und Kulturmeinungen unter www.dresdner.nu/co19

Macht das Beste draus und bleibt gesund!

Aktuelle Tonträger

Claire Rousay

a softer focus

(American Dreams Records)


Gefühlt ist es das 243., tatsächlich aber dann doch lediglich das 12. Album seit 2020, das Claire Rousay mit ihrem Neuling »a softer focus« im Akkordeifer in die Welt bugsiert. Kleiner Zweitkarrieretipp an Claire: Seminare zu Produktivität und Fokussiertheit in Lockdownzeiten. Fokussiertheit zeichnet aber nicht nur das allgemeine Arbeitsethos der Texanerin aus, sondern gelangt auch im Kontext ihres frischesten Albums zu Ruhm und Ehren. Wie der Albumtitel bereits ein wenig vorwegspoilert, werden die sechs neuen Songs von Rousay durch das Motiv der Weichzeichnung angeleitet. Konkret heißt das: Wo sich Rousays »frühere« Werke fast ausschließlich in den Genres Field Recordings oder Free Improvisation bewegten und kleinteilige oder unverblümt karge, in Alltagsgeräusche versenkte Klangbilder ausstellten, erlangt »a softer focus« mehr Boden unter den musikalischen Füßen und somit weit mehr Greifbarkeit als seine Vorgänger. Das liegt vor allem an den von Lia Kohl eingespielten String-, Piano- und Synthie-Sounds, die der nach wie vor durch Feldaufnahmen getragenen Soundkulisse eine neue Form von Bindung ermöglichen und durch ihre Wärme emotionale Anknüpfungspunkte anbieten. In Bezug auf den »Hit« des Albums formuliert Rousay selbst es so: »All the tracks on this album started as field recordings. On »discrete (the market)« the listener gets to explore my trip to the farmers market in San Antonio, TX. The trip was cut short by a thunderstorm. Although she was not with me, Lia Kohl’s cello playing fits right into the market/storm.« Das ebenfalls herausstechende »peak chroma« setzt dann durch eine zunächst etwas entfremdet wirkende Autotune-Spur einen schönen Kontrapunkt, der dem Album unerwartet eine weitere Facette verleiht und sich am Ende glänzend in seinen Gesamteindruck einfügt. »A softer focus« ist ohne Zweifel der bisherige Höhepunkt in Rousays Schaffen, dank der zu erwartenden weiteren Alben muss man um Spannung im Rennen um den Ehrenplatz in der Rousay-internen Jahresendabrechnung aber sicher nicht besorgt sein.
Peter Zeipert
www.clairerousay.bandcamp.com/album/a-softer-focus
< zurück