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Tightill

Infinity

(Golden Press/ Erotik Toy Records)


Tightill ist Bremer, und wohnt da auch wieder, nachdem er die Jahre davor ordentlich unterwegs und wohl manches mal auch ordentlich durcheinander war. Ich stand in einem Bremer Book&Record Shop, als mich sein Album beim lauten Durchlauf aus dem Background erfasste und mich der Hit der Platte »Unten am Fluss« sofort für ihn einnahm. Der Track ist ein düster treibendes Stück Elektropop mit NDW-Einschlag, das mich sofort an »Fred vom Jupiter« von Andreas Dorau erinnerte. Tightill präsentiert mit Hilfe seiner Bremer Musikerclique und einer wirklich außergewöhnlichen Stimme, die mal sehr sensitiv, mal wie aus einem schrägen Comic klingt, die aber auch sehr schnelle und ungewöhnliche Rap-Parts in das Mikro drücken kann, ein farbenfrohes Album, das zwischen Bollywood, Früh-90er-Soft-Thunderdome-Tec, Soft-Hip-Hop (»Pink«), NDW, derbem Lo-Fi-Punk (»Böse auf Speed«), Dadaism (»Kaffekanne«) und auch noch 80er Kunstpop unterhält. Das klingt natürlich etwas überspannt und das Album kann einem am Stück gehört auch mal zu viel werden. Aber zwischen den nerdigen Spielereien, die manchmal schon sehr druggy rüberkommen, finden sich auch sehr ernste und sphärische Arrangements, wie beim hübsch melancholischen Träumer-Lied »Traumland« oder auch bei »Pink«, die zeigen, dass hier stets ein sehr feinfühlig-melancholischer Künstler am werkeln ist, der nicht nur unterhalten sondern auch von etwas echtem aus seinem Leben erzählen will. Dieser Anspruch findet dann auch seinen Schluss- und Höhepunkt in der ungewöhnlichen und sehr schönen Ballade »Mama« wieder, die mit Streichern und dieser speziellen Stimme glänzt. Anchecken!
Dj Cramér
www.youtube.com/channel/UCL_Obd7SEJG0AuKd2zqXbVQ
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