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»Zwei, drei Piccolo lügen nicht«: Pauls Jets am 5. November im Ostpol

Ach ja, Austropo, mag man denken, wenn man sich die Ankündigung der Pauls Jets im Ostpol eimal durchliest. Eine junge österreichische Band, die Falco und Ja, Panik-Vergleiche bleiben in Deutschland, wo man aus Österreich nun mal nicht viel mehr kennt, natürlich ebensowenig aus, wie bei den nationalen Kollegen von Wanda oder Bilderbuch. Doch spätestens mit ihrer erst kürzlich erschienenen EP »Vier neue Songs« zeigen Pauls Jets, dass sie sich in genau diese Sparte beileibe nicht einreihen wollen.

Doch fangen wir von vorne an, denn von dieser neuen EP soll kein einziger Track an einem bunten Abend im Ostpol gespielt werden. Außerdem gibt es ja auch noch eine andere Band, die die Bühne vor den Pauls Jets besetzt. Bahnhof Motte aus Dresden kommen mit zahlreichen lokalen Fans und schicken Klamotten (Hemd mit Wassermelonen-Muster und Ballonhose) auf die Bühne, um der »Masse« (die zu dieser Zeit größtenteils aus ihren Fans besteht) einzuheizen. Musikalisch sind ihre Songs recht durchdacht arrangiert, doch lassen Gesang und Songtexte ein wenig Luft nach oben, was keinesfalls böse zu verstehen ist, sondern Raum macht für den eigentlichen Hauptact des Abends. Das Wiener Trio Pauls Jets, bestehend aus Bassistin Romy Park, Drummer Xavier Plus und eben dem namensgebendem Sänger und (wie man so schön sagt) Kreativkopf Paul Buschnegg betritt eher unscheinbar die Bühne, stimmt erst einmal die rot funkelnden Instrumente. Doch der Musikreigen beginnt fulminant. Die beiden großen Hits (falls man das bei einer in Deutschland eher unbekannten Band so nennen kann) »Diese Villa ist verlassen« und »22703«, erklingen schon sehr früh auf der Ostpol-Bühne. Sänger Paul räkelt sich des öfteren auf dem vorgewärmten Boden, während »sein« Schlagzeuger sich sichtlich darüber freut.

Nach den vermeintlichen Perlen folgen eine Reihe anderer Song des noch in diesem Jahr erschienenen Albums »Alle Songs bisher« sowie neue Titel. Besonders ein mit »Der Teufel« betiteltes Stück tut es dem Publikum mit seinem gewitztem Text (unter anderem wird »Carmen« von Sido zitiert) an. Insgesamt spielt der Humor an diesem Abend eine große Rolle – sowohl in den Texten der Pauls Jets, als auch bei dem Publikum, das des öfteren seine rhythmischen Bewegungen unterbrechen muss, weil etwa Romys Bass auf den Boden gefallen ist oder Paul »erstmal wieder stimmen« muss. Nein, dieses Konzert strahlt nicht gerade musikalische Professionalität aus: Da lacht der Schlagzeuger mitten in einem Lied mit Kippe im Mund los, da werden Melodien improvisatorisch ad absurdum geführt. Pauls Jets unterlaufen und übertreffen gleichermaßen jegliche Erwartungen. Mit Sicherheit eine Band, die man hassen oder lieben kann. Mit ebensolcher Sicherheit ein Konzert, das die Kreativität und Relevanz dieser noch jungen Gruppe unterstreicht.
Anton Schroeder




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