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Hinweis in eigener Sache.

Aufgrund der Allgemeinverordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus sind in Sachsen ab 15. Mai wieder Veranstaltungen möglich. Theater, Musiktheater, Kinos, Konzerthäuser, Konzertveranstaltungsorte und Opernhäuser dürfen wieder öffnen, sofern ein behördlich genehmigtes Hygienekonzept vorliegt. Angebote in Literaturhäusern, Kleinkunst-Spielstätten, Soziokultur und Gästeführungen sind ebenso möglich. Größere Veranstaltungen bleiben bis auf weiteres ausgesetzt, Clubs, Bars und Diskotheken vorerst geschlossen.

Für die veranstaltungsarme Zeit möchten wir unsere Leserinnen und Leser über Online-Alternativen, Kulturmeinungen und kreative Initiativen informieren und auf dem Laufenden halten: www.dresdner.nu/co19

Also, macht das Beste draus und bleibt gesund!




Uraufführung nach Jochen Schmidts Roman »Schneckenmühle« im Kleinen Haus
Im Ferienlager »Schneckenmühle« unweit von Dresden stehen die Kinder auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Im Sommer 1989 der DDR ist Jens 14 Jahre alt, er steht vor einem neuen Lebensabschnitt und deshalb wird es das letzte Mal Ferienlager sein. Die Truppe um Jens spielt Tischtennis, zieht durch die Natur und führt nächtliche Gespräche. Als Peggy in die Runde kommt, spürt Jens plötzlich unerklärbare neue Gefühle. Es werden spannende Sommerwochen, die das Ende von Jens Kindheit darstellen, und gleichzeitig die letzten Züge der DDR.

»Schneckenmühle« ist aber keine schon so oft gehörte und gesehene Wendegeschichte, der Umbruch von 1989 läuft hier nur nebenher, stattdessen ist ein genau beobachtendes Werk über die Jugendlichen der letzten DDR-Generation zu sehen. Keine kritische Betrachtung über das politische System, was schon so oft in Literatur und Theater verarbeitet wurde, sondern eine Erinnerung, welche Interessen und Probleme die Kindheit mit sich brachte. Denn als junger Mensch ist der Kopf mit allem voll, nur nicht mit Politik. Da erhoffte sich einer in der Disko endlich einmal, »dass hoffentlich mal Depeche Mode gespielt wird« oder es geht darum, ob es Zombies wirklich gibt. Verbunden mit dem Jugendjargon und dem unbeschwerten Ton wird daraus ein erfrischender Blick, wie die jungen Leute das Leben in der DDR wahrnahmen. Die Liebe zum Detail, die schon das Buch offenbart wird im Stück wiederum aufgegriffen und humorvoll fortgesetzt.

Die Verbindung von Bühnengeschehen und Videosequenzen fügt sich zu einer bravourös gelungenen Kulisse, die den Bühnenraum öffnet und der Geschichte einen eigenen Kosmos gibt. In einigen Passagen könnte man denken, man schaue sich einen Film an, ein gelungenes Zusammenspiel. Die Kamera die Nahaufnahmen an die Wand projiziert, grenzt zwischen den Dialogen in der »Schneckenmühle« und Jens' Gedanken ab und lässt in seine teilweise tiefgründigen Überlegungen blicken. Die fünf Darsteller geben ihren 14-jährigen Rollen die richtige Portion Authentizität und transportieren das unbeschwert spaßige in Verhalten und Sprache geschickt. Ein empfehlenswertes Stück mit einer erfrischenden Herangehensweise an das Thema Erwachsenwerden und eine Studie über die individuelle Wahrnehmung der Umgebung. Jennny Mehlhorn/ Fotos: Matthias Horn

Weitere Vorstellungen: 9./12./18./23.11. & 31.12.2013



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