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Konzeptionelle Klammer – Die Dresden Frankfurt Dance Company zeigt in Hellerau einen dreiteiligen Abend inklusive einer neuen Kreation


27. Oktober 2018 – Man darf und soll sich ja stets fragen: Was steckt dahinter? Hier würde die konkrete Frage lauten: Was steckt hinter dem Konzept, diesen Abend so zu gestalten? Drei sehr kurze Stücke, keins länger als 20 Minuten, Bekanntes und Neues, eine Einheit bilden die Arbeiten natürlich nicht.


Den Anfang macht Jacopo Godanis »Echoes From a Restless Soul« von 2016, die im Festspielhaus Hellerau damals schon gezeigt wurde. Zwei Paare flirren durch ein Lichtermeer, einen weichen Fluss, der jede Assoziation zu bewegtem Wasser zulässt. Das Besondere daran sind durch die speziellen Lichteffekte entstehende, sich ständig bewegende Schattenbereiche, die es auf der leeren Bühne möglich machen, Details zu verbergen. Später, wenn die Lichtstimmung abrupt wechselt und der Raum geradezu kalt wird, wird im Wortsinn deutlich, was Godani Ballett heute bedeutet.


Praktisch die Kehrseite dessen zeigt er in seiner neuen Arbeit »From now on«, setzt aber zwischen seine beiden Arbeiten William Forsythes »N.N.N.N.« (2002). Auch dieses Stück ist dem fleißigen Ballettinteressierten in Dresden bekannt. Und es ist immer wieder interessant, andere Ensembles, andere Tänzer als die von Forsythe, um nicht zu sagen, die »Originaltänzer«, dessen Arbeiten interpretieren zu sehen. Diese Arbeit hatte Forsythe ursprünglich für vier Männer geschaffen. Godani besetzt die Arbeit mit drei Männern und einer Frau. Das verändert die ursprüngliche Dynamik. Nicht zum Schlechteren hin, das keineswegs. Es ist nur eben anders. Anne Jung muss sich dabei weder beweisen noch gegen »die Jungs« durchsetzen. Sie ist, und das beeindruckt besonders, einfach Teil dieser Gruppe.


Das ganze sieht nicht aus wie eine Arbeit von Forsythe. Das muss es aber auch nicht zwangsläufig. Diese Choreografie funktioniert auch in dieser Version. Das streckenweise fast mechanische Miteinander, das fast in alltägliche Routine überzugehen scheint, weist jedem der Vier seinen (und ihren) Platz zu. Da gibt es kein fünftes Rad am Wagen.


Die letzte Arbeit des Abends, Godanis »From now on« widmet sich, so will man meinen, dem reinen Spaß, der Freude am Tanzen. In der Einspielung lässt das Kronos Quartett die Geigen jaulen, der farbintensive Glitzer der Kostüme gibt den neckischen Spielereien etwas Störrisches, fast meint man, die Dinge könnten ins Folkloristische umkippen.


Auffällig ist, was Godani hier nicht zeigt, zumindest dann, wenn man diese Arbeit mit anderen seines Repertoires vergleicht. Arbeitet er, so wie hier, bewusst frei von einem Konzept, wird ersichtlich, mit wie viel Bedeutung eigentlich sein hochgradig artifizielles Bewegungsvokabular aufgeladen ist. Das Exaltierte seiner Gesten läuft hier ins Leere, weil es ins Leere laufen soll. Da bleibt nur, zu hoffen, dass der Titel »From now on« wiederum nicht zum Konzept wird. From now on konzeptfrei zu arbeiten, allein für den Jux, wäre auf Dauer etwas dünn. Aber da muss man sich wohl keine Sorgen machen. Godani wird auch weiterhin versuchen, die Wurzeln des Menschen bloßzulegen.

Rico Stehfest / Fotos: Dominik Mentzos

nächste Vorstellungen: 27., 28., 31. Oktober sowie 1.-5. November im Festspielhaus Hellerau



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