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Grenzerfahrungen – the guts company befragen mit »Macht #2 / the skin« im Soci die Menschenrechte

18. September 2020 – Man könnte es direkt als ein Sinnbild lesen: Am Boden sind mehrere Neonröhren zu einer Zickzacklinie aneinander gelegt. Sie leuchten unübersehbar hell, trotzdem stolpern einige Besucher drüber. So kann es auch mit den Menschenrechten gehen. Man meint, sie zu kennen und will sich ganz gewiss rechtens verhalten, aber im Alltag passiert dann doch schon mal der eine oder andere Fauxpas, ganz gleich, ob beabsichtigt oder nicht. Die Zuschauer, die den aktuellen Recherchestand der guts company zum Thema Menschenrechte im Societaetstheater verfolgen, werden dazu auch ganz konkret befragt. Habe ich schon mal die Menschenrechte verletzt? Und sie dürfen es sichtbar machen, wenn sie zwischen zwei Karten wählen sollen. Die rote zeigt Nein, die grüne Ja. Kaum eine rote Karte wird gezogen.


Romy Schwarzer und Johanna Roggan performen entlang der Neonröhren am Boden, schaffen es lange Zeit nicht in die aufrechte Position. Sie winden sich, krümmen sich. Ein Fortkommen ist das kaum. Auch der Wechsel auf die andere Seite dieser Linie, die man als Grenze lesen kann, ändert nichts an den Umständen, die hier gänzlich innere, wenn nicht verinnerlichte sind. Nebenher werden Videosequenzen eingespielt, in denen sich Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern zum Thema äußern, das, wie sich zeigt, individuell sehr weit gefasst ist. Deshalb spricht das Programmheft auch von Ohnmacht, Subversion und Selbstermächtigung.


Ursprünglich wollte das Produktionsteam zu Recherchezwecken so viele Länder wie nur möglich bereisen. Bis Corona übernahm und sich zeigte, dass sich derartige Recherchen praktisch nicht über Online-Kommunikation umsetzen lassen. Dafür scheint das jeweils Erlebte zu persönlich. Trotzdem geben die bisherigen Interviews viel interessantes Material her. Bemerkenswert erscheint dabei auch die Geste, von den Interviewten eine künstlerische Ausdrucksform, Fotos, ein Gedicht oder anderes, zu erbitten und jeden dafür zu entlohnen. Die Ergebnisse sind Teil der Präsentation.


Dieser breite Ansatz verdeutlicht, was Johanna Roggan auch explizit formuliert: Wie kann es möglich sein, sich mit dem Thema Menschenrechte auseinanderzusetzen, wenn man selbst in dieser Hinsicht keine Einschränkungen erlebt hat und gleichzeitig jede Form von Betroffenheitstheater vermeiden will? Moria, Belarus. Es bleiben Nachrichten, zu denen eine grundlegende Distanz besteht. Deshalb geht es in dieser Performance auch nicht um das Finden von Antworten, insofern eine finale Version der künstlerischen Auseinandersetzung nicht angestrebt ist. Es ist eine Art Befragung des Publikums. Was macht ihr draus? Dabei bleibt gänzlich offen, wie sich die Einzelteile, die Interviews, die Bilder, die Performance zueinander in Beziehung setzen lassen.


Für Januar ist die nächste Präsentation im Societaetstheater geplant. Sicher ist, dass der Recherchestand dann in jedem Fall ein anderer und somit die Gesamtkonstellation eine neue sein wird. Nicht absehbar aber ist bis dahin, in welche Richtung sich alles entwickeln wird.

Rico Stehfest / Fotos: Adam Dreessen

nächste Vorstellungen: 18., 19. September jeweils 19 und 21 Uhr im Societaetstheater



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