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DRESDNER Interviews / O-ton!
Zuhälter und arme Hunde – »Und die im Dunkeln sieht man nicht« von Ljuben Stoev in der Städtischen Galerie
»Und die im Dunkeln sieht man nicht« von Ljuben Stoev in der Städtischen Galerie
■ In der Städtischen Galerie sind demnächst Werke des bulgarischen Künstlers Ljuben Stoev zu sehen. Der 1939 in Sofia geborene Stoev hatte von 1957 bis 1963 in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste studiert und war anschließend in seiner Heimat Bulgarien künstlerisch tätig. Sein Neffe, der Dresdner Musiker und Fotograf Ray van Zeschau, hat nun seine Werke nach Dresden gebracht. DRESDNER-Autorin Annett Groh befragte den Kustos der Städtischen Galerie Dresden, Johannes Schmidt, zu der Werkschau.

Wie ist es zu dieser Ausstellung gekommen?

Johannes Schmidt: Ray van Zeschau hatte nach dem Tod von Ljuben Stoev im Dezember 2016 die Idee an uns herangetragen, sein Werk wenigstens temporär einmal nach Dresden zurückzuholen.

Was macht diese Werke für Sie so besonders?

Johannes Schmidt: Was mich gleich überzeugt hat, war die Tatsache, dass in den Werken von Ljuben Stoev viel zu sehen ist, was ihn bis in das Schaffen seines letzten Lebensjahrzehnts mit dem Werk seiner Dresdner Lehrerin Lea Grundig verband. Als Ljuben Stoev in Dresden studierte, war Lea Grundigs politisch engagierte Kunst – etwa ihre Grafikfolge »Kampf dem Atomtod« – Staatskunst und viele Künstler, die heute in Dresden etwas gelten, halten sich zugute, nicht bei ihr, sondern in den alternativ möglichen Klassen der HfBK studiert zu haben. Hinter dem übermächtigen Bild der nach 1990 zeitweise geradezu zur Unperson gewordenen Funktionärin Lea Grundig ist leider die begabte Zeichnerin Lea Grundig fast verschwunden. Das ist allein schon Grund genug, sich ihrem Schaffen einmal wieder zuzuwenden, was wir in absehbarer Zeit mit einem speziellen Projekt tun werden. Aber auch die Frage danach, welchen Stellenwert Sozialkritik in der Kunst heute noch haben kann, wie wirksam und sinnvoll diese erscheint, führt zum Werk von Lea Grundig – und im Werk von Ljuben Stoev zu einem interessanten und zeitlich erstaunlich weitreichenden Echo darauf. Nach Stoevs Rückkehr nach Bulgarien hat er sich erst einmal mit ganz anderen Themen beschäftigt, ist durch die Welt gereist und hat sich für exotische Motive begeistert. Erst die Situation nach 1990 – offensichtlicheres Elend auf den Straßen von Sofia – hat ihn wieder zu seinen künstlerischen Wurzeln zurückgeführt. Ich finde, das alles ergibt insgesamt eine spannende Geschichte, die es sich in einer kleinen Ausstellung zu erzählen lohnt.

Was macht die Außenseiter in Stoevs Werken zu Außenseitern?

Johannes Schmidt: Die Außenseiter, die »im Dunkeln« sind hier ganz im Brechtschen Sinne die sozial Unterprivilegierten. Ljuben Stoev hat sich künstlerisch mit den sozialen Veränderungen in Bulgarien beschäftigt, die nach 1990 wohl etwas weniger wohlstandsgefedert als hierzulande verliefen. Da gibt es einerseits die Porträts von glatzköpfigen Zuhältertypen mit Tattoos und dicken Goldketten, aber häufig vor allem alte Leute, die ärmliche Waren vor den bunten Supermärkten feilbieten, auf der Straße musizieren oder Laub zusammenfegen. Teils sind dies Elendsdarstellungen, die an die Kunst der Weimarer Republik erinnern. Ljuben Stoev reichert das Anklagemotiv aber auch mit ironischen Elementen an – etwa mit Collageelementen wie realen Kleidungsstücken oder Plastik-Einkaufstüten – und macht klar, wo seine Sympathien liegen.
Vielen Dank!

Ljuben Stoev »Und die im Dunkeln sieht man nicht«, in der Städtischen Galerie Dresden bis 28. Juni.

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