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Von den Vorteilen des Lasters – Lisa Eckhart im Interview (Foto: Franziska Schrödinger)
Lisa Eckhart im Interview (Foto: Franziska Schrödinger)
■ Lisa Eckhart ist humorvoll wortgewandt mit bitterer Note, vorgetragen im, in Deutschland so liebgewonnenen, Wiener Schmäh – so unterhält und konsterniert die Österreicherin nur allzugern ihr Publikum. In ihren spitz durchdachten Texten ergeht sich die 1991 geborene Ex-Poetry-Slammerin, der die Wettbewerbsbühnen zu klein und die Mitkonkurrenten zu unterklassig (nach eigener Auskunft) wurden, in den Weltthemen »Gesundheit, Religion, Politik und persönliche Rhetorik«. Mit ihrer narzisstisch getrimmten Bühnenfigur schrammt sie dabei ganz bewusst an der Grenze von sehr gutem und sehr gewagtem Humor entlang – hat aber ihre eigene Contenance stets im Griff. Mit ihrem Soloprogramm »Die Vorteile des Lasters« ist sie nun in Dresden zu erleben. Ein Anlass für DRESDNER-Autor René Seim, um ihr ein paar Fragen zu stellen.

Ihr aktuelles Bühnenprogramm ist ihr zweites Soloprogramm und heißt »Die Vorteile des Lasters«. Da liegt natürlich die Frage nah, bei welchen Lastern Sie nicht nein sagen können und bei welchen Sie aber widerstehen müssen, obwohl Sie doch ganz gern anders wollten?

Lisa Eckhart: Die Antwort auf die beiden Fragen: Lebensmittel aller Art.

In Ihrem Programm unterhalten Sie nicht nur das Publikum, sondern fordern es auch auf, sich möglichst lasterhaft im Leben umzutreiben. Was sollte das Publikum während ihres Auftrittes auf gar keinen Fall tun?

Lisa Eckhart: Versuchen, sich zu profilieren.

In dem Interviewformat »Auf dem Roten Stuhl« sagten Sie, dass Sie nach vier Bühnenprogrammen die Reißleine ziehen werden und ihre Auftritte von den Bühnen, die die Welt bedeuten in eine gewisse Exklusivität rücküberführen. Warum denken Sie bereits jetzt über das Ende öffentlicher Auftitte nach?

Lisa Eckhart: Weil ich nicht wünsche, dass mir darin jemand zuvorkommt.

Sie erhielten bereits mehrere Auszeichnungen, darunter den Deutschen Kabarettpreis 2017, den Deutschen Kleinkunstpreis 2018 und zuletzt den Salzburger Stier 2019. Welcher Person oder welcher Organisation würden Sie einen öffentlichkeitswirksamen Preis verleihen – und weshalb?

Lisa Eckhart: Dem ganzen Team der Lindenstraße. Weil ich jede Folge sah und sie mir allesamt erlauben, kognitiv besser abzuschalten, als es Ohnmacht und Koma vermochten.

Auf der Bühne stehen Sie eindeutig auf der provokant unterhaltenden Seite des Lebens. Welche Form von Unterhaltung amüsiert Sie, wenn Sie selbst genießen wollen?

Lisa Eckhart: Der deutsche Idealismus und Witze über verhinderten Stuhlgang.

Ihr Humor erinnert mich ein wenig an den von Harald Schmidt, der wiederum als ein großer Bewunderer des Österreichers Thomas Bernhardt gilt. Wie stehen Sie zu den beiden Herren?

Lisa Eckhart: Mit Harald Schmidt kam ich nie in Berührung. Humoristisch geprägt hat mich eher Helmut Schmidt. Und Thomas Bernhard schätze ich sehr. Großteils aus patriotischem Zwang. Bernhards Heimathass nicht zu teilen, hieße, auf Österreich zu spucken.

Ist die Lisa Eckhart, die man morgens beim Bäcker anträfe, oder auch am Nachmittag beim Zahnpastenkauf im Supermarkt vom gleichen Schneid, wie die Person, die auf der Bühne unterhält? Oder geht es da launischer zu?

Lisa Eckhart: Sehen Sie mich an, ich habe angeblich Untergewicht und vermisse einige Zähne. Sie träfen mich im Leben nie beim Bäcker oder Zahnpastakauf.
Vielen Dank!

Lisa Eckhart: »Die Vorteile des Lasters«, am 31. Mai in der Scheune; das Gastspiel ist bereits ausverkauft. Mehr zur Künstlerin: www.lisaeckhart.com/

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