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DRESDNER Interviews / O-ton!
»Menschen schützen lieber das, was sie kennen« – Im Gespräch mit dem Primatenforscher Daniel Hanus über Menschenaffen im Zoo
Im Gespräch mit dem Primatenforscher Daniel Hanus über Menschenaffen im Zoo
■ Auch gegen das neue Affenhaus gibt es Protest seitens des Piratenstadtrats Martin Schulte-Wissermann und der Tierschutzorganisation »Peta«: Die für das Projekt vorgesehenen Gelder sollten in nachhaltige Artenschutzprojekte in Afrika und Südostasien investiert werden. Der Bau eines neuen Affenhauses sei Verschwendung in Millionenhöhe, und die Haltung und Zucht von Menschenaffen im Zoo sei widerwärtig und unethisch. Die einzig akzeptable Lösung sei der Verzicht auf den Neubau und die »Abgabe« der Tiere an einen Gnadenhof (Schulte-Wissermann) oder eine Auffangstation zur Wiederauswilderung (Peta). DRESDNER-Autorin Annett Groh hat mit Daniel Hanus, Primatologe am Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie Leipzig, über das Für und Wider der Zoohaltung von Menschenaffen gesprochen.

Was brauchen Menschenaffen, wenn sie schon im Zoo leben müssen?

Daniel Hanus: Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Grundsätzlich sind Menschenaffen soziale Tiere, für die es das wichtigste ist, mit anderen Tieren zusammen zu sein. Das ist so ähnlich wie beim Menschen: Die schlimmste Strafe ist Isolation. Wir erfahren ja jetzt unfreiwillig, wie hart das ist. Im Prinzip geht es allen sozial lebenden Säugetieren so, insbesondere aber natürlich Primaten. Vor die Wahl gestellt, würde ich eher bei der physischen Umgebung Abstriche machen als beim sozialen Umgang. Im nächsten Schritt ist natürlich wichtig, dass sie ein Gehege haben, das möglichst gut die Natur simuliert. Im Zoo gibt es da natürlich Beschränkungen. Wichtig ist auch geistige Stimulation. Bei Menschenaffen in der Wildnis bestehen 60 bis 70 Prozent des Alltags aus Futtersuche, das fällt im Zoo weg. Diese Zeit muss sinnvoll gefüllt werden, und das ist die große Herausforderung.
Orang-Utans sind bei den Primaten aber eine Besonderheit. Sie sind in ihrer natürlichen Sozialstruktur eher Einzelgänger und leben isolierter als zum Beispiel Schimpansen oder Bonobos. In den Regenwäldern in Südostasien leben die Orang-Männchen auch relativ allein. Sie kontrollieren weniger Gruppen als vielmehr Gebiete, um die sie auch mit anderen Männchen kämpfen.

Werden Menschenaffen in Bezug auf ihre geistigen Fähigkeiten eher überschätzt oder eher unterschätzt?

Daniel Hanus: Beides. Wenn man fragt, was denn nun der Unterschied zwischen Menschen und Menschenaffen ist, dann muss man immer fragen, in welchem Bereich? Soziale Kognition ist ein Bereich, in dem Menschen schon in einem sehr frühen Alter unbewusst sehr kompetent sind – im Gegensatz zu anderen Primaten, bei denen das so pauschal nicht gilt. Bei technischen Problemlösungen sind wir immer wieder erstaunt, was sie leisten können.

Welchen Nutzen hat die Haltung und Zucht von Menschenaffen im Zoo?

Daniel Hanus: Ein wichtiger Punkt ist der Schutz und die Aufmerksamkeit. Menschen schützen offensichtlich lieber das, was sie kennen, was sie sehen und wovon sie fasziniert sind. Man kann im Fernsehen Dokumentationen anschauen, aber offenbar funktioniert es immer besser, wenn man die Tiere direkt vor sich sieht. Man darf nicht den Fehler machen, das als Entweder-Oder zu sehen: Soll man die Regenwälder schützen oder soll man mehr Gelder in Zoos stecken? Die Zoos sollten dafür dienen, das Bewusstsein für den Schutz der Tiere in ihrer natürlichen Umwelt zu wecken und zu stärken. Der Vergleich zwischen Tieren im Zoo und Tieren in freier Wildbahn ist auch unfair: Das Freiland ist der Ort, wo sie eigentlich sein sollten. Bei vielen Tierarten haben wir aber gerade die Situation, dass ihre Lebensräume vernichtet werden. Deshalb muss es auch darum gehen, den Tieren in den Zoos ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen.
Vielen Dank für das Gespräch!

Für den Bau des neuen Affenhauses hat der Zoo Dresden eine Spendenaktion ins Leben gerufen, denn mit der Bausumme von 17 Mio. Euro ist es das größte Bauprojekt in der Geschichte des Zoos. Zehn Prozent der Bausumme sollen über Spenden finanziert werden. Mehr Informationen dazu auf www.zoo-dresden.de

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