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Gute Musik wird Bestand haben – Kakkmaddafakka im Interview
Kakkmaddafakka im Interview
■ Kakk wer? Irritierte Nachfragen ist die Band aus Norwegen längst gewöhnt. Geschenkt. Viel wichtiger ist, dass die Jungs dieser Tage eine neue Platte veröffentlichen und bald auf Tour gehen. Die Vorfreude ist groß und so hat sich DRESDNER-Autor Matthias Hufnagl mit Frontmann Pål Vindenes über Musik im Auto, heiße Tage in Bergen und das Wandern zwischen den Genres unterhalten. Vindenes heißt mit Pseudonym übrigens Pish. Wie Kakkmaddafakka klingt das im Englischen nicht gerade nach Rosenwasser, weswegen auch dieses Gespräch nicht um das Thema alberner Namen herumkommt.

Die neue Platte trägt den Titel »Diplomacy«. Worum geht es euch?

Pål Vindenes: Wir wollen unsere Fans überall erreichen können unabhängig von bestehenden Grenzen. Das Thema der Platte ist das Überwinden von Gräben und ein damit einhergehender Perspektivwechsel. »Diplomacy« als Titel passt da gut. Natürlich geht es auch um das politische Klima heutzutage. Es sind verrückte Zeiten, in denen wir leben.

Bei eurer ersten Platte 2007 habt ihr alles selber gemacht. Was hat sich seitdem verändert?

Pål Vindenes: Damals waren wir 15, das war vor einer halben Ewigkeit. Vieles hat sich geändert. Zu viel um hier alles aufzuzählen, aber eine Sache ist definitiv gleich geblieben: wir sind immer noch eifrig bei der Sache.

In eurer Heimatstadt Bergen gab es die mittlerweile legendäre »Vamoose« Bar. Wie wichtig war dieser Ort für euch?

Pål Vindenes: Sehr wichtig, gerade als junge Band. Jeden Montag stand der Jam Monday auf dem Programm. Wir haben erst geprobt und sind dann direkt ins Vamoose, um das soeben Einstudierte dem Publikum vorzustellen. Allesamt Menschen, die ein echtes Interesse an dem hatten, was wir machen. Wir bekamen immer gute Rückmeldungen und konnten uns mit Gleichgesinnten austauschen. Unter jungen Bands in Bergen förderte es zudem den Wettbewerb um den coolsten Song der Stadt. Immer wenn wir andere Künstler mit großartigen Stücken sahen, wurde uns langsam aber sicher bewusst, dass es um die Songs geht und nicht darum, wie cool man auf der Bühne daherkommt.

Hört man die neuen Stücke, macht es den Anschein, dass euch das Erzählen von Geschichten wichtiger als die Zugehörigkeit zu einem Genre ist ...?

Pål Vindenes: Das trifft den Nagel auf den Kopf. Wir legen uns nicht fest. Ich kann es ja nicht mal ertragen, auch nur für einen Tag denselben Musikstil zu hören. Als Band machen wir, was sich richtig anfühlt. Vielleicht hat uns dieser Wechsel zwischen den Genres nicht immer Vorteile verschafft, aber was soll man machen? Ich glaube fest daran, dass es wichtig ist, die Geschichte und nicht unbedingt den Sound in den Vordergrund zu stellen.

Seid ihr eine Band, die neue Aufnahmen über die Stereoanlage im Auto testet?

Pål Vindenes: Na klar. Ich höre meine Demos jeden Tag auf dem Weg nach Hause. Das Gefühl, das man im Auto bekommt, ist unglaublich. Man hört sich etwas an und kommt in eine Stimmung von unterwegs sein. Das Auto ist hierfür ein sehr spezieller Ort. Ich würde zwar nicht sagen, dass wir versuchen Musik fürs Auto zu machen, aber es ist schon unbeschreiblich, nachts im Auto Musik zu hören.

Habt ihr beim Schreiben neuer Songs Druck den Erfolg von Kakkmaddafakka aufrecht zu halten?

Pål Vindenes: Das hat für uns keine Priorität. Wir hatten nie einen großen Hit. Dies zu behaupten wäre eine glatte Lüge. Ich bin da eh immer skeptisch. Selbst wenn wir in Bergen spielen, habe ich vorher das Gefühl, dass nicht mehr als 20 Leute zum Konzert kommen werden und bin regelmäßig verblüfft, wenn ich mitkriege, wie viel Menschen unsere Musik tatsächlich hören. Es gibt also einen gewissen Unsicherheitsfaktor. Aber unser Fokus liegt klar darauf einen guten Song und keinen Hit zu schreiben. Geht man so an die Sache ran, kann zwar ein als Hit wahrgenommener Song entstehen, aber eben ganz natürlich und ohne Krampf. Würden wir zwanghaft in Richtung Charts arbeiten, hätten wir wahrscheinlich kein klassisches Schlagzeug. Hört man sich heutige Hits an, haben die doch alle eine Drum-Machine.

Kürzlich habe ich gelesen, dass sich durch das Streamen die Regeln für einen potenziellen Hit dahingehend geändert haben, dass er bereits mit dem Hook anfangen muss, damit die Leute überhaupt dabei bleiben ?

Pål Vindenes: Das geht mir genauso. Aber keine Sorge, gute Musik wird Bestand haben ... Das ist der Grund, warum Bands wie Kings Of Convenience via Stream eine Million Hörer erreichen. Mit Sicherheit nicht, weil der Refrain nach zwei Sekunden einsetzt. Hier geht es um großartige Songs aus ihrem Repertoire. Dabei haben sie seit zehn Jahren kein Album mehr veröffentlicht. Zeitlose Musik, die ein bestimmtes Gefühl vermittelt, wird die Menschen auch in Zukunft bewegen.

Auf Englisch klingt Kakkmaddafakka befremdlich. Auch dein Pseudonym »Pish« schlägt in diese Kerbe. Habt ihr ein Faible für seltsame Titulierungen?

Pål Vindenes: Nein, da steckt kein Plan dahinter. Wir sind einfach ein Haufen dummer Jungs. Ich fand erst spät heraus, das Pish auf Englisch Pisse bedeutet. Es ist wie ein Fluch. Ich kann mich im Englisch sprechenden Teil der Welt nicht wirklich blicken lassen. Der Bandname entstand, als wir 15 waren. Ich denke aber immer noch, dass es ein cooler Name ist.

Was ist die Besonderheit an einem Konzert in Dresden?

Pål Vindenes: Dresden ist ein ganz spezieller Ort. Die Stadt ist sehr nah an Berlin. Dort gibt es viele hippe Leute. In Dresden aber haben wir das Gefühl, das ein authentisches und ehrliches Publikum zu unseren Shows kommt.
Vielen Dank für das Gespräch!

Kakkmaddafakka sind am 8. April im Beatpol zu erleben. Mehr zur Band unter www.kmfband.com/

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