Hinweis in eigener Sache.

Aufgrund der geltenden Allgemeinverordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus können Veranstaltungen ab 22. November nicht mehr stattfinden.

Für die veranstaltungsfreie Zeit informieren wir euch über Online-Alternativen, kulturelle Aktivitäten und Kulturmeinungen unter www.dresdner.nu/co19

Macht das Beste draus und bleibt gesund!


DRESDNER Interviews / O-ton!
Erstmal wieder warm werden – Fritzi Ernst im Interview zu ihrem Solodebüt (Foto Frederike Wetzels)
Fritzi Ernst im Interview zu ihrem Solodebüt (Foto Frederike Wetzels)
■ 2019 war Schluss. Das erfolgreiche Indie-Pop-Duo Schnipo Schranke ist Geschichte. Daran hatte sie ganz schön zu knabbern, verrät Fritzi Ernst im Gespräch mit DRESDNER-Autor Matthias Hufnagl. Zwei Jahre später steht nun »Keine Termine« in den Regalen. Ihr Solodebüt und schon jetzt berechtigter Anwärter auf den Titel »Popalbum des Jahres«. 11 Stücke, viel Klavier, Melancholie ohne Traurigkeit, humorvoller Trotz, antriebslose Verweigerung und zum Abgang was Elektronisches.

Wie lange hat es nach dem Ende von Schnipo Schranke gedauert, bis du dich wieder gefangen hast?

Fritzi Ernst: Ungefähr ein Jahr. Ich musste mich erstmal sammeln, habe mir lange gar nichts vorgenommen, um mir keinen Druck zu machen. Dann kam der Moment in dem ich »Ich flirte mit allen« geschrieben habe. Danach fühlte ich mich wieder sicher genug. Frühere Versuche zu Schreiben hatten sich nicht gut angefühlt. Jetzt ist mir wichtig, dass es allen Beteiligten Spaß macht.

Im Titeltrack zu deiner Solo-Platte »Keine Termine« heißt es: »Alle wollen was erleben. Ich könnt’ mich übergeben.« Eine Hymne gegen das Post-Pandemische-Durchdrehen – auch wenn das Stück schon vorher geschrieben wurde?

Fritzi Ernst: Da geht es um die Frage, ob man zuerst keinen Bock hatte rauszugehen und dann nicht mehr rausgegangen ist – oder ob man nicht raus durfte und daraufhin keinen Bock mehr hatte? Selbst Leute, die sich darauf freuen, endlich wieder draußen zu saufen, fremdeln jetzt mit der Situation. Da müssen wir alle erst mal wieder warm werden.

»Keine Termine« auch als persönlicher Ansporn, einen Cut zu machen, wenn es zu viel wird?

Fritzi Ernst: Ich versuche es zumindest. Dieses Jahr habe ich mich aber schon wieder übernommen und größere Sachen abgesagt. Wenn ich merke, dass ich vor Erschöpfung anfange wegen irgendwelchem Scheiß zu heulen, dann muss das nicht sein.

Ist »Keine Termine« eine melancholische, aber keine traurige Platte?

Fritzi Ernst: Für mich gibt es da schon einen Unterschied. Es ist wichtig, dass Songs einen nicht einfach runterziehen. Meine Hoffnung ist, dass man auch immer wieder darüber lachen kann.

»Wie bei »Trauerkloß«, zu dessen Rhythmus man sich das Publikum geschlossen am Abfeiern vorstellen kann?

Fritzi Ernst: Gerade haben wir das erste Mal wieder gespielt: Und ja, »Trauerkloß« könnte so ein Song werden, bei dem die Leute springen, wenn sie dürfen.

Koppelt einen das als Künstlerin live vom ursprünglichen, eher negativen Grundgefühl des Stücks ab?

Fritzi Ernst: Ja, schon. Wir spielen das ja zu dritt am Klavier. Einer spielt links unten Bass, eine andere spielt oben was Hohes. Das erste Mal mussten wir sogar aufhören, weil ich so lachen musste. Das Klavier war nur noch am Wackeln, weil wir voll draufgehauen haben.

Singst du über unangenehme Dinge, um sie zu überwinden?

Fritzi Ernst: Schon. Meistens sind es Sachen, die ich ablegen will. Natürlich besteht aber immer die Gefahr, dass man dadurch wieder reingezogen wird. Was das angeht, kann ich mich aber nicht beklagen.

Welche Songs der Platte hast du ursprünglich noch für Schnipo Schranke geschrieben?

»Keine Termine« und »Trauerkloß«. Die zwei waren schon ziemlich fertig und es gab schon Demos davon. Beim Aufnehmen wurde nochmal vieles anders – vor allem bei »Trauerkloß«.

Ist die Zusammenarbeit mit Ted Gaier ein roter Faden zurück in die Zeit von Schnipo Schranke?

Fritzi Ernst: Schon nach der zweiten Schnipo-Platte hatten wir überlegt, es mal mit jemand anderem zu machen. Manchmal bin ich mir auch nicht sicher, ob ich etwas nur aus Bequemlichkeit nochmal mache. Am Ende hatte ich aber einfach voll Bock, wieder mit Ted zu arbeiten. Es war dann auch cool.

»Ich weiß«, der letzte Track der Platte ist anders, kommt verspielt elektronisch daher. Eine kleine Vorschau?

Fritzi Ernst: Ich will mir immer alles offen halten, finde Genrefreiheit gut. Andererseits hört die Person, für die ich den Song gemacht habe, einfach gerne Techno. Deswegen habe ich jetzt mal versucht, Techno zu machen.

Du absolvierst derzeit auch eine Ausbildung zur Klavierbauerin. Wie kommt’s?

Fritzi Ernst: Da ich zuvor schon in einer Theaterwerkstatt gearbeitet hatte, habe ich nach dem Ende von Schnipo angefangen, nach handwerklichen Ausbildungsberufen zu suchen. So habe ich Klavierbauer gefunden und mich bei einer größeren Firma beworben. Das hat nicht geklappt. Zum Glück kannte ich einen anderen Laden, von dem ich wusste, dass sie auch ausbilden. Nachdem ich dort zur Probe gearbeitet hatte, waren wir uns schnell einig.
Besten Dank für das Gespräch!

Fritzi Ernst kommt am 19. August zum Gartenkonzert in die Chemiefabrik; mehr zur Künstlerin unter www.fritziernst.cool/

« zurück