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Die Welt ist sonderbar geworden – Holly Golightly im Interview
Holly Golightly im Interview
■ Musik als Schutz; vor den Hürden des Lebens, der Schnelligkeit des Alltags, der Ideologie des Perfekten und der Ökonomisierung von Kunst. Holly Golightly führt uns mit ihren herrlich zeitlosen Stücken an einen Ort, an dem das Drama nach Whisky riecht und man Sorgen noch wegtanzen kann. Wo sich große Romanzen im Zwielicht abspielen und Abende zwischen Bar und Bühne wie stilvolle Kulissen alter Lieblingsfilme daherkommen. DRESDNER-Autor Matthias Hufnagl verriet die sympathische Garagen-Chanteuse, warum es völlig okay ist, ein Amateur zu sein, wie ein idealer Club aussieht und ob sich nach einem gemeinsamen Song mit den White Stripes ihr Leben verändert hat.

Dein Hintergrund ist der Punk. Was ist davon bis heute präsent?

Holly Golightly: Was meine technischen Fertigkeiten angeht, hat sich verglichen mit den Punkzeiten nichts geändert. Ich habe mich nie verbessert, spiele und höre noch die gleichen Sachen.

Eine Philosophie, die vom musikalischen Nachwuchs geteilt wird?

Holly Golightly: Ich hänge oft mit Bands ab, die nur halb so alt sind wie ich. Das fühlt sich manchmal so an, als hätte es Punkrock nie gegeben. Da höre ich Musik, in der es nur darum geht herauszufinden, wie man das nächste große Ding werden kann. Das Wichtigste scheint die Suche nach einer Art verborgenen Zutat zu sein, die einen endlich zu einer erfolgreichen und bekannten Band macht.

Was hältst du dem entgegen?

Holly Golightly: Dass Musikmachen an sich viel wichtiger ist, als ein großes Ziel vor Augen zu haben. Ich und alle meine Weggefährten sind nach wie vor Amateure und waren das auch schon immer. Wir haben nie nach den Sternen gegriffen und wollten nie entdeckt werden. Es ist völlig okay, ein Amateur zu sein.

Du bist in England aufgewachsen. Im Kultfilm »Quadrophenia« gibt es eine Szene, in welcher die Mods gegen die Rocker in die Schlacht ziehen. Wem würdest du eher die Daumen drücken, den Mods oder den Rockern?

Holly Golightly: Ich stehe da genau in der Mitte, mag Motorräder sehr, habe aber auch ein Faible für Lambrettas. Die habe ich sogar mal gebaut. Hinter beiden Bewegungen schätze ich die treibenden Kräfte. Rockmusik ist dennoch nicht wirklich meins, dafür aber Lederjacken. Musikalisch mag ich, was in den Mod Clubs gespielt wurde, also 50s und 60s RnB.

In »Obstacles«, dem ersten Song der neuen Platte heißt es »Nothing gonna knock me off my feet«. Worum geht es da?

Holly Golightly: Vor ein paar Jahren hatte ich ein paar private und berufliche Schwierigkeiten. Alles brach über mich herein. Der Song hat eine rückversichernde Wirkung, dass, wenn man diese Zeilen singt, es genauso sein wird dass mich eben nichts mehr umhauen kann. Manche Songs geben einem zusätzliche Kraft, die man vielleicht irgendwann gebrauchen kann.

Klingt nach Selbstermutigung?

Holly Golightly: Der Refrain hat seinen Ursprung im Reitsport. Ich bin eine Pferdefrau und qualifizierte Ausbilderin. Vor langer Zeit hatte ich einen Trainer, der mir beibrachte, dass mich Hindernisse ermutigen sollen, sie zu überwinden. Es gibt ein altes französisches Sprichwort. So nach dem Motto: Alles, was sich mir in den Weg stellt, lässt mich nur noch härter arbeiten. Darum geht es hier.

Wenn du dir die ideale Konzertstätte bauen könntest, wie würde sie aussehen?

Holly Golightly: Das ist eine gute Frage. Ich mag offene Räume und kann es nicht leiden, wenn sich die Bar in einem anderen Raum befindet als die Bühne die Leute gehen ständig rein und raus. Da kann man gleich in der U-Bahn spielen. Ich mag auch keine hohen Bühnen, keine Trennung von Band und Publikum. Der richtige Raum kann auch mit 200 Leuten intim sein. Im Grunde sind wir eine Bar-Band und gehören nicht in große Hallen.

Bist du ein Musik-Nerd, ständig auf der Suche nach Neuem, oder eher festgefahren?

Holly Golightly: Was das angeht, bin ich ziemlich betriebsblind und habe keine Ahnung, was aktuell angesagt ist und suche auch nicht danach. Das hat auch mit meiner Liebe zum Northern Soul zu tun. Da gibt es noch so viel zu entdecken, von dem ich von vornherein schon weiß, dass es mich interessiert und mir gefallen wird.

Lass uns über die White Stripes reden. Hat sich nach eurem gemeinsamen Song »Its True That We Love One Another« für deren Kultplatte »Elephant« etwas verändert?

Holly Golightly: Meine eigene Platte kam damals knapp nach »Elephant« raus. Das war keine Strategie. Jeder hat einfach sein Ding gemacht und es ergab sich so. Jack (White Anm.d.Red.) schrieb die Liner Notes für meine Platte, eine Art Märchen-Nonsens und ein Freundschaftsdienst. Auf Tour in den Staaten fiel mir dann auf, dass Leute im Publikum waren, die normalerweise nicht gekommen wären. Plötzlich hat mich der NME interviewt und fotografiert, die italienische Vogue kam vorbei, um meine Taschensammlung zu fotografieren. Das war sonderbar, nicht unangenehm, aber dann auch schon alles. Es hat Spaß gemacht und es ist großartig, dass sie den Song mit auf die Platte genommen haben. Ich glaube nur nicht, dass es ein ausschlaggebender Punkt in dem war, was ich nicht mal Karriere nenne, weil ich damit noch nicht fertig bin. Ich habe das, was ich mache, genauso lange davor, wie danach gemacht, als die White Stripes vorbeikamen.
Danke für das Gespräch!

Holly Golightly & Band sind am 15. November in der Groove Station zu erleben; mehr zur Knstlerin: www.hollygolightly.com/

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