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DRESDNER Interviews / O-ton!
Die Lust an der Identitätskrise – Im Gespräch mit Liza Kos, Comedy-Künstlerin bei der 5. Humorzone (Foto: Michael Kitenge)
Im Gespräch mit Liza Kos, Comedy-Künstlerin bei der 5. Humorzone (Foto: Michael Kitenge)
■ Zum bereits fünften Mal lädt der feine Schirmherr Olaf Schubert zum Festival der guten Laune. Es ist wieder Humorzone-Zeit und das heißt, über 100 gestandene Comedy-Größen und auf den Durchbruch hoffende Newcomer dürfen vom 13. bis 17. März über das Zwerchfell zahlreicher Besucher herfallen. Eine davon heißt Elizaveta Kostyuk, ist 1996 aus Moskau nach Deutschland gekommen und hat sich als Liza Kos in ihrer neuen Heimat Aachen schon längst einen Namen gemacht. DRESDNER-Autor Martin Krönert sprach mit der Comedienne über ihre drei Identitäten und die Besonderheiten im Osten.

Hallo Liza, schön, dass es dich mal nach Dresden verschlägt. Deine Vergangenheit als russischer Kontingentflüchtling schreit eigentlich geradezu nach einem Auftritt im Osten. Warum ist es jetzt erst so weit?

Liza Kos: Das will ich auch gern wissen. Man lädt mich ein und es ist immer spannend herauszufinden, wo das sein wird. Und der Osten ist wirklich das einzige Areal, was noch nicht von mir bespielt worden ist. Ich war nur einmal in Leipzig und fand es so cool, dass da russische Kultur gelebt wird. Da kann man im Restaurant wie selbstverständlich Wareniki, diese super leckeren Teigtaschen, bestellen. Das war ein krasses Erlebnis für mich. Ich freu' mich sehr darauf, wieder hier zu sein.

Ist dir Ostdeutschland also gar nicht fremder als der Westen?

Liza Kos: Nein, ganz im Gegenteil. Es ist ein ganz anderes Andocken. Du triffst hier Menschen, die auch mal russisch gelernt haben. Dadurch wird meine Show natürlich ganz anders aufgenommen und deshalb fühle ich mich hier auch sehr wohl. Vielleicht sogar ein bisschen mehr wie Zuhause. Es weckt auf jeden Fall Erinnerungen aus meinem Leben in Moskau.

Du gehst auf der Bühne recht offen mit deiner »ernsten« psychischen Erkrankung um. Ist »integrative Persönlichkeitsspaltung« so anstrengend wie es klingt und was sind typische Symptome?

Liza Kos: Am Schwierigsten für mich ist es, Entscheidungen zu treffen. Wenn ich spontan etwas gefragt werde, habe ich schon mal echte Blackouts. Ich muss schließlich alles immer erst mit den zwei anderen Frauen in meinem Kopf durchdiskutieren. Und wenn wir dann wissen, was wir als Resultat herausspucken wollen, ist noch nicht klar, ob gleich die Russin mit ihrem starken Akzent oder die sich in meiner islamischen Phase entwickelte Türkin aus mir heraus spricht. Aber die will auch immer erst, dass ich dazu ein Kopftuch anziehe. Also ja. Das ist echt anstrengend.

Können Deutsche über Russland leichter lachen als über sich selbst?

Liza Kos: Schon möglich, aber ich finde schon, dass die Deutschen sehr gern über sich selbst lachen. Generell sind Klischees ja so witzig, weil die uns eine bestimmte Bestätigung geben. Und ich finde es schon bemerkenswert, dass das auch genau andersrum funktioniert. Gerade weil zu meinem Solo-Programm »Was glaub ich, wer ich bin!?« viele verschiedene Gruppen kommen, die alle an einer anderen Stelle was zum Lachen haben. Von den Russischstämmigen über die Bio-Deutschen bis zu der neuen Mix-Generation, die schon gar nicht mehr mit diesen Vorurteilen im Kopf aufgewachsen ist.

Du warst vier Jahre lang mit einem Deutschtürken liiert und bist sogar konvertiert. Wie hat dich deine muslimische Phase als Mensch und Künstler geprägt?

Liza Kos: Ich habe diese Kultur von innen kennengelernt. Das starke Familiengefühl ist ganz anders als in Deutschland. Das habe ich sehr genossen und bin bis heute zu einem Drittel türkisch fühlend. Ich liebe das Land, abgesehen von der politischen Situation, sehr. Und gerade weil ich die islamische Kultur so verinnerlicht habe, bereichert sie auch mein Programm.

Dein zweites Steckenpferd ist die Musik. Deine perfekt integrierte Balalaika bringst du ja sicher mit nach Dresden. Wie kann man deinen Stil beschreiben?

Liza Kos: Es ist tatsächlich schwer, das in Worte zu fassen. Die Musik dient ja bei mir vor allem der Comedy. Irgendwer hat mal gesagt, es hätte was von Chanson. Nur eben mal mit melancholisch-russischer Seele oder herzzereißend-türkischem Flair. Denn natürlich erlebt der Zuschauer alle drei Frauen mit meinem Gitarren-Balalaika-Hybriden. Svetlana kann sogar Klavier spielen, aber ich weigere mich noch, dass für sie immer mit zu schleppen. Und dann gibt’s da noch einen wirklich schönen Jazz-Standard, bei dem ich mal eine ganz andere Seite von mir zeige.

Wie sieht für dich das perfekte Humorzone-Publikum aus?

Liza Kos: Es wäre natürlich super, wenn sich alle die Kleider vom Leib reißen wegen mir. Aber das würde wohl die Türkin nicht gutheißen. Deshalb reicht es mir vollkommen aus, wenn die Leute lachen können. Ja. einfach lachen, bitte! Nur dafür mache ich das alles schließlich.
Vielen Dank für das Gespräch!

Liza Kos tritt am 14. März in Jindrich Staidls Migranten-Scheune und am 15. März mit Ihrem Solo-Programm »Was glaub ich, wer ich bin!?« bei der Humorzone auf. Infos & Programm zur Humorzone vom 13. bis 17 März unter www.humorzone.de

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