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DRESDNER Interviews / O-ton!
»Der blinde Fleck bekommt allmählich Risse« – Im Gespräch: Klubnetz Dresden
Im Gespräch: Klubnetz Dresden
■ Altes Wettbüro, Chemiefabrik, objekt klein a, Jazzclub Tonne und viele mehr schlossen sich vor kurzer Zeit zusammen, um das »Klubnetz Dresden« über die hiesige Clubszene zu spannen. Was es mit dem am Open Club Day erstmals der Öffentlichkeit präsentierten Projekt auf sich hat, und was für Chancen diese Entwicklung in sich birgt, erklärt Felix Buchta stellvertretend für das Klubnetz im Gespräch mit DRESDNER-Autor Anton Schroeder.

Was sind die Gründe für die Gründung?

Felix Buchta: Es gab bereits einige Anläufe sowohl der Livemusik-Clubs, als auch aus der Szene der elektronischen Musik, eine Interessenvertretung aufzubauen. Das Bündnis »Tolerave« war gewissermaßen der Vorläufer, konzentriert sich seit 2015 jedoch eher auf das sozialpolitische Wirken in die Szene hinein. Eine Ausnahme bildet der Kampf gegen die Sperrstunde. Die Kampagne wurde von Club-Betreibern innerhalb des Tolerave-Netzwerkes angestoßen, wird nun aber auf der Ebene des Klubnetzes fort- und hoffentlich bald zum Ende geführt. Dass eine Interessenvertretung nach Außen unabdingbar ist, wurde mit den jüngsten Schließungen zweier Neustädter Clubs binnen zwei Jahren deutlich. Unsere Aufgabe sehen wir vor allem darin, die Stadt, den Freistaat und den Bund daran zu erinnern, Club- und Livemusikspielstättenkultur zu erhalten, zu ermöglichen und zu fördern.

Beim DRESDNER-Gespräch im vergangenen Jahr zur Clubkultur war von einem »Blindem Fleck« in der städtischen Kulturpolitik die Rede. Ist dieses Problem nun behoben?

Felix Buchta: Man hat den Eindruck, der blinde Fleck bekommt allmählich Risse. Das Kulturamt hat uns noch vor Gründung zu einem runden Tisch eingeladen, um über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu sprechen. Partner war die Stadt erstmals im Rahmen der kurzfristigen Förderung der Clubkultour am Open Club Day. Dort zeigten sich schließlich zahlreiche Vertreter aus Ämtern und Fraktionen interessiert und gesprächsbereit. Für die Zukunft wünschen wir uns zunächst einmal die städtische Beteiligung an einer dauerhaften Förderung unserer bisher ehrenamtlichen Netzwerkarbeit. Wir erwarten zudem, eine proaktive Zusammenarbeit in Reaktion auf unseren Forderungskatalog, den wir in Kürze veröffentlichen. Antworten auf bestimmte Fragen der Stadtentwicklung wollen wir gerne mitgestalten und bieten der Stadt eine verlässliche Anlaufstelle und Expertise.

Das TBA musste letztes Jahr schließen, kürzlich erwischte es die Griessmühle in Berlin, der Club muss umziehen. Was kann das Klubnetz solchen Entwicklungen entgegensetzen?

Felix Buchta: Die Gründe für Club-Schließungen sind vielfältig. Im Falle des Sabotage, das 2017 schließen musste, war es die inzwischen leider klassische Verdrängung einer alteingessenen Clubkulturinstitution aufgrund eines partikularen Investoreninteresses. Dem TBA hingegen wurde vor allem der Finanzdruck zum Verhängnis, der auf einem solchen Szenewirtschafts-Unternehmen lastet. Clubs können aufgrund ihrer Position in der Kulturlandschaft keine reinen Kulturbetriebe sein, wollen aber auf keinen Fall als reine Wirtschaftsbetriebe agieren. In diesem Spagat wird eine hohe und womöglich steigende Miete schnell zur existentiellen Bedrohung. Denn auch die Kosten für ein wohl-kuratiertes Programm sind immens, schließlich handelt es sich dabei um Kultur – um künstlerische DJs und nicht um klassische Alleinunterhalter. Ein allererster Schritt für den wir zusammen mit anderen Interessenverbänden daher auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene kämpfen, ist die Anerkennung von Clubs als »Anlagen kultureller Zwecke«. Damit könnten eine ganze Menge Erleichterungen auf rechtlichen und stadtplanerischen Ebenen folgen und vor allem wäre endlich eine gewisse Schutzwürdigkeit von Clubs festgeschrieben.

Auf der Website wird für ein Dresdner Musikfestival im April, »MusicMatch«, geworben. Zeigt das bereits an, wohin die Arbeit des Netzes gehen soll? Sind nun mehr clubübergreifende Festivals geplant?

Felix Buchta: Unsere Arbeit wird neben der Interessenvertretung gegenüber Verwaltung und Politik natürlich vor allem die regionale und überregionale Netzwerkarbeit umfassen. Dazu sollen auch Beratungs- und Weiterbildungsangebote der Club- und Livemusikkultur kommen, wie sie auf der MusicMatch geboten werden. »Music for a New Society« ist der Titel der Konferenz und der ist Programm. Die MusicMatch ist aber keine Erfindung des Klubnetzes. Sie bietet uns eine ideale Plattform zum Austausch nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen Interessenverbänden und Clubs aus der ganzen Republik – nicht zuletzt, da die Mitglieder der LiveKomm, der Verband der Musikspielstätten in Deutschland, ihre diesjährige Frühjahrstagung im Rahmen der Konferenz abhalten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Infos unter www.klubnetzdresden.de

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