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DRESDNER Interviews / O-ton!
Der Live-Moment ist das Wichtigste – Kid Be Kid im Gespräch (Foto: Caren Pauli)
Kid Be Kid im Gespräch (Foto: Caren Pauli)
■ Kid Be Kid ist der musikalisch mehr geist- und avantgarde-orientierte Sidekick vom eher körperorientierten Projekt Loop Motor. Beide Projekte gehen auf das Konto von Sanni Loetszch, die sich als Kid Be Kid nun mit dem aktuellen Programm auf Solotour begibt. Deren Musik klingt wie ein Jazz-Elektro-Ensemble, wird aber solo und handgemacht performt. DRESDNER-Autor René Seim stellte ihr dazu Fragen über Sound, Leben und politische Haltung in der Kunst.

Sanni, du gehst als Kid Be Kid im November auf »Restlessness-Tour«. In Dresden bist du im Kukulida nur als Gast da, denn dein Bühnenheimspiel findet von nun an in Berlin statt. Wie kam es dazu?

Kid Be Kid: Dresden ist mir sehr lieb geworden, immerhin war ich, als gebürtige Berlinerin, acht Jahre hier zu Hause. Berlin war also nicht das große gehypte Geheimnis, das ich erkunden musste. Die Gründe für meinen Umzug waren privater Natur, viele meiner langjährigen Freunde sind über die Jahre nach Berlin gezogen. Trotzdem kenne ich auch in Dresden noch mir sehr nah stehende Menschen und komme deshalb auch sehr gern immer wieder zu Besuch. Das gibt mir eine gute Kraft und ich schätze das sehr.

Wirst du auf dieser Tour »Sold out« so nah wie möglich am Album performen, oder kann dein Publikum mit Neuerungen rechnen?

Kid Be Kid: Musikalisch habe ich meinen Sound aus Klavier, Beatboxing und Gesang um einen Synthesizer erweitert, der nun dafür sorgt, dass auch der Subbass in den Basslines nicht fehlt und den Klang der Songs fetter macht. Die Konzerte innerhalb des letzten Jahres haben mir viel Erfahrung gebracht, ich kann nun viel mehr im Moment sein, mehr über den Stücken schweben, damit improvisieren. Natürlich erfordert das Setup »Vier-Instrumente-zur-selben-Zeit« weiterhin eine hohe Konzentration, aber ich denke auf der Bühne kaum noch darüber nach.

Nina Simone, die ja auch politische Texte sang, ist ein wichtiger Einfluss auf deine Musik. Im Oktober meinte Sven Regener (Element of Crime) in einem Radiointerview, dass Kunst kein Mittel zur politischen Debatte wäre. Wie siehst du das?

Kid Be Kid: Dem widerspreche ich. Ich denke, es ist sogar wichtig, dass auch die künstlerische Welt sich wieder mehr politisch äußert. Mit seiner Aussage würden ja etwa Polit-Rapper*innen etwas »Falsches« tun und damit wäre ihre ganze Arbeit in Frage gestellt. Wir sind permanent umgeben von politischen Äußerungen von allen Seiten. Gerade durch die sozialen Medien und das auf Zielgruppen definierte, teils auch bezahlte Promo-Geballer mit Äußerungen, die dann trister Weise auch von »echten« Menschen verbreitet und unterstützt werden, werden jeden Tag massiv Meinungen im Netz verbreitet. Das macht zwar nochmal ein anderes Thema auf, aber für mich hängt die Notwendigkeit dessen, dass auch ich aus meiner gemütlichen Komfortzone herauskommen und meine Meinung öffentlich äußern sollte, stark mit den neuen Ausmaßen zusammen, die zum Beispiel Manipulation von der rechten Seite heutzutage annimmt.

Mit deinem Debüt hast du Rückenwind von dem Berliner Label Springstoff bekommen. Wie ergeht es dir mit dem Label?

Kid Be Kid: Wir arbeiten sehr eng zusammen, Teamwork eben. Und das genieße ich sehr. Ich schätze es unheimlich, wie viel Zeit sich die Springstoff- Crew nimmt, mich als Artist zu supporten. Fakt ist, dass wir seit dem Album-Release im September 2017 und damit auch der Geburt von Kid Be Kid wirklich eine Menge erreicht haben. Nach meiner Record-Release-Tour durch Deutschland und Österreich folgten auch schon die ersten Auftritte bei Festivals wie dem Bandstand in Dresden, dem Detect in Berlin, dem Stains in the Sun im Erzgebirge und dem Jazzfestival Freiburg. Das ist für ein so junges Projekt ziemlich schnell, da du bedenken musst, dass dich ja erst einmal einfach niemand kennt. Jetzt freue ich mich riesig auf die November-Tour mit neun Konzerten, denn der Live Moment ist für mich das Wichtigste, weil es mir am meisten Spaß macht.
Danke für das Gespräch!

Kid Be Kid spielt am 3. November im Kukulida e.V., Martin-Luther-Str.1; der Eintritt ist frei, es wird jedoch darum gebeten, einen angemessenen Kulturbeitrag (5 bis 15 Euro) einzuplanen. Mehr zur Künstlerin: www.springstoff.de/artists/kid-be-kid/

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