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DRESDNER Interviews / O-ton!
DAVE mit Sternchen – Das Dresdner Festival für Clubkultur feiert Jubiläum und bezieht im Zentralwerk Quartier
Das Dresdner Festival für Clubkultur feiert Jubiläum und bezieht im Zentralwerk Quartier
■ Das Dresdner Club-Festival DAVE wird zehn und hält ein reichhaltiges Programm mit Konzerten, Performances, Workshops und vielem mehr rund um elektronische Musik und Club-Kultur bereit. DRESDNER-Autor Philipp Mantze hat mit Festivalleiter Philipp Demankowski über das DAVE-Jubiläum, den diesjährigen Fokus und die Lage Dresdner Clubs gesprochen. (Foto vom Opening 2019: Reinhard Spunkner)

So ein Jubiläum wird ja üblicherweise großformatig gefeiert. Unter anderem plant ihr eine Ausstellung, in der ihr 10 Jahre Revue passieren lasst, aber auch auf die Dresdner Clubkultur allgemein schauen wollt. Wie hat sich eurem Empfinden nach Dresdens Clublandschaft über die Zeit verändert?

Philipp Demankowski: Eine neue Generation und ihr Wirken sind definitiv spürbar. Nicht nur künstlerisch, sondern auch gesellschaftspolitisch. Es wurden viele wichtige Diskurse angestoßen, die früher nicht problematisiert wurden. Geschlechtergerechtigkeit, Vielfalt, faire Bezahlung … Bei DAVE versuchen wir diese Punkte im diesjährigen Motto zu referenzieren, aber auch in den Diskussionen im Rahmen des Festivals. Generell ist die Dresdner Clubkultur für mein Empfinden in den letzten zehn Jahren noch mehr zusammengewachsen, was ja eh immer schon als so eine Stärke von Dresden gesehen wurde. Man hilft sich gegenseitig und spricht sich ab. Die Ausstellung wird sich vor allem aus Plakaten der letzten zehn Jahre zusammensetzen.

Orte, die eher der sogenannten »Low-Culture« zugerechnet werden, hatten und haben es deutlich schwerer als Institutionen wie etwa Theater, finanzielle Mittel zu generieren. Seht ihr über die letzten Jahre hier eine Verbesserung und höhere Anerkennung der Clubs?

Philipp Demankowski: In geringem Maße. DAVE hat ja schon relativ früh den Förderpreis der Stadt Dresden bekommen, was schon eine Anerkennung ist. Es gibt vereinzelt Signale, dass die Clubkultur wahr- und ernst genommen wird. Clubs bekommen etwa inzwischen teilweise institutionelle Förderung. Ein konzeptionelles Vorgehen vermisst man aber noch.

Das DAVE Festival war auch immer für seine unterschiedlichen und gerne auch extravaganten Locations bekannt. Nun zentralisiert ihr das Geschehen größtenteils ins Zentralwerk. Läuft das nicht möglicherweise dem Festivalcharakter zuwider?

Philipp Demankowski: In den letzten Jahren kam vom Publikum immer wieder der Wunsch auf, das Programm zu entschlacken, damit man Überschneidungen vermeidet. Da hilft die Konzentration auf einen Ort. Auch macht es logistisch vieles einfacher, zumal das Team nicht gerade wächst. Für das Zentralwerk haben wir uns entschieden, weil die Vielfalt an Räumlichkeiten zu vielen von unseren Veranstaltungen passt. Das ist aber auch ein Experiment, und wir halten uns für nächstes Jahr offen, wieder einen anderen Weg zu gehen.

Nachdem die DAVEs der letzten Jahre unter Mottos wie »Synthesize It«! oder »New Realities« liefen, habt ihr dieses Jahr ein selbstreflexives wie manche Gemüter erhitzendes Motto gewählt: »DAVE*«. Damit soll das Thema der Identität als ein niemals vollkommen feststehendes, der fortwährenden Wandlung unterworfenes behandelt werden. Nach eigenen Worten möchtet ihr Raum zur Veränderung bieten. Wie schlägt sich das im Festival nieder?

Philipp Demankowski: Das Motto bezieht sich einerseits auf uns selbst, indem wir uns ständig hinterfragen und neue Formate erfinden oder überarbeiten. Andererseits auch auf die Logik von DAVE als Festival für Clubkultur. DAVE* betont den Begriff der Identität im Sinne einer einzigartigen Persönlichkeitsstruktur, deren Konstruktion in unserer Lebenswelt längst nicht (mehr) nur Alltag von Jugendlichen ist. Identität speist sich aus verschiedenen Quellen, nicht nur aus Geschlecht, Alter etc. Auch Kultur spielt eine wesentliche Rolle.
In der wissenschaftlichen Arbeit ist das Sternchen Symbol für das Fußnotenzeichen. DAVE formuliert seit dem ersten Jahrgang den Anspruch, Wissenstransfer zu leisten. In erster Linie durch Workshops oder Diskussionen, aber auch durch die Vermittlung von Ansprechpartnern bei Netzwerkveranstaltungen wie der DAVE Con.Das Sternchen fungiert aber auch als Platzhalter, etwa für Anonymisierungen. In diesem Sinne kann es auch interpretiert werden in Bezug auf die Situation des Festivals im ständigen Wandel. Und schließlich steht das Sternchen auch als Symbol für die Angabe des Geburtsdatums, was natürlich zum diesjährigen Jubiläum passt.
Vielen Dank!

DAVE* – 10 Jahre Festival für Clubkultur findet vom 6. bis 15. Oktober im Zentralwerk und weiteren Orten statt; mehr Infos, Line-Up & Tickets unter www.dave-festival.de

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