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DRESDNER Interviews / O-ton!
Aus dem Hut gezaubert – Lars P. Krause im Interview
Lars P. Krause im Interview
■ Er gilt als der beste Posterkünstler Deutschlands. Die Liste der Bands, für die der 1970 in Hoyerswerda geborene Dresdner Künstler bereits Poster entworfen und gedruckt hat, liest sich wie das Who's Who der Musikbranche. Lars P. Krause und DRESDNER-Autor Matthias Hufnagl verbindet eine lange Freundschaft, verwurzelt in den Clubs der Stadt. Ein abendliches Gespräch über frühe Werke, Gamechanger und das anstehende Festival Colored Gigs Redux war somit längst überfällig.

Gigposter als Verbindung von Musik und Kunst. War Corona auch für dich eine Vollbremsung?

Lars P. Krause: Absolut. Nichts kam mehr. Totale Stille. Hat man kommuniziert, dann nur darüber, wann es wohl wieder losgehen wird, ob es jemals wieder losgehen wird und wieder so sein wird wie früher. 2020 habe ich ein Poster mit Musikbezug gemacht – für The BossHoss. Auch 2021 ging es nur spärlich wieder los. Ich habe aber keine Däumchen gedreht, sondern Kunst gemacht.

Kurzer Rückblick: Deine erste Siebdruckwerkstatt entstand im Jahr 2000 in den Räumen des AZ Conni im Hechtviertel?

Lars P. Krause: Vorher gab es mit einem guten Freund noch zwei Stationen in Hoyerswerda. Zunächst in einer Druckwerkstatt in der Kulturfabrik und später bei ihm auf dem Dachboden. Letzteres war eher zum Geldverdienen, Kunst wurde immer weniger gemacht. Da war ich schnell wieder weg. In Dresden fand sich über erste Kontakte eine leerstehende und verwahrloste Siebdruckwerkstatt im AZ Conni. Ein paar Freunde haben sich anfixen lassen und gemeinsam haben wir alles wieder flott gemacht.

Haben sich hier Musik und Kunst in Form von Postern erstmals überkreuzt?

Lars P. Krause: Schon früher. Die ersten Sachen liefen auch über Freunde in Hoyerswerda. Bands, die keine Kohle hatten, um ein Poster zu drucken. Damals war Offsetdruck noch extrem teuer, günstige Internetdruckereien gab es nicht. Der Krause mit seiner Siebdruckwerkstatt aber konnte für coole Bands etwas entwerfen. Frühes Zeug: Typo-Experimente. viel Copy-Art, auf den Kopierer gelegt und zusammengeschnippelt. Einen Computer hatte ich nicht, aber grafischen Anspruch. Im Idealfall Poster, die man sich schon damals zu Hause an die Wand hängen wollte.

Heute entwirfst du Motive für so bekannte Bands wie die Foo Fighters, Black Keys oder auch The XX. Hast du ein persönliches Lieblingsmotiv?

Lars P. Krause: Es gibt ein paar, an die ich mich immer wieder gerne erinnere. Gamechanger, wie das Poster für Auftritte der Beatsteaks in der Berliner Columbiahalle.

Der Hase … ?

Lars P. Krause: … der aus dem Hut gezaubert wird. Damit habe ich mich quasi selbst aus dem Hut gezaubert. Das war mein Einstieg. Danach kamen unendlich viele Poster. Berlin, Hamburg, überall. Vorher war das eher regional. Die Bands hier waren zwar auch nicht klein, aber so richtig los ging es mit dem Engagement für die Beatsteaks.

Stichwort: Colored Gigs. Die renommierte Posterschau ist seit 2009 am Start. Bei der diesjährigen Redux–Variante wird, der Situation entsprechend viel ins Digitale investiert. Das neue Muss?

Lars P. Krause: Zwischenzeitlich dachte ich, das Geld fürs Digitale hätten wir uns vielleicht sparen können. In den letzten Wochen, Tagen und Stunden aber bin ich zunehmend glücklicher, dass wir so gut aufgestellt sind. Da steht eine komplette Konstruktion hinter der Veranstaltung. Kopierbar, skalierbar und ab jetzt immer nutzbar. Das Digitale wird für die Zukunft nicht mehr wegzudenken sein - ohne kann man nicht mehr planen.

Das Festival findet diesmal im Medienzentrum Kraftwerk Mitte statt. Warum?

Lars P. Krause: Natürlich hätten wir es auch wieder in der Scheune gemacht, das geht aufgrund der Sanierung gerade nicht. Mit dem Kraftwerk Mitte haben wir jetzt einen unfassbar geilen Spot mit tollem Ambiente und allen Voraussetzungen, um digital und in Präsenz zu planen. Mit Axel Matz und Kristina Richter aus dem Orgateam vor Ort sind zudem zwei absolute Siebdruck-Fans mit an Bord, die sich mit der Materie befassen oder sogar schon selbst drucken.

Mit Grace Helly, Alex Hanke, MUAH!, Drake Rubicon und Dir kommen die Künstler und Künstlerinnen diesmal in geringerer Anzahl und mit Hamburg und Dresden aus lediglich zwei Städten. »Redux« als ein weiteres Zugeständnis an die Pandemie?

Lars P. Krause: Die Idee ist schon älter, war aber nicht einfach umzusetzen. In der Scheune haben wir einen großen Saal bespielt. Der jetzige ist maximal die Hälfte. In den letzten Jahren konnte man sich bei so vielen Künstlern und Künstlerinnen oft gar nicht alles anschauen, ist viel verpufft. Die Überlegung war, mehr zu kuratieren und zu fokussieren. Ein Umlauf von Jahr zu Jahr, wodurch sich die Ausstellungen voneinander unterscheiden. Das ist noch nicht komplett zu Ende gedacht, aber in Zukunft wird es das städteweise und nach Regionen geben, vielleicht auch im Vergleich zu Dresden. Hier das Regionale, da die nationale und weltweite Verbindung. Wir hatten immer viele internationale Gäste. Daran war dieses Jahr natürlich nicht zu denken.

Mit den Albino Brothers und UMFYR sind zwei lokale Bands mit von der Partie. Wie seid ihr auf diese Acts gekommen?

Lars P. Krause: Das sind Freaks, ausgesucht nach den Möglichkeiten, die wir jetzt haben. Junge, frische und inspirierende Musik. In so einem Saal können wir keinen Punkrock rattern lassen, dass die Bilder von den Wänden fallen. Einzelne Mitglieder der Bands kennt man aus anderen Projekten. Allesamt Profis. Da kann man sich echt überraschen lassen.

Die Presseinfo zum Event weist darauf hin, dass Dresden zwar als Kunst- und Kulturstadt bekannt ist, oft aber auf das Barocke reduziert wird. Ist das so?

Lars P. Krause: Zumindest in der Außenwirkung. Die Subkultur in Dresden hat es oft schwer, gegen dieses Schwergewicht der Hochkultur medial standzuhalten. Es ist aber schon lange nicht mehr zu überhören, was junge Leute hier machen, mit welchen frischen Ideen sie in die Welt hinaus agieren und auch international andere Kreative beeinflussen.

Neben Postern, Musik und Workshops wird es einige Panels geben. Was kann man thematisch erwarten?

Lars P. Krause: Es wird Profi-Panels für diejenigen geben, die in der Qualität des Drucks und der Gestaltung das nächste Level erreichen wollen. Ein weiteres Panel erklärt, wieso Künstler wie Gisbert zu Knyphausen überhaupt auf die Idee kommen, sich ein Siebdruck Poster machen zu lassen. Zudem wird es Leute geben, die aufzeigen, wie sich die Musik- mit der Kunstszene über die Jahre immer mehr verwoben hat. Du hast ja selber mal so schön gesagt, dass man eine MP3-Datei nicht umarmen kann. Ein Poster kann man anfassen, sich an einem verregneten Sonntag daran erfreuen.
Vielen Dank für das Gespräch!

Colored Gigs Redux: Kunst-Musik-Festival mit Ausstellung, Workshops und Panels, 3. bis 5. Dezember im Medienkulturzentrum im Kraftwerk Mitte sowie online unter: www.colored-gigs.de

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