Hörgeschichten-Türchen im Advent

Während der pandemiebedingten Schließung möchte das tjg. theater junge generation nicht nur, aber im besonderen im Advent mit seinem Publikum verbunden bleiben. Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Puppenspielerinnen und Puppenspieler des tjg. öffnen dafür per Videogruß jeden Tag ein vorweihnachtliches Türchen, hinter sich dem sich jeweils eine Hörminiatur aus der Geschichtensammlung „Vom Geheimnis des Unscheinbaren“ verbirgt. Mit einer dazugehörigen Stadtkarte lädt auch jede Geschichte über das Hören hinaus dazu ein, einen besonderen Ort in der Stadt zu entdecken und sich gegebenenfalls etwa auf einen gemeinsamen Adventsspaziergang zu begeben.

Die Akteure haben sich in Dresden-Pieschen und Dresden-Johannstadt auf die Suche gemacht nach dem Unscheinbaren und Belanglosen, dem Detail und Überraschenden, dem Vergessenen und Unerklärlichen. Dem Gefundenen haben sie Geschichten entlockt und diese unter der künstlerischen Leitung von Intendantin Felicitas Loewe eingesprochen.
Der Link zum Adventskalender mit Videoclips und Hörgeschichten findet sich ab 1. Dezember unter tjg.dresden sowie auf den Social-Media-Kanälen des Theaters.

Advenster 2021 wieder digital

Advenster, das bedeutet Fenster gucken in der Dresdner Neustadt im Advent, und sich dabei überraschen lassen. Der lebendige Adventskalender wird gefüllt von Neustadtbewohnern, Künstlerinnen und Künstlern sowie Gewerbetreibenden der Äußeren Neustadt. Zum 19. Mal hätten sich in diesem Jahr Neustädter Türen und Fenster für einen kleinen Kulturbeitrag im Advent geöffnet. Das ist jedoch aufgrund der pandemischen Lage nicht möglich. Stattdessen wird der Neustädter Adventskalender zum zweiten Mal online auf der Advenster-Webseite zu erleben sein.

Der Advenster startet am 1. Dezember in der Bibliothek Neustadt und nimmt einen Geschichtenfaden auf, den das Team den Teilnehmerinnen und Teilnehmern angeboten hat, die nicht anderweitig kreativ werden können. Es soll die Geschichte vom Nikolaus auf der Görlitzer Straße weitererzählt werden. Lasst euch überraschen, wie der der Faden durch Neustädter Hausgemeinschaften, kirchliche Institutionen, Vereine und Initiativen bis Heiligabend weitergesponnen wird. Das Jahresmotiv wurde in diesem Jahr übrigens von der Neustädter Illustratorin Henrike Terheyden (Kendike) gestaltet. Ihr Weihnachtsmonster sinnt verträumt auf bessere Zeiten. Eine Sorge bewegt das Advenster-Team, der Verein sucht dringend Nachwuchs und Hilfe.
HK

Trennung und Verlust

»Architecture of Separation«: digitale, interaktive Performance

»Als ich mir während des Lockdowns einige digitale Performances angeschaut habe, habe ich mich als Zuschauerin oft nicht damit verbunden gefühlt. Ich habe dann angefangen, darüber nachzudenken, wie man das interessanter und den Zuschauer mehr zum Teil des Ganzen machen könnte«, erklärt Amy Schönheit, Choreografin und Tänzerin die ursprüngliche Idee hinter »Architecture of Separation«. Emily ShawRuss, ebenfalls Tänzerin und Choreografin, brachte die Idee des voneinander isoliert Seins und das Bild von Containern ins Spiel. So kam eins zum anderen.

Bis zum 31. Dezember ist das Ergebnis im Netz zu erleben. Die Performer Pedro Henrique Ferriera, Kristin Mente, Olimpia Scardi, Emily ShawRuss und Charles Washington agieren dabei zunächst jeder für sich im eigenen kleinen Container-Reich, die zwar offen sind, aber doch getrennt voneinander stehen. Gedreht wurde in einer alten Lagerhalle in Chemnitz.

Architecture of Separation, Foto: Stephan Floss

Die Performance ist unterlegt mit Geschichten von verschiedenen Leuten überall auf der Welt, die von ihren Erfahrungen während des Lockdowns berichten. Die Kostüme und die Ausstattung spiegeln die individuellen Vorstellungen, wie die Personen hinter den erzählten Geschichten tatsächlich leben könnten. »Die Zuschauer können zu Beginn der Performance die Reihenfolge der Stories bestimmen. Außerdem lässt sich über eine 360°-Kamera der Blickwinkel immer wieder verändern. Zusätzlich kann man im zweiten Teil des Stücks zwischen einer Point-of-View- Perspektive und der Vogelperspektive wechseln«, so Schönheit.

Tickets für die Performance kosten 8 Euro. Damit erhält man einen Zugang für 48 Stunden. Wer 10 Euro zahlt, bekommt einen zeitlich unbegrenzten Zugriff auf die Arbeit. Um die technische Abwicklung inklusive Zahlung zu garantieren, werden die Zuschauer gebeten, Tickets spätestens einen Tag im Voraus zu kaufen.
Rico Stehfest

Am 3., 8. und 11. Dezember wird jeweils um 19 Uhr ein Publikumsgespräch via Zoom angeboten. Den Link dazu erhält man beim Kauf eines Tickets: architectureofseparation.com

Open Call für den DIANA Award

Das DIANA Songwriting Camp findet am 17. Februar 2022 in Hellerau statt. Innerhalb eines Tages werden 4 Teams, bestehend aus jeweils 3 Musikern/Produzenten mit ausgesuchter Artificial Intelligence Software (AI) je einen Song schreiben und ein Musikvideo generieren. Im Rahmen der DIANA Award Ceremony am Tag darauf wird das Gewinnerteam ermittelt und mit der DIANA Trophy sowie weiteren Preisen prämiert.

Im Großen Saal des Festspielhauses Hellerau werden während der Award Ceremony nicht nur die Projekte des Songwriting Camp präsentiert, Erlebnisse und Erfahrungen geteilt, sondern auch ein musikalischer Überraschungsgast zu erwarten sein. Hellerau bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern neben der kostenfreien Teilnahme am Songwriting Camp und der Award Ceremony bis zu 4 Übernachtungen in Dresden sowie (pro Teilnehmerin oder Teilnehmer) 2 Tickets für das Bandstand-Festivalkonzert am 19. Februar.

Vorkenntnisse im Umgang mit AI-Tools sind nicht erforderlich. Die ausgewählten Tools sind für Interessierte leicht zu erfassen. Sie dienen der Inspiration und bieten einen außergewöhnlichen Songwriting-Ansatz, der den Produktionsprozess erleichtert und die Kreativität befördert. Die Tools werden rechtzeitig im Vorfeld bekanntgegeben. Zusätzlich wird ein vorbereitendes Live-Tutorial angeboten.

Verleihung des DIANA Awards

Folgende Materialien sind für eine Bewerbung erforderlich:

  1. zwei deiner Songs (via Direktlink oder Download-Link)
  2. ein kurzes, aussagekräftiges Motivationsschreiben, warum du teilnehmen möchtest (max. 500 Zeichen)
  3. eine Bio (Fließtext, max. 500 Zeichen)
  4. optional: Einen Songtext

Eine von Jovanka von Wilsdorf und Ralph Christoph geleitete Jury mit Expertinnen und Experten aus der Musik- und Tech-Branche wählt aus den Bewerbungen aus. Alleinige Auswahlkriterien dabei sind Qualität und Einzigartigkeit der Bewerbungen. Es gibt keine Genrebeschränkung. Vorkenntnisse im Umgang mit AI Software sind nicht erforderlich. Bewerbungen für den DIANA Award werden bis 1. Dezember 2021 angenommen. Bewerbungsformular hier. Rückfragen bitte an: workshop@hellerau.org

Erhellend, sarkastisch, europäisch

Fast Forward Festival setzt weiterhin auf hybrid

Das Festival für junge Regie »Fast Forward« hat sich die Aufgabe gesetzt, den europäischen Theaternachwuchs sichtbar zu machen, ein Podium für Entdeckungen, kulturellen Austausch und grenzüberschreitende Kommunikation zu bieten. Entsprechend wurden auch dieses Jahr Produktionen aus Europa, Belgien, UK und Frankreich bis nach Polen, Türkei, Griechenland und Österreich ausgewählt. Da weiterhin unklar ist, wer wie wohin reisen kann und zudem im letzten Jahr viele Produktionen digital entstanden sind, entschlossen sich die Verantwortlichen, auch dieses Jahr das Festival hybrid zu realisieren. Zudem besteht im Rahmenprogramm die Möglichkeit, sich sowohl analog als auch digital zu begegnen. Die Themen der Inszenierungen, die vom 11. bis 14. November im Kleinen Haus und im Festspielhaus Hellerau auf die Bühne gebracht werden, folgen divers den derzeitigen Trends der Konfliktsetzung: Klimawandel, Rechtspopulismus, Kolonialismus, Ungleichheit in der Gewährung von Privilegien.

Serce (Herz) von / by Wiktor Bagiński & TR Warszawa inspiriert von / inspired by Joseph Conrads HERZ DER FINSTERNIS

So ist im Opener, Wiktor Bagińskis »Serce (Herz)«, dessen eigene Biografie der Ausgangspunkt zur Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Europas und ihren Folgen. Weniger Innenschau, vielmehr Geständnis, Anklage und Gedächtnis der Transformation vom Kommunismus zum Postkommunismus verspricht das Stück »Fuck you, Eu.Ro.Pa« der moldawischen Autorin Nicoleta Esinencu, das ihr den rumänischen dramAcum-Preis und ein Aufführungsverbot in ihrem Heimatland einbrachte. Nadir Sönmezs Stück »ama« hingegen ist ein Konversationsstück über Kunst, Macht, Sex und Rollenspiele in der türkischen Intellektuellen-Szene, in der sich eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern ebenso kritisch wie sarkastisch mit dem eigenen Beruf und dessen Berufung auseinandersetzen. Inspiriert von Flauberts Drama, wie der Heilige Antonius vom Teufel versucht wird, verfolgt Dimitris Lolis eine eigene Interpretation des Stoffes unter dem vielversprechenden Titel »Die Versuchung des Heiligen Antonius – aber mein Name ist Dimitris / Sechs Fragen, die Sie beantworten müssen, wenn Sie ein Heiliger werden möchten«. Aus dem Vereinigten Königreich kommt von Jaz Woodcock-Stewart eine Intervention mit dem Titel »Civilisation«, über die der Theaterkritiker Liam Rees nach der Uraufführung 2019 in Edinburgh schrieb: »Civilisation ist viele Dinge gleichzeitig: Theater, Tanz, Performancekunst, erhellend und rätselhaft, ausgelassen und herzzerreißend«.

Dies sind einige Beispiele aus dem breit aufgestellten Festivalprogramm, das anregende Kurzweil verspricht. Wem dann noch der Sinn nach körperlicher Betätigung steht, hat an drei Tagen die Möglichkeit, bei dem theatralen Spaziergang »Der Verlauf – Ein Landschaftsstück« von und mit Studio Beisel vom 12. bis 14. November einen ganz anderen Blick auf die gewohnte Umgebung zu gewinnen. Dauer: drei Stunden, 12 Kilometer, entsprechende Kleidung, festes Schuhwerk und Verpflegung werden empfohlen. Startpunkt Kleines Haus, jeweils 12 Uhr, Eintritt frei mit der Bitte um Anmeldung unter fastforward@staatsschauspiel-dresden.de

JB

Fast Forward Festival vom 11. bis 14. November im Kleinen Haus und im Festspielhaus Hellerau. Die Aufführungen können entweder offline, online oder im Livestream angesehen werden. Für beide letztere Möglichkeiten gibt es sog. Tagespässe bzw. den Festivalpass online. Mehr Infos dazu: www.fastforw.art. Für Interessierte, die die Aufführungen vor Ort erleben möchten, läuft der reguläre Ticketverkauf über das Staatsschauspiel Dresden. Das Ticket ermöglicht die kostenfreie Nutzung des ÖPNV.

Ein Wochenende lang hoch hinaus

Die 17. Bergsichten verkleinern sich, zeigen aber auch eine neue Facette des Berg- und Outdoor-Festivals

Nicht einmal ein Special-Interest-Festival wie die beliebten »Bergsichten« kann sich von den pandemiebedingten Einschränkungen frei machen. Weil die TU nach monatelangen Vorlesungsausfällen den Lehrbetrieb im Hörsaalzentrum gewährleisten muss, wurde das Berg- und Outdoor-Festival schon im Vorhinein von drei auf zwei Tage eingedampft. Und als die Veranstalter auch nach monatelangem Tüfteln keine Lösung gefunden haben, das Festival coronakonform in seiner bekannten Form durchzuführen, wurden nun weitere radikale Einschnitte gemacht. 1200 Filmminuten Bergfilme und damit der gesamte Filmwettbewerb mitsamt Bergsichten-Kino sind dem Virus zum Opfer gefallen.

Im Bild: Alexander Huber

»Wir sind der Meinung das die nominierten Filme und Beiträge mehr Aufmerksamkeit verdient haben, als es unter den derzeitigen Bedingungen möglich ist«, erklärt Festivalleiter Frank Meutzner und verspricht, dass alle nominierten Filme und Kurzbeiträge deshalb für das 2022 startende 18. Bergsichten-Festival übernommen werden. Doch auch die Workshops und selbst die Outdoormesse wurden im Jahr 2021 gestrichen. Was bleibt jetzt noch übrig, kann man sich als Festivalinteressierter nun fragen. Ein Wochenende vollgepackt mit fünf Live- und Multivisions-Vorträgen sowie ein Imbissangebot und eine Auswahl an Verkaufs- und Infoständen erwarten die Gäste des deutschlandweit bekannten Gipfeltreffens der Alpinfreunde. Qualitativ hat es das überschaubare Programm auf jeden Fall in sich. Der Extrem- und Kreativkletterer Alexander Huber (Foto) beweist etwa in seiner neuen Show »Die steile Welt der Berge«, dass der Alpinismus noch lange nicht tot ist. Außerdem zollt der Buchautor Peter Brunnert mit »Bernd Arnold – Barfuß im Sand« einer sächsische Kletterlegende Tribut und schließlich können sich die Bergsichten-Fans noch auf die erste musikalische Bildershow der Festivalgeschichte freuen. »Klangwelt Berge« heißt das neue Projekt des renommierten Bergfotografen Heinz Zak, dessen faszinierende Naturaufnahmen und Erzählungen live von einer Violinistin, einem Percussion-Künstler und einem Fagottisten untermalt werden.
MK

Die 17. Bergsichten finden am 13. und 14. November im Hörsaalzentrum der TU Dresden statt. Den Programmplan und Tickets gibt es unter bergsichten.de.

Stop It!

17. Move It! Filmfestival für Menschenrechte und Entwicklung vom 4. bis 10. November

Unter dem Titel „Stop It“ geht das Filmfestival für Menschenrechte und Entwicklung in seine 17. Festivalausgabe im Thalia Kino Dresden, Programmkino Ost, dem Zentralkino und der Filmgalerie Phase IV. Das Dresdner Dokumentarfilmfestival, veranstaltet vom Akifra e.V., das im letzten Jahr coronabedingt ausfallen musste, kann in diesem Jahr wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden. Der Programmfokus des Festivals liegt dabei auf internationaler Filmkunst mit politischem Anspruch.

Filmstill Iraqs Lost Generation

Der Film „Stop Filming Us“ aus dem diesjährigen Programm hat das Festivalteam zum diesjährigen Titel inspiriert. Damit wollen die Macherinnen und Macher eine Debatte aufgreifen, die seit vielen Jahren im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit geführt wird. Mehr und mehr Stimmen aus den von westlichen Industrienationen unterstützten Ländern und Regionen, rufen immer dringlicher: „Stop It! Eure Entwicklungshilfe wird zum Teil des Problems, sie hält uns in Abhängigkeiten und lähmt uns.“ Highlights des Festivals sind eine Podiumsdiskussion zum Film „Stop Filming Us“, am 5. November, 20 Uhr, im Zentralkino mit der Jury des Festivals und einem Mitglied der Auswahlkommission des Festivalprogramms.

Diese wird sich mit der Produktion und Rezeption von Dokumentarfilmen beschäftigen. Dabei will sich das Team „kritisch mit der eigenen Perspektivität und intendierter wie unbeabsichtigter Beeinflussung in Dokumentarfilmen auseinandersetzen.“ Es soll nicht nur um eine medienpädagogische Betrachtung im kritischen Umgang mit Filmen gehen, sondern um eine eigene Reflexion von Dokumentarfilmproduktionen hinsichtlich vermittelter Deutungsmuster, der Subjektivität in Schnitt und Drehbuch bis hin zur unbewussten Reproduktion von Vorurteilen, Ressentiments oder gar Diskriminierungen.

Am 6. November findet in der Chemiefabrik ein Festivalkonzert mit den Shampoo Shows Dresden, einer Benefizkonzertreihe für Projekte mit geflüchteten Menschen, statt. Die Spenden dieses Abends kommen dem Verein *sowieso* Frauen für Frauen e.V. zugute. Zum dritten Mal wird am 7. November der „Move It! Young“-Nachwuchswettbewerb durchgeführt. Die Jugendjury präsentiert das diesjährige Programm zum Thema „Träume”. Gezeigt werden Kurzfilme aller Genre, die von Kindern und Jugendlichen bis zu einem Alter von maximal 21 Jahren selbst produziert wurden. Der Nachwuchspreis ist ein Publikumspreis. Seit 2015 verleiht das Filmfestival den “Filmpreis für Menschenrechte und Entwicklung” an einen von der Festivaljury ausgewählten Film, der für seine herausragende filmische Darstellung mit Menschenrechtsbezug geehrt wird.

Zugleich soll das Engagement der Regisseurinnen und Regisseure ausgezeichnet werden. Der mit 5.000 Euro dotierte Filmpreis wird in diesem Jahr von der Sächsischen Staatskanzlei und durch eine Spendenkampagne finanziert. Die Preisverleihung findet am 7. November um 19 Uhr im Zentralkino im Kraftwerk Mitte statt. Im Anschluss wird der Preisträgerfilm gezeigt. Von den insgesamt 29 Filmvorführungen während der Festivalwoche werden 19 in anschließenden Filmdiskussionen Filmemachern, Referenten und Vertretern von NGOs besprochen.
HK

Festivalprogramm unter: moveit-festival.de.

Schlamm, Vulkane, Popcorn – Tonlagen im November

Die 30. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik in Hellerau werden fortgesetzt

Nach der Präsentation zahlreicher Uraufführungen, Symposium und Diskussionen in digitaler Form im April geht es nun vom 2. bis 7. November physisch weiter im Festivalprogramm. So sprechen beim Dienstagssalon am 2. November Sängerin Mariana Sadovska, Komponist Max Andrzejeweski und Kontrabassist James Banner mit Talkmaster Max Rademann über ihr neuestes Outernational-Projekt »Songs of Wounding«, das im Dezember in Berlin uraufgeführt wird. Uraufgeführt in Dresden-Hellerau wird am 4. November »Die Follower von Ø«. Das Werk des norwegischen Komponisten Trond Reinholdtsen beruht auf der Videoserie »Ø«, die eine Mischung aus Science-Fiction, Verismo, kommunistischer Propaganda und Autobiografie darstellt. Daraus entsteht ein »anarchistisches Musiktheater für Solist:innen, Midi-Orchester-Playback, das Decoder Ensemble, Midi-Lichtshow, Schlamm, Vulkane und Popcorn«.

Trickster Orchestra, Foto: Silke Weinsheimer

Am 6. November begibt sich dann die Komponistenklasse Dresden zusammen mit dem Klangkollektiv Opus Eins unter der Moderation von Milko Kersten auf eine »Zeitreise« mit musikalischen Ausflügen per Schiff, Postkutsche und Straßenbahn. In den »Amazon Stories« werden am gleichen Abend herausragende Solisten aus verschiedensten künstlerischen Praxen, von persischer Klassik über performative Stimmkunst zu Zither und Elektronik, zu einer »Community of Practice«, die in einer zerklüfteten Welt nach Möglichkeiten des »Coming together« sucht.

Am 7. November lädt ensemble courage zu einer neuen Ausgabe der Reihe »Komponisten zum Frühstück«. Beim Konzert mit Sonntagsfrühstück erklingen Kompositionen der gebürtigen Ukrainerin Anna Korsun, die sich an der Schnittstelle von Komposition, Performance und Sound Art bewegen. Den Abschluss des Tonlagen-Wochenendes bildet am gleichen Tag das Berliner Trickster Orchestra, das Musiker verschiedenster Musiktraditionen zu einem Sound »transtraditioneller Musik« vereint – mit Einflüssen aus Recherchen in Bangkok, Chiang Mai und Bangalore.

HK

Tonlagen – 30. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik, 2. bis 7. November im Festspielhaus Hellerau; Programm und Tickets: hellerau.org

Yenidze Theater öffnet am 23. Oktober

In Kooperation mit der Indischen Botschaft Berlin und dem Indian Council for Cultural ReIations (ICCR) eröffnet das Theater in der Yenidze am 23. Oktober. Unter dem Leitbild »Tradition trifft Innovation« und »East meets West« trifft dabei klassische Kunst und Kultur des Orients und Okzidents auf experimentelle Kunstformen. Direkt unter der Kuppel, die durch ihre farbenfrohe Stahl-Glas-Konstruktion eine ganz besondere Atmosphäre bietet, wird mit der Produktion „Dimension“ die Spielzeit 2021/22 eröffnet. Zum Programm gehören klassische und zeitgenössische Inszenierungen, Workshops, Vorträge, Bildungsangebote und Ausstellungen.

Das Yenidze Theater Team: Mario Faust, Anne Dietrich, Doreen Seidowski-Faust

Nach indischer Tradition werden wichtige Ereignisse immer über mehrere Wochen gefeiert. Atmadhvani erschaffen dabei erstmalig zusammen mit Medienkünstler Jo Siamon Salich ein Gesamtkunstwerk aus Video, Grafik, Sounds und Performance. Eine spektakuläre Performance aus westlich und östlichen Klängen, Sounds, Sprache, Bewegung, Tanz, Lichtdesign und Medieninstallation.

Zum Hintergrund:

Die drei Künstlerinnen und Künstler Anne Dietrich, Doreen Seidowski-Faust und Mario Faust haben sich 2014 zusammengefunden. Als Atmadhvani und assoziierte Kompanie des Yenidze Theaters verwirklichen sie gemeinsam mit Christian Retzke innovative, kreative und weltoffene Projekte. Die Verschmelzung indischer Mythologien mit klassisch indischen Ragas, Gesängen und Tanz werden mit elektronischen Sounds gepaart.

Spielplan und Tickets unter yenidze-theater.de/spielplan.

Save The Next Dance

Programmzauber beim DAVE Festival

Nachdem das DAVE Festival 2020 coronabedingt nur verkürzt stattfand, wird es im achten Jahr seines Bestehens in Volldistanz, also an zehn Tagen ausgetragen. Aber nicht nur die Länge lässt aufhorchen, es handelt sich beim diesjährigen Angebot auch inhaltlich um einen Kessel Kunterbuntes. Umfasst es doch audiovisuelle Liveshows und Konzerte genauso wie Workshops, Diskussionen, Kino und Theater. Und da das den Veranstaltern noch nicht aufwendig genug schien, führt man auch interdisziplinäre Experimente wie das Backstage-Dinner ein. Dieses findet am 13. Oktober in der extra umgestalteten Chemiefabrik statt. Der dortige Küchenmaestro Mario Forberg zaubert live ein Sieben-Gänge-Menü, welches den hohen Anspruch veganer Deluxe-VoKü und tierproduktfreier Drei-Sterne-Hausmannskost genügen soll. Zu jedem Gang gibt sich jeweils ein Act die Ehre, wobei von Drone bis Drum’n‘Bass nichts versprochen, aber alles zu erwarten ist. Wem das noch nicht Programmzauberei genug ist, der gönne sich den Online-Fernsehsender DAVE-TV, denn hier wird innovative Teilhabe zelebriert. Konkret heißt das, es wir nicht nur ein bloßer Live-Stream von den diversen, jeweiligen Event-Spots geliefert, sondern man unterfüttert das Entertaiment-Format mit diversen Reportagen von Studiobesuchen bei Dresdner Künstlern, „Behind-The-Scenes“-Eindrücken oder Interviews mit lokalen Clubkultur-Akteuren. Das Publikum kann sich per Livechat mit Gleichgesinnten austauschen und aktiv am Sendegeschehen teilnehmen. Im Vordergrund steht natürlich das echte dabei sein.

Neu und für ein Club-Festival fast schon überraschend, startet das Festival auch wirklich in einem Club, dem Sektor Evolution. Dort eröffnet die Wahlberlinerin JakoJako mit einem Mix von Ambient bis Techno, begleitet vom Dresdner Visual-Künstler Dominic Kießling, der erst kürzlich mit seinen riesengroßen Zweig-Bällen in der Dresdner Heide für Aufmerksamkeit sorgte. Danach folgt Panda Lassow, die ihr Live-Debüt zusammen mit den Visual von highpitchedblack gibt. Doch auch da kennt das Opening noch kein Ende, das Opening bleibt eine anhaltende Staffelübergabe an elektronischen, tänzerischen, interdisziplinären, visualisierenden Acts. Ein Kaleidoskop zumeist elektronischer Unterhaltungskunst.

Beim Opening am 8. Oktober am Start: Interdisziplinäres Kunstkollektiv

Doch es geht auch um Austausch und um das Kennenlernen der Szene. Dazu eignet sich zum Beispiel der Label-Markt am 9. Oktober im Sektor Evolution. Dabei handelt es sich um eine Plattform, um Fans und Enthusiasten lokale Musiklabels in ihrer Tonträgervielfalt vorzustellen. Dabei geht es nicht nur um Vinylschallplatten, sondern auch Tapes, Minidiscs und andere Formate kehren aus der Versenkung zurück. Bildung funktioniert nicht nur über Aufnahme, sondern auch über das Tun. So kann man unter dem (verkürzten) Motto: „Wir denken mit unseren Fangarmen, wir tasten mit unseren Saugnäpfen, wir lieben mit unseren Schlauchherzen … “ im objekt klein a in Workshops das Bauen, Tanzen und DJ-Sein lernen oder verbessern. Gestartet wird um 12 Uhr mit einem Sektfrühstück. Ab 20 Uhr darf dann das gelernte Wissen vertanzt werden. Im Thalia Kino kann man sich am 11. Oktober den Musikdokumentarfilm „Sisters with Transistors“ anschauen. Es handelt sich hierbei um die Doku-Geschichte von Pionierinnen der elektronischen Musik, deren Einfluss bis heute spürbar ist, obwohl die meisten Menschen noch nie von ihnen gehört haben. Das Format 8×8 kehrt zurück und findet erstmals in der GrooveStation statt. Hierbei erzählen acht Protagonistinnen und Protagonisten aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Dresdner Clubkultur ihren persönlichen Werdegang. Dazu haben sie genau acht Minuten Zeit, um Fragen zu beantworten.

Das Festival findet sein Ende am 17. Oktober in der Showbox. Der Clou dabei ist, dass dabei Jazzclub Tonne und Showboxx ein gemeinsames Programm zusammen gestellt haben, das alle beglücken soll. Es treten der Berliner Pianist Lambert, der norwegische Saxophonist und Opernsänger Håkon Kornstad, sowie die Dresdner Klavierspielerin Johanna Summer zum gehaltvollen Abschluss auf.

René Seim

DAVE Festival, 8. bis 17. Oktober in diversen Locations; Programm, Tickets, Hygiene-Infos und mehr unter dave-festival.de. Zusätzlich sendet coloradio.org im Festivalzeitraum DAVE Radio Special-Sendungen.