»Diesem Corona werden wir was husten!«

Michael Kuhn, TV- und Bühnen-Autor und Regisseur (Boulevardtheater, Krabat Festspiele) – befragt von Karsten Hoffmann

Michael Kuhn

Wie ist dein Stand der Dinge, wenn der Vorhang zunächst geschlossen bleiben muss?

Ich bin gesund, das ist erst mal die Hauptsache. Ich habe keine Kinder, das erspart mir natürlich das berühmte Homeschooling, was manchmal wohl eher eine Schule der Geduld für die Eltern scheint. Ansonsten mache ich, sofern es geht, Homeoffice, wobei das Schreiben an neuen Stücken für das Theater wie ein Stochern im Nebel ist, ohne dass man weiß, wann und wie es weiter geht. Zuletzt wurden die Krabat Festspiele in Schwarzkollm, deren Autor und Regisseur ich bin, abgesagt, das macht natürlich keine Freude. Auf der Bühne stehe ich seit Mitte März nicht mehr, die ausgefallenen Vorstellungen zähle ich schon gar nicht mehr. Wie ich damit umgehe? Nun ja, da ich gern lache, versuche ich lieber das zu tun, als zu verzweifeln, auch wenn die Situation es einem nicht gerade leicht macht.

Wie hart hat es dich getroffen und was wünscht du dir von der Politik?

Wie gesagt, ich habe keine Kinder zu betreuen, also sind es natürlich die leidigen finanziellen Probleme. Ich gehöre zu den sogenannten Solo-Selbständigen, die momentan aufgrund der Theaterschließungen Null Komma gar keine Einnahmen verzeichnen. Die Corona-Soforthilfe des Bundes dienen leider weniger, wie zunächst kommuniziert, der Erhaltung der Liquidität, sondern sollen Betriebsausgaben ausgleichen. Das hilft sicher einigen in der Not, aber mangels eigenem Büro belaufen sich meine Betriebsausgaben auf ein paar Stifte, Papier und Druckerpatronen. Also von dieser Seite kommt nichts. Von einem Grundeinkommen à la Bayern oder Ba-Wü für Betroffene wie mich, ist in Sachsen leider nichts zu vernehmen. Und so komme ich aktuell mit meinen Ersparnissen für meinen Lebensunterhalt auf. Mal sehen, wie lange das noch so geht, da bleibe ich optimistisch. Allerdings weiß ich, dass es viele Kollegen gibt, die kein Finanzpolster anlegen konnten, denen bleibt nun offenbar nur Hartz4 in der stillen Hoffnung, nicht versehentlich in einer Zugewinngemeinschaft mit der Hauskatze zu leben. Unterm Strich ein demütigender Weg für alle, die energetisch und kreativ ihr Leben bestreiten, niemandem auf der Tasche liegen und all die Jahre genauso viele Steuern bezahlt haben für einen auf Solidarität beruhendem Staat, der sich nun auffällig ruhig verhält – wohl bemerkt, ohne irgendeine Schuld an ihrer derzeitigen Situation zu haben. Mein Wunsch ist es also an die Politiker, die dieser Tage natürlich einen schweren Job haben, sich trotzdem vor Augen zu führen, dass die Kunst- und Veranstaltungswirtschaft für Deutschland ein ebenso wichtiger Faktor wie die Automobilbranche ist, dass Kultur eben nicht verzichtbarer Luxus ist, nicht einfach Vergnügen und Trallalla, sondern schlicht auch ein Wirtschaftszweig, der Hunderttausende von Menschen ernährt und Millionen von Steuergeldern erzeugt.

Was wirst du unternehmen, um die Krise glimpflich zu überstehen?

Ich überlege natürlich gemeinsam mit Kollegen, wie man weiter agieren kann, wie man Theater auch in Zeiten von Mundschutz und Abstand halten eventuell gestalten kann. Das alles könnte die Politik aber sehr unterstützen, indem sie versucht, soweit möglich, konkrete Fahrpläne und Möglichkeiten für eine Zukunft auszuarbeiten, die jenseits der kommenden zwei Wochen liegt.

4. Wie ist Deine Prognose mit dem Blick in die Zukunft?

Ich bin ein Optimist. Ich bin 41, da gab es schon genug Krisen – privat oder weltweit – die man erlebt, durchlebt und auch immer überlebt hat. Klar geht auch diese Krise vorbei und also ist die Perspektive weiterhin gut. Mein persönliches Motto dieser Tage: Diesem Corona werden wir was husten!

»Mir fehlt eine verbindliche zeitliche Perspektive für meine Arbeit«

Katharina Salomo, Verlegerin (Dresdner Buchverlag) und Buchhändlerin (Shakespeares Enkel) – befragt von Kaddi Cutz

Wie wirkt sich die Krise auf deinen Alltag aus?

Von den Aufgaben, die sonst meinen Arbeitsalltag bestimmen, konnte ich in den letzten Wochen leider nur einen Bruchteil erledigen. Die Zeit war eher davon geprägt, für den Verlag eine passende »Marschrichtung« durch die Krise zu finden, verbindliche Voraussetzungen für ein Weiterarbeiten zu schaffen; eher administrative Dinge also. Wobei es jetzt soweit ist, dass ich mich wieder ins produktive Arbeiten stürzen kann. Darauf freue ich mich sehr.

Welche Probleme ergeben sich konkret für das Verlagsgeschäft?

Die Verlagsarbeit ist derzeit auf ein Minimum »eingedampft«. Das hat vor allem finanzielle Gründe. Im Moment ist es für einen kleinen Verlag wie unseren sehr schwierig, die Leserinnen und Leser zu erreichen. Sogar schwieriger noch als vorher. Die Buchhandlungen waren lange geschlossen. Messen, Märkte und Veranstaltungen wie Lesungen oder Buchpräsentationen finden vorerst nicht statt. Neuerscheinungen adäquat zu bewerben und dem Publikum direkt nahezubringen, ist somit fast unmöglich geworden.

Da bei uns im Verlag neue Bücher jedoch durch die aktuellen Verkäufe finanziert werden und wir durch den Wegfall unserer Veranstaltungen, Messen und Märkte bisher kaum bis keine Umsätze generieren konnten und auch auf absehbare Zeit wohl nicht können, mussten wir die Veröffentlichung der für Herbst 2020 geplanten Buchprojekte um ein halbes Jahr verschieben. Ich bin sehr froh, dass die betreffenden Autorinnen und Autoren mit dieser Entscheidung mitgehen. Das ist großartig und hilft uns sehr.

Katharina Salomo, Copyright: Maik Sempf

Die kleinen Verlage sind ja ohnehin in den letzten Jahren durch Probleme mit der VG-Wort und die Insolvenz des großen Zwischenhändlers KNV arg gebeutelt. Nun auch noch Corona: Wie massiv ist die Existenzbedrohung?

Die Branche hat in den letzten Jahren eine Katastrophe nach der anderen erlebt, du sagst es – doch die beiden von dir genannten Beispiele bilden vielleicht erst die Hälfte der ganzen Misere ab. Dazu kommen auch noch gestiegene Portokosten für Büchersendungen und dass ein anderer Zwischenbuchhändler 250.000 Werke vornehmlich aus kleinen, unabhängigen Verlagen aus dem Angebot genommen hat, weshalb viele Buchläden diese nicht mehr unkompliziert bestellen können, obwohl die Titel eigentlich noch lieferbar sind. Viele Kollegen haben daher schon aufgegeben, und die Marktbereinigung wird weitergehen – gerade unter den Kleinen.

Ich weiß, dass es vielen Kolleginnen und Kollegen gerade überhaupt nicht gut geht. Aber sie kämpfen weiter. Wir auch. Unser Verlagskonzept funktioniert, das haben die letzten Jahre gezeigt. Nun hoffe ich, dass wir wieder daran anknüpfen können, sobald das möglich ist.

Was wünschst du dir konkret an solchen, um durch die Krise zu kommen?

Die Pakete, die bisher geschnürt worden sind, sind okay, denke ich. Für die Kürze der Zeit wurde schon viel auf den Weg gebracht. Was noch fehlt, sind rechtssichere Regelungen bzw. Programme, mit denen Selbstständige oder Inhaber eines Kleinstunternehmens nicht nur betriebliche Kosten decken darf, sondern sich auch etwas für den eigenen Lebensunterhalt entnehmen kann. Ich finde, eine Beantragung der Grundsicherung des ALG2 ist in keiner Weise eine Alternative.

Welche neuen Wege bist du gegangen, um deine Arbeit trotz Krise weiterführen zu können?

In den letzten Wochen hat sich ja viel – um nicht zu sagen: fast alles – ins Internet verlagert. So haben auch wir Ideen gesammelt, wie wir dies für unseren Verlag nutzen können.

Wir haben in der Zeit geschlossener Buchhandlungen beispielsweise unser Verlagsangebot um einen persönlichen Lieferdienst erweitert. Die Leserinnen und Leser konnten und können auf unserer Homepage stöbern, anschließend direkt bei uns bestellen – und dann wurden und werden sie ganz bequem von uns mit Lesestoff versorgt. Wenn die Kunden in Dresden und Umgebung wohnen, bringen wir die Bücher sogar persönlich vorbei. Das ist etwas, was wir auf jeden Fall gern beibehalten möchten, denn das Angebot wurde sehr gut angenommen.

Was fehlt dir persönlich (also auch unabhängig vom Geschäftlichen) gerade am meisten oder macht dir am meisten zu schaffen?

Ich bin schon ein recht geselliger und kulturaffiner Mensch, der oft und gerne ins Theater geht, ins Konzert, Lesungen besucht usw. Dass man diese Kulturangebote derzeit nicht nutzen kann, macht mir schon zu schaffen.

Und mir fehlt auf jeden Fall eine richtig verbindliche zeitliche Perspektive für meine Arbeit. Ich bin jemand, der gern viel und lange vorausplant und organisiert. Dies ist natürlich in einer Krisensituation wie der jetzigen nicht möglich. Entscheidungen sind kurzfristig zu treffen, jeden Tag gibt es neue Entwicklungen. Das strengt mich schon etwas an, daran musste ich mich erst gewöhnen.

Was ziehst du vielleicht auch Positives aus der Situation?

Was ich beobachte, ist, dass die Dresdner Literaturszene allgemein derzeit sehr viele wunderbare Dinge auf die Beine stellt. Nicht nur, dass man mit dem »Literaturnetz Dresden« ein gutes Instrument hat, um die Kreativität und das Engagement der Literaturszene in der Stadt auch in diesem Zeiten sichtbar zu machen. Auch die meisten Veranstalter und Veranstaltungsorte haben eigene Angebote gestartet und sind dadurch sichtbarer geworden. Das ist sehr positiv. Und ich hoffe natürlich, dass man sich – so unterschiedlich die literarische Ausrichtung auch manchmal ist – auch nach Corona in der sozusagen »analogen Welt« so gut und solidarisch auf Augenhöhe begegnet, wie es sich jetzt im virtuellen Raum anlässt. Das wäre wirklich schön und eine unbedingte Bereicherung für die Stadt.

»Ich konzentriere mich auf das, was ich als künstlerischer Einzelhändler machen kann«

René Seim, Musik- und Literaturverleger (Windlustverlag, Head Parfume Records), DJ (Wildblumenblues), Autor und Veranstalter – befragt von Karsten Hoffmann

Wie ist deine derzeitige persönliche Situation und wie gehst du mit der Ausnahmesituation um?

Meine Veranstaltungen als Autor, Dj und Veranstalter pausieren momentan. Die Arbeit an den verschiedenen Projekten, wie der Vertrieb der neuen Windlust-Anthologie »Ich Liebe Musik Vol.2«, aber auch die Entwicklung neuer Gedichtbände (etwa mit Matthias Hufnagl und Anne Zückert), Postkarten, Sticker usw. geht weiter. Genauso wie der Verkauf verschiedener Kunstprodukte über meinen Onlineladen generell. Da ich einem Halbtagsjob nachgehe, komme ich momentan zurecht. Ansonsten sortiere ich Liegengebliebenes oder mach mal nutzlos nichts. Von zu viel Langeweile kann ich zum Glück nicht berichten.

René Seim

Welche konkreten und drängendsten Probleme sind für dich entstanden – Hast du Forderungen an die Politik?

Anfänglich fand ich die Maßnahmen der Bundesregierung mit all ihren Beruhigungs- und Sicherungselementen glaubwürdig und sinnvoll, aber wie alle hoffe auch ich, dass niemand nach der Coronakrise mit leeren Händen da stehen muss. Ich wünsche mir, nicht nur von der Politik, dass wir aus der momentanen Situation lernen, dass das Gesundheitswesen deutlich mehr in den Mittelpunkt gerückt werden muss, denn mit der drastisch spürbaren Klimaveränderung wird das nicht die letzte gesellschaftliche Gesundheitsprüfung sein. Das für mich große Problem dieser Krise ist, dass man momentan einfach nicht absehen kann, wann sie beendet ist oder sie wenigstens so »in den Griff« bekommen hat, dass ein einigermaßen öffentliches Leben wieder stattfinden kann.

Welche Unternehmungen hast du angestellt, um die Krise zu überstehen?

Im Groben habe ich mich einfach an die ausgegebenen Regelungen und Vorschläge gehalten. Und: alles weniger, alles langsamer. Und natürlich die Konzentration auf das, was ich als künstlerischer Einzelhändler machen konnte: Verkauf durch Versand. Und ich hatte mal wieder mehr Zeit für die Natur in näherer Umgebung.

»Alles hinschmeißen und notgedrungen etwas machen, was mir keinen Spaß macht, möchte ich jedenfalls nicht«

Karsten Hoffmann, DJ (Digital Kaos) und Veranstalter (Kosmonautentanz) – befragt von René Seim

DJ Digital Kaos

Was macht ein DJ wenn die Clubs geschlossen bleiben müssen?

Dank Corona bin ich tatsächlich zurzeit arbeitslos. Veranstaltungen sind untersagt, die Clubs und Diskotheken geschlossen, Privatfeiern und Hochzeiten im Sommer finden nicht statt, das 10-jährige Jubiläum meiner Veranstaltungsreihe »Kosmonautentanz« sollte als »Space Garden Open Air« in der Blauen Fabrik stattfinden, die ich nun kurzer Hand zum Radio-Streaming-Weekender umstricken musste. Im Homeoffice räume ich vieles vom Tisch, was lange liegen blieb, produziere Musik, pflege meine Radiosendungen und verbringe viel Zeit mit meinem Sohn. Wir halten uns an die Regeln, hoffen, dass der Spuk bald ein Ende hat und ich kann das Ganze gerade wohl wirklich nur aussitzen. Ich höre auf meinen Bauch, und der sagt mir, das ich ab Oktober in Arbeit zurück finde und Menschen beim Tanzen wieder glücklich machen kann.

Wie gravierend ist für dich der Einschnitt, was könnte die Politik für dich tun?

Zunächst waren es natürlich finanzielle Nöte, weil ja so gar nix rein kommt und damit auch existenzielle Ängste verbunden sind, die ich nach diversem Schriftverkehr vorerst abwenden konnte. Fragwürdig ist, welchen Plan die Politik nun für die Gastronomie, Kultureinrichtungen und die vielen Künstler und Mitarbeiter auf längere Sicht bereit hält, die eben von diesem nicht zu verachtenden Zweig leben. Ich wünsche mir mehr Transparenz und vor allem schnelle Lösungsvorschläge, um zum einen finanziell abgesichert zu sein und zum anderen auf eine Zukunft blicken und aufbauen zu können, wo schon bald klar wird, auf welche Auflagen man sich einstellen muss.

Hast du Zuschüsse bekommen?

Für die Soforthilfe war ich nach meinem Arbeitsverhältnis wohl mit dem Antrag zu spät, aber die SAB hat schnell die Absicherung gezahlt, die ich zunächst brauche. Ich hoffe, dass es bis zum Neustart reicht, ansonsten braucht es ab dann definitiv weitere Hilfen, sonst wird wohl so einiges den Bach runter gehen, ewig werden die Clubs in der Krise ja nun auch nicht überleben können.

Hast du einen Plan B und welchen Weg wirst du zunächst einschlagen?

Als Künstler konzentriere ich mich auf Musikproduktionen, fahre Radioshows, räume die Festplatten und das Lager auf – zu tun gibt es immer. In Sachen »täglich Brot« werde ich mich wohl noch breiter als zuvor aufstellen müssen, um diese »saure Gurkenzeit« zu überstehen. Alles hinschmeißen und notgedrungen etwas zu machen, was mir keinen Spaß macht, möchte ich jedenfalls nicht. Deshalb setze ich mich, wo es nur irgend geht, auch für den Erhalt der Kultur ein.

Landesverbände fordern Schutzschirm für freie Kulturszene in Sachsen

In einem offenen Brief wenden sich die elf sächsischen Landeskulturverbände an den Ministerpräsidenten, die Kulturministerin und den Finanzminister. Darin fordern sie die Regierung auf, einen Schutzschirm von 20 Mio. Euro über die freie Kulturszene in Sachsen zu spannen. Das Spektrum der Szene reicht hier von Soziokulturellen Zentren und Kulturhäusern, Künstlerhäusern, freien Theaterensembles und Spielstätten, Kunstvereinen und kleinen Galerien, Kunstschulen, Amateurtheatergruppen, Festivals, Musikerinitiativen, Kunstwerkstätten bis hin zu Kulturvereinen aller Sparten. Die Interessengemeinschaft der Landeskulturverbände (IG) kritisiert, dass bisher keine Hilfsmaßnahmen für diesen Bereich greifen und bislang nur die Musikschulen mit 6 Mio. bedacht würden. In ihrem Offenen Brief verweisen sie darauf, dass die freie Kulturszene einen Großteil der fast 1.000 Kultureinrichtungen und Initiativen in Sachsen ausmacht. „ Jetzt muss auch diesen Vereinen geholfen werden. Sonst verlieren wir eine einmalige kulturelle Landschaft, die vor allem in der Kulturellen Bildung stark ist und den Menschen vor Ort Kulturangebote für jeden Geschmack ermöglicht“, so Anne Pallas, eine der beiden IG Sprecher. Die Einrichtungen hätten ebenfalls hohe Einnahmeverluste erlitten und sind damit existentiell bedroht. Allein in der Soziokultur und den freien Theaterspielstätten belaufen sich die Verluste auf monatlich 1.4 Mio. Euro. „Wir befürchten zudem, dass die Kommunen bei zunehmend knapper Kassenlage zunächst die kommunalen Einrichtungen schützen und die freien Träger darüber leer ausgehen. Es darf nicht sein, dass am Ende die Trägerschaft darüber entscheidet, ob eine Einrichtung überleben wird oder nicht.“ so Helge-Björn Meyer, ebenfalls Sprecher der IG.

Hier der offene Brief im Wortlaut: https://soziokultur-sachsen.de/78-news/news/1108-offener-brief

1:1 Concerts – Staatskapelle direkt

Ein Musiker, ein Zuhörer, mindestens 2 Meter Abstand – Mit kurzen Konzerten schließen sich die Musikerinnen und Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden der Stuttgarter Initiative 1:1 Concerts an. Ab dem 15. Mai 2020 werden an verschiedenen Orten in und um Dresden zehnminütige musikalische Eins-zu-Eins-Begegnungen zwischen Hörern und Musikern stattfinden. Ziel des Projekts ist es, trotz der aktuellen Einschränkungen des Konzertlebens aufgrund der Corona-Pandemie Musikliebhabern ein unmittelbares musikalisches Live-Erlebnis zu bieten. Die teilnehmenden Musiker spielen ohne Honorar, der Eintritt ist frei. Die Konzertbesucher werden aber zu freiwilligen Spenden aufgerufen, die direkt in den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung fließen. Mit den Geldern werden Musikerinnen und Musiker unterstützt, die durch die Corona-bedingte Absage aller Konzerte und Aufführungen ihre Einkünfte verloren haben und existentiell bedroht sind.

Pro Termin wird jeweils nur eine Person zugelassen. Die Teilnahme erfolgt auf eigene Gefahr; alle geltenden Abstands- und Hygienevorgaben werden beachtet. Weitere Termine werden sukzessive veröffentlicht. Ausführliche Informationen zur Vorbereitung finden sich  hier.  Die Erfahrungen können unter #1to1concerts in den sozialen Medien geteilt werden. 

Als Veranstalter treten u. a. der Kunstraum Pillnitz, die Weinbergkirche Dresden-Pillnitz, die Friedenskirche in Bühlau, das Café Oswaldz in der Dresdner Neustadt und die Galerie Ines Schulz auf. Terminanfragen und alle Orte hier: http://www.staatskapelle-dresden.de/konzerte/1to1concerts/

Livestream ab 16. Mai aus dem Beatpol

Alternativ zur aktuellen Veranstaltungsflaute startet der Beatpol am 16. Mai via Twitch.tv und auf seiner Facebook-Seite ein erstes Konzert als Live-Stream. Geplant sind vorerst 1 bis 2 Shows in dieser Form pro Monat, um relevante Künstler und Publikum zusammenzubringen. Zum Auftakt ist der Münchner Pianist und Komponisten Florian Christl (Foto) zu erleben. Dessen mal sanftes, mal kraftvolles, stets gefühlvolles Spiel lässt selbst in einem leeren Konzertsaal berückende Impressionen entstehen.

Aufgrund der aktuell wegfallenden Ticketeinnahmen, sind Spenden willkommen, um Künstler und Personal entsprechend zu entlohnen und die Produktionskosten begleichen zu können. Jeder gespendete Euro wird ausschließlich für die Beatpol-Livestream–Konzerte eingesetzt.

Spenden könnt ihr hier: http://www.paypal.me/LivestreamBeatpol
sowie per Banküberweisung: IBAN: DE93 8505 0300 3120 2351 63 Verwendungszweck: Spende Beatpol Livestream.

Music Never Sleeps

Dresdner Musikfestspiele laden am 16. Mai zum 24-Stunden-Livestream-Festival ein

Die Dresdner Musikfestspiele machen in diesem Jahr das Internet zum Konzertsaal. Intendant Jan Vogler (Foto: Marco Grob) lädt das Publikum in Dresden und der ganzen Welt am 16. Mai, ab 18 Uhr unter dem Motto »Music Never Sleeps DMF« zu einem 24-Stunden-Livestream-Festival ein.  
Das Online-Festival wird in Kooperation mit Jan Voglers Initiative »Music Never Sleeps NYC« präsentiert, die im März international für Furore sorgte und von der Süddeutschen Zeitung als »… das bislang beeindruckendste unter den vielen Überlebenszeichen, die die Klassik in den Zeiten der Konzertsaalschließungen zu geben versucht«, bezeichnet wurde.  

Bei der Dresdner Ausgabe bringen rund 50 Künstler des aktuellen Jahrgangs zusammen mit Künstlern, die den Dresdner Musikfestspielen seit Jahren schon eng verbunden sind, Festivalatmosphäre in die Wohnzimmer der Zuschauer. Musiker wie Fabio Luisi, Jamie Cullum, Pape Diouf, Aoife O’Donovan, Omer Meir Wellber, Nils Landgren, Simone Kermes, Francesco Tristano, Valer Sabadus, Avi Avital, James Ehnes, Mischa Maisky, Martin Stadtfeld, José Cura und Gil Shaham streamen dabei kurze Programme aus ihren eigenen Wohn- und Proberäumen überall auf der Welt. Auch das Dresdner Festspielorchester unter der Leitung von Ivor Bolton, das Orchester des Mariinsky Theaters unter Valery Gergiev melden sich mit Programmen aus dem vergangenen Jahr im Stream zu Wort. Als Co-Moderatorin steht Jan Vogler die Sängerin Ute Lemper zur Seite.

Der Stream wird auf der Webseite, über den Youtube- und den Facebook-Kanal der Dresdner Musikfestspiele sowie über die Kanäle von »Music Never Sleeps NYC« ausgestrahlt. Aktuelle Informationen zum Programm gibt es unter dem Hashtag #musicneversleepsDMF sowie auf der Webseite der Musikfestspiele.

Corona-Lockerungen in Sachsen ab 4. Mai

Am 30. April haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder darüber beraten, wie sie in der Corona-Krise weiter vorgehen. Danach hat das sächsische Kabinett in Dresden bevorstehende Lockerungen für Sachsen beschlossen. Der MDR Sachsen hat die wichtigsten Änderungen übersichtlich dargestellt. Demnach dürfen Friseure und Kosmetiker ab 4. Mai unter strengen Hygiene-Regeln ebenso wieder öffnen wie Geschäfte bis 800 qm in Shoppingcentern sowie Spielplätze. Museen und Bibliotheken, Botanische Gärten und Zoos können unter strengen Auflagen wieder öffnen, bei Versammlungen sind bis zu 50 Personen erlaubt, in geschlossenen Räumen sind, abhängig von der Raumgröße, Veranstaltungen mit bis zu 30 Besuchern erlaubt.

Am 6. Mai will die Runde der Regierungschefs wieder diskutieren, was auf dem Themenplan steht. Etwa die Öffnung und ein eventueller Normalbetrieb von Kindertagesstätten und Schulen. Eine Öffnung weiterer Branchen wie Gastronomie und Tourismus soll erst in der darauffolgenden Beratung Mitte Mai diskutiert werden. 

Hier und Jetzt

Staatliche Kunstsammlungen zeigen in Kooperation mit der HfBK junge Kunst in digitaler Outdoor-Ausstellung

Auf Initiative der „Artist’s Advocat“-Stipendiatin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Lisa Maria Baier, und in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) präsentieren beide Institutionen vom 30. April bis 11. Juni 2020 die Outdoor-Aktion „Hier und Jetzt“. Auf fünf digitalen Stelen, die sich rund ums Residenzschloss und dem Gebäude der Kunsthochschule befinden, werden im Wechsel Arbeiten von 23 Dresdner Künstlerinnen und Künstler auf Bildschirmen präsentiert. Über einen QR-Code, der über das Smartphone eingescannt werden kann, erfahren Interessierte Zusatzinformationen über die an der Ausstellung beteiligten Künstlerinnen und Künstler. #hierundjetzt

Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sind:
ARTOURETTE, Grit Aulitzky, Lisa Maria Baier, Gyde Becker, Dana Berg, Elise Beutner, Felix Ermacora, Deborah Geppert, Wiebke Herrmann, Tilman Hornig, Claudia Kleiner (im Bild: Webung 20.11, 2020), Ullrich Klose, Jan Kunze, Ludwig Kupfer, Moritz Liebig, Stephanie Lüning, Ruben Müller, Josef Panda, Polizeiklasse Dresden, Christian Rätsch, Daniel Rode, Anton Schön, Josefine Schulz. Mehr Informationen.