Welt-Offen Gedenken

Plakataktion Dresdner Kunst- und Kulturinstitutionen rund um den 13. Februar

Aus Anlass des Gedenkens an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg lädt #WOD – Weltoffenes Dresden vom 9. bis 20. Februar zu einer großen gemeinsamen Plakataktion im öffentlichen Raum und verschiedenen weiteren Formaten der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Ereignissen des 13. Februar 1945 ein. Die Sächsische Ministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch, die Dresdner Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch und Vertreterinnen und Vertreter der 19 beteiligten Kulturinstitutionen begleiteten die Eröffnung.

Auch TanzNetzDresden, Klubnetz Dresden und der Dresdner Illustrator und Grafiker Lars P. Krause beteiligen sich an der Plakataktion, Copyright Foto: Stephan Böhlig

19 Kulturinstitutionen präsentieren mit einer Plakatkunst-Aktion an 10 zentralen Orten im Stadtraum (Altmarkt, Neumarkt, Theaterplatz, Postplatz, Schlesischer Platz, Prager Str., Schlossstraße, Jorge-Gomondai-Platz, Terrassenufer) sowie in Radebeul (Landesbühnen Sachsen) individuell ausgewählte, großformatige Bildmotive mit zum Teil eigens für die Aktion von Künstlerinnen und Künstlern entworfenen Werken, mit Fotografien und mit Zitaten, die zum Innehalten und Nachdenken auffordern. Die Plakatkunst-Aktion wird durch das Zentrum für internationale Kulturelle Bildung des Goethe-Instituts Dresden und die Landeshauptstadt Dresden unterstützt.
HK

Drinnen & Draußen

Ein neuer Raum zur freien Gestaltung in nächster Nähe zum Alaunpark

Anne Schmutzler ist zuvorderst als Sängerin und Kinderbuchautorin Enna Miau bekannt. Doch in der Zeit, in der coronabedingt die künstlerischen Flügel eher gestutzt als ausgefahren werden, entwickelten sich bei der Dresdner Künstlerin gleich eine Handvoll neuer Talente: »Als Sängerin kann man ja im Moment eher mit Merchandise als mit Auftritten Geld verdienen«, sagt sie mehr heiter denn bitter, als sie am Abend ihrer ersten Ausstellungseröffnung – »Kunst und Blüten« von Ulrike Woschni – selbst entworfenen Schmuck auf dem Tisch in ihrem neu eröffneten Laden zurechtrückt. Die vielseitig talentierte Künstlerin wächst nun auch gleich noch in gänzlich neue Geschäftsfelder hinein. Denn durch die gemeinsame Ladeneröffnung mit ihrem Mann, dem Film- und Musikproduzenten Ludwig Schmutzler, ist sie nun auch Galeristin, Ladenbetreiberin und Vermieterin.

Ulrike Woschni und Enna Miau (Foto: René Seim)

So kann man im »Drinnen & Draußen«, das sich gleich neben dem Restaurant Maharadscha befindet, und bis zum Einzug der Familie Schmutzler auch als Lager für das Restaurant fungierte, nicht nur Kunst erwerben. Der Raum kann auch für kleinere Feste und Seminare angemietet werden. Inspiriert von der eigenen Erfahrung als Teilnehmerin eines musikalischen Babykurses, gibt sie, so wie es Corona natürlich zulässt, eigene musikalische Babykurse. »Es können sich aber auch Interessierte melden, die hier bei uns selber Kurse geben wollen. Auch Bewerbungen für zukünftige Ausstellungen nehmen wir gerne an. Sie sollten nur nicht zu düster sein, wir wollen den Raum ja auch für Kindergeburtstage vermieten.«

Die Ausstellung »Kunst aus Blüten« zeigt ebensolche Werke von Ulrike Woschni. Die Künstlerin aus Dresden, die seit 2019 jeden Dienstag über coloRadio mit ihrer Sendung »Abendschule« zur thematisch diversen Weiterbildung anstiftet, gab zur Ladenöffnung ihr Ausstellungsdebüt. Zu sehen gibt es geduldig arrangierte Werke, denen gemeinsam ist, dass sie allesamt mit getrockneten Blüten- und Pflanzenteilen gestaltet worden sind. Wer jetzt allerdings natur-naives Easy Watching erwartet, wird überrascht, denn durch die grafische Verbindung ornamentaler Hintergründe (in den Reihen »Blumen« und »Vögel«), die mittels digitaler Fotokopie entstehen und den malerischen Aquarellbuntstiftzeichnungen, mit denen die Blüten- und Pflanzenarrangements erst zum Gesamtkunstwerk werden, blättert sich eine rätselhafte, zwischen Kühle und Wärme balancierende Ästhetik auf, die an einen Retro-Futurismus denken lässt, wie man ihn auch vom Steampunk her kennt. Die Bilder sind oft rätselhaft, skurril, surreal und traumwandlerisch, aber verstören nicht und tragen häufig Wärme in sich. Manch Pflanzenkundler wird wohl sofort wissen, wie der Großteil der Bilder heißt, aber nicht jedes Bild gibt seinen Namen auf dem Tablett preis. Was mit dem Basteln für die eigenen Kinder und Familienmitglieder begann, entwickelte sich zu Kalendern, die ebenfalls Blütenkunstmotive enthalten und stets das Motto tragen: »Wie kann ich bildnerisch ein Wort wiedergeben?«

Wer also gerne um die Ecke denkt (und schaut) und sich auch für schöne Grafiken interessiert, der sollte einen Abstecher in den neuen, breit aufgestellten Laden am Alaunpark wagen.
René Seim

Drinnen & Draußen, Kamenzer Str. 62, Mo-Fr 10-12.30 Uhr und 13.30-16.30 Uhr, die Ausstellung »Kunst und Blüten« ist noch bis Ende März zu sehen; mehr unter: drinnen-draussen-dresden.de bzw. ulrike-woschni.com

Kunstfreiheit versus Auftragskunst

Lisa Maria Baier gibt im Streit um ihr Kunstwerk „Kulisse“ nicht auf

Lisa Maria Baier, freischaffende Künstlerin aus Dresden, befindet sich seit Sommer 2021 im Rechtsstreit um ihr Kunstwerk – die für die Görlitzer Art geschaffene Installation „Kulisse“. Die Stadt hat den Entwurf prämiert, lehnte das fertige Kunstwerk mit dem Plädoyer „Abortion without Boarders / aborcja bez granic“ und „Womensrights / Prava Kobiet“ für das Recht auf Abtreibung aber ab. Laut der Stadt Görlitz widerspricht ihr Kunstwerk dem von der Jury ausgewählten Konzept. Prämiert worden sei eine Arbeit zum Thema Filmstadt. Baier, gebürtige Görlitzerin und Alumni-Meisterschülerin der HfBK Dresden, wehrte sich auch juristisch gegen die Kündigung des Vertrages und den angedrohten Abbau. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen wies ihre Beschwerde jedoch zurück. „Die Kündigung des Vertrages durch die Stadt“ sei „auch unter Berücksichtigung der Kunstfreiheit wirksam, der ausgeführte entspreche nicht dem prämierten Beitrag, befanden die Richter.“ – dpa berichtet am 28. September darüber.  

Abbau der „Kulisse“ in Görlitz; Copyright: Lisa Maria Baier

Lisa Maria Baier versteht dies als Zensur. „Das Ansprechen von Frauen*rechten in Verbindung mit einer Filmstadt an der Grenze zu Polen führten zur Zensur meines Werkes.“, vermutet sie. Kunst im öffentlichen Raum müsse nicht gefallen, aber zur Auseinandersetzung anregen. Unterstützung bekam die Künstlerin u. a. von der Leiterin des Kunsthaus Dresden, Christiane Mennicke-Schwarz. Diese hält die Entscheidung der Stadt Görlitz für das falsche Signal. Baiers „Kulisse“ wurde inzwischen abgeholt und ins Depot nach Dresden verbracht. Nun soll die Künstlerin, die es bislang schaffte, die Gerichts- und Anwaltskosten selbst zu stemmen, noch 9.000 € für den Abtransport des Kunstwerks an die Stadt Görlitz zahlen. Um das Geld aufbringen zu können, hat sie eine Spendenkampagne gestartet. Auf der Webseite rekapituliert die Künstlerin noch einmal das Geschehen und erklärt die Intention ihrer Installation „Kulisse“. Wer Lisa Maria Baier unterstützen möchte, kann dies hier gerne tun.
HK

Bilder und Erinnerungen aus 70 Jahren Scheune gesucht

Im Dezember wird die Scheune 70 Jahre alt. Das ist ein Grund zum Feiern. Das Team des Neustädter Kulturzentrums hat zwar aufgrund der anstehenden Sanierung derzeit kein Haus und wegen Corona keine Veranstaltungen, aber das ist kein Grund Trübsal zu blasen. Die Scheune ruft dazu auf, Bilder und Erinnerungen aus 70 Jahren Scheune zu
schicken. „Wir hoffen, in den nächsten Wochen zahlreiche Zuschriften an info@scheune.org zu bekommen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Beiträge auch direkt in unsere Facebook-Gruppe scheune Dresden – History zu posten“, heißt es in der Pressemitteilung.

Scheune Blechschloss und Teststation


Im Rahmen des Jubiläums wird außerdem ein Film veröffentlicht, der während des
großen Scheune-Abriss im September entstanden ist. Die Filmemacher David
Campesino und Maks Pallas haben während der letzten Veranstaltung im alten Gebäude
zahlreiche Eindrücke gesammelt und Interviews geführt. Javier Sobremazas hat den
Schnitt übernommen. Der Film wird vermutlich punktgenau zum Scheune-Geburtstag am
21. Dezember 2021 vorgestellt. Auf dem Gelände steht übrigens auch wieder eine Corona-Teststation von „Corona Freepass“. Öffnungszeiten und weitere Informationen hier.

Quasi-Lockdown für Clubs

Trotz 2G und Testungen müssen die meisten Veranstaltungen mit Einführung der neuen Corona-Schutzverordnung und der seit 5. November erreichten Vorwarnstufe entfallen – Was heißt das für diese Kulturstätten? Ein Lagebericht.

Es hat sich schon wieder ausgetanzt in Sachsens Clubs und in den Konzerthäusern. Sobald laut der aktuellen Sächsischen Corona-Schutzverordnung vom 5. November die Vorwarnstufe oder die Überlastungsstufe erreicht ist, was seit 18. November in Dresden der Fall war, entfällt das bis dahin vorhandene 2G-Optionsmodell, das „keine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, zur Kontakterfassung und zur Einhaltung des Abstandsgebotes sowie keine Beschränkung hinsichtlich der Auslastung der Höchstkapazität“ vorsieht, wenn nur Genesene oder Geimpfte Zutritt zur Veranstaltung haben. Für Tanz- und Stehkonzerte sind diese Auflagen nicht realisierbar, da dort keine Abstände eingehalten werden können und die geringe Raumkapazität und die Begrenzung der Auslastungskapazität einen Betrieb unmöglich gestaltet. Der für eine Veranstaltung nötige Personal- und Kostenaufwand bei einer solchen Veranstaltung steht in keiner Relation zu den geringer erwirtschafteten Einnahmen gegenüber einer vollen Auslastung, der sich durch die geringere Besucherzahl und bei gleichbleibenden Preisen zwangsläufig ergibt. Die sowieso schon hart betroffene Veranstaltungsbranche, die seit Anfang der Pandemie von Schließungen betroffen ist, muss nun schon wieder in die Zwangspause – nur dieses Mal nicht unter dem Begriff Lockdown, sondern wegen praktisch nicht umsetzbarer Maßnahmen.

Es hat sich ausgetanzt in Sachsens Clubs.

Soweit die Lage, die sich für die betroffenen ausrichtenden Spielstätten ergibt. Weil eben solche Auflagen nicht mit der Realität vereinbar sind, wurden während der Öffnung in den letzten Monaten andere alternative Maßnahmen von den Clubbetreibenden überlegt und umgesetzt. Überblickt man diese Konzepte wird ersichtlich, dass diese mindestens den geforderten Auflagen entsprachen, vielerorts wurden zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen, die über die geforderten Regelungen hinaus gingen. In Dresden haben der Club Gisela und das objekt klein a beispielsweise schon frühzeitig die 2G-Regel umgesetzt, vor vielen Veranstaltungen wurden in Eigeninitiative Schnelltestungen organisiert, Kontakterfassungen wurden bei Eintritt aufgenommen. Diese Vorgehen lassen erkennen, dass eine Verantwortlichkeit von Veranstaltenden gegenüber dem Schutz von Gästen vorhanden gewesen war und immer noch ist, solch ein Schutz muss aber anders stattfinden als in der aktuellen Corona-Schutzverordnung auferlegt.

Die Live Initiative Sachsen (LiSA) prangert diese Einschränkungen an und will der „gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und alles tun, um kollektiven Musikgenuss, exzessives Tanzen und das so lange erschütterte Grundbedürfnis nach Zerstreuung und außeralltäglichen Begegnungen in verantwortungsvollem Rahmen möglich zu machen.“ Sie fordert Maßnahmen, die keine Schließung erfordern. Eine davon wäre neben 2G der zusätzliche Nachweis eines tagesaktuellen Schnelltests, also 2G+.

Mit der unfreiwilligen Schließung der betroffenen Räume, die durch die finanziellen Ausfälle wieder um ihre Existenz fürchten und Personal kündigen müssen, gehen zudem noch andere Konsequenzen einher, die das Pandemiegeschehen auf lange Sicht nicht eindämmen. So wird laut LiSA die Feierkultur weg von öffentlichen Plätzen mit bestehenden und kontrollierten Schutzmaßnahmen hin zu illegalen Party-ähnlichen Privattreffen ohne jegliche Einschränkungen verlagert und Impfanreize entfallen für vor allem junge Leute. Die Grundlage eines zugrundeliegenden Hygienekonzeptes und den daraus folgenden Einlasskontrollen kann natürlich nie eine komplette Sicherheit vor Ansteckung garantieren, es stellt aber die beste und ausgewogendste Organisation für den Erhalt von Zusammentreffen in der Pandemie dar.

Da genau solche öffentlichen Räume des Aufeinandertreffens nicht öffnen können, fallen zudem andere soziale Komponenten weg, denn damit werden wieder einmal der jungen Bevölkerung Orte für Begegnungen genommen. Genau diese Komponente betont auch Julia Voigt vom Kulturbündnis „Hand in Hand“ aus Chemnitz auf der Pressekonferenz: „In einem Land wie Sachsen, wo Kultur oft der letzte Halm ist Menschen zueinander zu bringen, einen Dialog zu fördern, Schutzräume anzubieten, Demokratie-bildende Prozesse loszutreten – in so einem Land hätte ich mir ein bisschen Weitsicht gewünscht.“ Deshalb steht die beschlossene Schutzverordnung wieder einmal exemplarisch für die sächsische politische Handhabe gegenüber den Umgang mit gesamtgesellschaftlichen Themen: Probleme kurzsichtig lösen, ohne nachhaltige Effekte und die Akteure mit einzubeziehen.

Jenny Mehlhorn

Die Petition: Zweiten Lockdown sächsischer Clubs und Livemusikspielstätten stoppen! kann hier unterzeichnet werden.
Update vom 22. November: Der „harte Wellenbrecher“ tritt mit der neuen Notfallverordnung in Sachsen in Kraft. Das heißt konkret: Sämtliche Kultureinrichtungen müssen bis einschließlich 12. Dezember schließen. Veranstaltungen finden nicht statt. Der Lockdown ist Realität.

Großes Stelldichein für eine Kultur jenseits aller Grenzen

13. KulturInvest!-Kongress vom 10. bis 12. November im Kraftwerk Mitte

Kraftwerk Mitte

Grenzenlos! Welch’ magisches Wort in Zeiten, in denen die Grenzen der persönlichen Freiheit ziemlich nahe gerückt sind. Doch dies ist nicht das Thema des Kultur-Invest!-Kongresses. Dort sollen sich im Kraftwerk Mitte Kuratoren, Hochschullehrer, Vertreter von Stiftungen, kulturellen Einrichtungen und Unternehmen mit den Themen »Transnationalismus, Transformation und Glokalisierung« auseinandersetzen. Sie diskutieren, ob die Idee des Transnationalen eine Alternative zum Kosmopolitismus sein könne, welche Chancen und Risiken damit verbunden wären und wie man mit der Besinnung auf lokale Themen globalen Herausforderungen begegnen könnte. Damit will der 13. KulturInvest!-Kongress, der erstmalig in Dresden stattfindet, einen Beitrag zur Entwicklung von Innovationen und Investitionen im globalen und lokalen Kulturmarkt für eine Gesellschaft leisten, die über Grenzen hinaus blickt und in der der interkulturelle Diskurs zum Alltag wird.

In drei Hauptforen und 18 Parallelforen werden die aktuellen Trends im europäischen Kulturmarkt aufgezeigt und Entwicklungsperspektiven des grenzüberschreitenden Zusammenwirkens von Kultur und Wirtschaft sowie Öffentlicher Hand und Medien und der digitalen Revolution reflektiert. Dabei diskutieren Fachleute untereinander und mit dem Publikum über Transnationalismus und seine Bedeutung für Kultur und Wirtschaft, für Lokalität und Globalität sowie neue, innovative und zukunftsweisende Lösungen. Auf dem Programm stehen unter anderem Diskussionsrunden zu Bürgerbeteiligungen und transnationalen Kulturprojekten sowie Fachvorträge zu Kulturfinanzierung und kulturellem Erbe.

Aber natürlich wird es auf Europas größtem Kulturkongress, veranstaltet von der Agentur Causales und deren Mastermind Hans-Conrad Walter, viele Möglichkeiten des Gespräches und Austausches zwischen Kulturveranstaltern und Kulturförderern aus Politik und Wirtschaft geben. So beispielsweise beim Grand Opening im Albertinum oder auch bei der Preisverleihung des 16. Europäischen Kulturmarken-Awards, bei dem auch die Dresdner Sinfoniker gesetzt sind.
JB

Weitere Informationen zu Causales und dem 13. KulturInvest! – Kongress vom 10. bis 12. November 2021 und dem Kulturmarken-Award unter: kulturmarken.de sowie cultural-brands.com

Update: 8. November: Der KulturInvest!-Kongress in Dresden ist abgesagt, teilten die Veranstalter mit. „Aufgrund der sehr angespannten Inzidenzlage in Sachsen hat die Staatsregierung am 5. November 2021 eine neue Corona-Schutzverordnung beschlossen, die zur heutigen Absage des KulturInvest!-Kongresses mit der Preisverleihung der Europäischen Kulturmarken-Awards vom 10. bis 12. November 2021 geführt hat. Die Veranstaltung wird voraussichtlich auf den November 2022 unter demselben Leitmotiv „#transnational – Solutions for a culture beyond“ verschoben. Die gebuchten Tickets können 2022 für eine Teilnahme genutzt werden. Die Verleihung der Europäischen Kulturmarken-Awards 2021 an die Preisträger*innen erfolgt noch in diesem Jahr medienwirksam innerhalb individueller Formate. www.kulturmarken.de“

Ein Tribute-Album mit den größten Hits

Dresden hat keine Banksy-Ausstellung

2006 organisierte Banksy eine Ausstellung in Los Angeles, bei der Angelina Jolie ein kleines Vermögen für drei Werke bezahlte und die sein Schicksal als berühmtester Straßenkünstler der Welt besiegelte. Eigentlich waren es aber die Stunts, die ihn berühmt machten. Der Einbruch in den Zoo von Barcelona, die Veröffentlichung seiner eigenen Version der CD von Paris Hilton, das Aufstellen eines aufblasbaren Guantanamo-Gefangenen in Disneyland, die Aufschrift »Mind the crap« auf den Stufen der Tate Gallery und das Eindringen in mehrere große Museen, um seine eigenen Werke aufzuhängen, sorgten für Aufmerksamkeit in den Medien. Er machte aus der Straßenkunst eine Art Performance-Kunst und ahmte die Arbeitsweise der großen Marken nach, um etablierte Werte anzugreifen.

Ein Blick in die Ausstellung; Copyright: Dominik Gruss

Die Ausstellungen, die Banksy produziert, haben nie die Form einer »traditionellen« Kunstausstellung. Sie dauern in der Regel nur ein paar Tage und – wichtiger Punkt – sind kostenlos. Dresden hat also keine Banksy-Ausstellung. Das, was in der Zeitenströmung zu besichtigen ist, sind Reproduktionen seiner Graffitis, Stencils, Drucke, Skulpturen und Installationen. Der Anspruch der Ausstellungsmacher ist es, »einen umfassenden Überblick und Einblick in das Gesamtwerk« zu geben. Die Firma »Cofo Entertainment«, die sonst auf Musicalbiografien spezialisiert ist (»Falco – Das Musical«, »Die Udo Jürgens Story«), hat in erprobter Manier also ein Tribute-Album mit den größten Banksy-Hits zusammengestellt: Mit dabei sind der »Flower Thrower«, das »Balloon Girl« und das »Devolved Parliament«. Es gibt einen Nachbau der Eingangshalle des Walled Off Hotels in Bethlehem und einen U-Bahn-Waggon mit Corona-Graffitis: ein großes Kuriositätenkabinett mit handwerklich gut gemachten Kopien.

Nicht autorisierte Ausstellungen mit seinen Bildern sind rund um den Globus zu finden. Man kokettiert mit dem Zitat »Copyright is for losers« und macht sich die Gesetzgebung im Bild- und Medienrecht zunutze, wonach illegal in den öffentlichen Raum eingebrachte Kunst keinen Eigentumsrechten unterliegt. Der Künstler selbst sagt dazu: »There has been a recent spate of Banksy exhibitions none of which are consensual. Please treat them accordingly.«

So fragwürdig das Geschäftsmodell auch ist, die größere Frage ist: Was bietet die Ausstellung tatsächlich? Banksys Werke haben viel schwarzen politischen Humor und satirischen Witz; sie sind Reaktionen auf aktuelle gesellschaftliche und politische Themen. Ohne diesen Kontext können sie nicht gelesen werden, und hier ist auch der Punkt, die Ausstellung zu kritisieren. Fotografien der Werke sind alle im Internet zu finden. Wofür sollen Besucher den happigen Eintrittspreis bezahlen, wenn nur wenig kuratorische Mühe aufgewendet wurde? Die Bilder und Objekte sind zwar mehr oder weniger thematisch geordnet, doch die Erläuterungen zu den Zusammenhängen und Hintergründen fallen sehr mager aus.

Es ist ein heikles Unterfangen, Werke, die eigentlich auf die Straße gehören, in eine Galerie zu holen. Die klugen Beobachtungen, Witze und Unverschämtheiten, die im Einzelnen überraschen und schockieren können, summieren sich nicht zu einem noch größeren Erlebnis. Im Gegenteil: Die Energie, die von einem einzelnen Werk ausgeht, verschwindet. Zusammengenommen wird alles ein bisschen monoton und belanglos.

Annett Groh

The Mystery of Banksy ist bis 9. Januar 2022 in der Zeitenströmung (Königsbrücker Str. 96) zu sehen.

Finallesung der DRESDNER Miniaturen

Am 18. Juli entscheidet sich live im riesa efau, wer den Preis gewinnt

Der Sommer kommt und endlich gibt es wieder Literaturveranstaltungen – juhu! Nach der langen Dürre freue ich mich besonders, in diesem Jahr erstmalig eine sehr schöne Veranstaltung moderieren zu dürfen: Das Finale des Literaturwettbewerbs »DRESDNER Miniaturen« nebst Preisverleihung nämlich. Bereits zum viertem Mal wird der Preis für die beste Kurzgeschichte verliehen.

Mit dem Ziel, Dresdner Autoren untereinander zu vernetzen, anzuspornen und gleichzeitig stärker ins Stadtgespräch zu bringen, hat der Verein arts up e.V. im Herbst 2019 die vierte Ausschreibung des Kurzgeschichtenwettbewerbs gestartet. Aus allen Einsendungen wurden 13 Texte ausgewählt, die seither fortlaufend hier im Heft abgedruckt wurden. Aus allen veröffentlichten Miniaturen der aktuellen Wettbewerbsrunde hat unsere Jury, bestehend aus der freien Journalistin Annett Groh, Autorin Josefine Gottwald, DRESDNER-Chefredakteur Heinz K., Buchhändler Jörg Stübing und dem Vorsitzenden des Vereins Literarische Arena und Mitherausgeber der Zeitschrift »Ostragehege« Aron Koban ihre sechs Favoriten ausgewählt. Am 18. Juli, treten diese live und vor Publikum mit ihren Texten gegeneinander an – Wer sich am Ende die Miniaturenkrone auf’s vor Freude strahlende Haupt setzen darf, entscheidet das Publikum sowie die schon genannte Jury, die um den Vorjahressieger Hans-Haiko Seifert ergänzt wird.

Es lesen: Manuela Bibrach, Katharina Goetze, Elke Egger, Xaver Grimplini, Willi Hetze und Patrick Wilden. Alle Autoren haben einen Bezug zu Dresden und bereits Texte veröffentlicht. In der Finallesung präsentieren sie zunächst ihren eingereichten Text sowie neue Texte. Neben der Jury gibt das Publikum via Stimmzettel sein Votum ab. Der Preis in Höhe von 600 Euro wird gestiftet vom DRESDNER Kulturmagazin, vergeben werden außerdem Sachpreise.
Kaddi Cutz

Die Autoren der Final-Lesung:

Katharina Goetze (* 1984 in Dresden). Nach Stationen in England, Ägypten, Laos, lebt sie seit 2015 zwischen Dresden und Wien. Studium der Journalistik, Soziologie und der Modernen Nahostwissenschaften in London, Kairo, Oxford. Preisträgerin beim Bundeswettbewerb Treffen junger Autoren, Lyrik in Fahrt und zeilen.lauf-Wettbewerb 2017. Finalistin des Open Mike 2018 und unter den Top20 beim FM4-Wortlaut 2017. Veröffentlichungen in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien (darunter Der Maulkorb, Lichtungen, Karussell). Schreibt Prosa, Lyrik und Theaterstücke. Ihr Dramolett I heart Gorbitz wurde im Juni 2019 als Teil von PPNews: Gerüchte in Kooperation mit Armada of Arts und dem Europäischen Zentrum für Künste Hellerau in Dresden-Gorbitz aufgeführt. Sie arbeitet derzeit an ihrem ersten Roman, dessen Arbeitstitel jeden Montag wechselt.

Elke Egger wurde in Geislingen an der Steige (Baden-Württemberg) geboren und zog nach dem Abitur Ende der 80er Jahre nach West-Berlin, wo sie Publizistik, Romanistik und Geschichte studierte. Persönliche, aber auch mediale Erlebnisse, die schwerer wiegen als andere, werden in ihren Geschichten verarbeitet, so auch in der vorliegenden der Amoklauf in der Albertville-Realschule in Winnenden 2009. Ganz in der Nähe hatte sie als Schülerin ihr erstes Praktikum bei einer Tageszeitung absolviert. Seit 1994 lebt und arbeitet sie als Journalistin und Malerin in Dresden.

Willi Hetze, geboren 1985 in Dresden, studierte Soziologie und Psychologie und promovierte an der Universität Erfurt. Er arbeitet heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden. Seit 2012 ist er Vorsitzender des Schriftstellervereins Dresdner Literaturner e.V. Literarisch befasst er sich mit der Digitalisierung und modernen Lebensentwürfen. 2015 erschien sein Erzählband Das Unbegreifliche der Katzenwege und er erhielt den Jury-Preis bei den Dresdner Miniaturen. 2018 folgte sein Roman Die Schwärmer, mit dem er für den SERAPH-Preis und den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert war.

Xaver Grimplini, 1987 geboren, wuchs in Görlitz auf. Zog nach Abitur und einer Ausbildung zum Krankenpfleger hundert Kilometer westwärts. Heute lebt er mit seiner kleinen Familie in Dresden, arbeitet seit ein paar Jahren auf einer Palliativstation und studierte nebenher Philosophie und Geschichte. Dadurch verband er Broterwerb und brotlose Kunst miteinander und weiß seither noch weniger, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Mit dieser Ungewissheit begibt sich der Autor schreibend auf die Reise, versucht gedanklichen Neben- und Lebensgeräuschen aus Beruf und Alltag eine textliche Form zu geben.

Manuela Bibrach, geboren 1971 in Dresden, ist Diplomingenieurin für Umweltbildbildung und -psychologie. Sie hat Gedichte und Prosatexte in diversen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht(u.a. in Der Maulkorb, entwürfe, Krautgarten, Dreischneuß, die Novelle, Versnetze, Ostragehege, Am Erker, Dichtungsring, Ort der Augen). 2012 war sie 1. Preisträgerin des 14. Irseer Pegasus, 2018 2. Preisträgerin des Feldkircher Lyrikpreises, 2019 3. Preisträgerin der Dresdner Miniaturen, und 2020 2. Preisträgerin des Prosawettbewerbs Antho?-Logisch! 2018 erhielt sie ein Auslandsstipendium (Breslau) der Sächsischen Kulturstiftung. Sie ist Mitglied der Oberlausitzer Autorenrunde sowie Mitglied im Dresdner Literaturforum.

Patrick Wilden, geboren 1973 in Paderborn, aufgewachsen in der Region Kassel. Nach einem Studium in Tübingen und einem Verlagsvoluntariat in Stuttgart arbeitete er viele Jahre in einem Antiquariat in Dresden und ist dort heute für eine Bibliothek und ein Archiv sowie als Redakteur in einer Literaturzeitschrift tätig. Im November 2019 erschien als Raniser Debüt sein Gedichtband Alte Karten von Flandern, woraus er seitdem auch auf Lesereisen vorträgt.

Die Finallesung der DRESDNER Miniaturen findet am 18. Juli um 17.30 Uhr im riesa efau statt, bei schönem Wetter als Open Air im Hof; Schlechtwettervariante: Runde Ecke. Moderation: Kaddi Cutz, Musik: DJ Cramér. Karten können zum Preis von 8 Euro / ermäßigt 6 Euro via E-Mail an arts.up@gmx.de vorbestellt oder an der Abendkasse erworben werden.

Im Wandel beständig

Die Verbrauchergemeinschaft feiert 30. Geburtstag

Mit drei Mitgliedern fing alles an: Die Idee, gesunde Lebensmittel aus der Region anzubieten und damit auch in den wilden Zeiten nach der Wende so manchem Erzeuger Preiskontinuität oder einfach eine (Über-)Lebensperspektive zu bieten. Nun hat sich die Verbrauchergemeinschaft (VG) seit 2005 zu einer Genossenschaft mit 11.000 Mitgliedern und bislang sechs Märkten plus einem Naturwarenladen hingearbeitet, und das Interesse ist ungebrochen.

Copyright Foto: Verbrauchergemeinschaft

Denn das Geschäftsprinzip ist ebenso schlicht wie bestechend. Die Genossenschaftsmitglieder erwerben mit der Zahlung einer monatlichen (familienfreundlichen) Pauschale das Recht, zu vergünstigten Preisen einzukaufen. Dies sichert der Verbrauchergemeinschaft ein Stück Liquidität und macht sich für die Kundschaft bei häufigem Einkauf im Geldbeutel bemerkbar, weil sich die Preise im Vergleich zum Einkauf konventioneller Produkte relativieren. Und wer sich für regionale Produkte entscheidet, sorgt auch dafür, dass das erwirtschaftete Geld im Lande bleibt. Die Entwicklung von einem Verein mit 25 Enthusiasten im ersten »Wohnzimmer«-Laden in der Schützengasse zu mehr als 200 sicheren eigenen Arbeitsplätzen und einer Vielzahl davon bei den Erzeugern ist auch eine mittelständische Erfolgsgeschichte.

Die Regionalität ist nicht nur der Ur-, sondern auch der Markenkern der VG. Mit einigem Stolz verweist Barbara Rische, eine der Genossenschafts-Vorstände, auf etwa 90 Lieferanten in einem selbstgesteckten Umkreis von 150 Kilometern, der inzwischen auch nach Tschechien und Polen hineinreicht. »Um dies zu zeigen, entwickelten wir bereits vor 15 Jahren eine Kennzeichnung für Regionalprodukte, auch um klarzumachen, dass mit dem Kauf dieser Waren die Wirtschaftskreisläufe in der Region gestützt werden«, so Barbara Rische. Dieses Anliegen ist seit diesem Jahr auch im Stadtraum sichtbar, gemeinsam mit 31 regionalen und überregionalen Erzeugern finanziert, fährt eine Straßenbahn im Dienste der Sache.

»Natürlich müssen wir auch bei Großhändlern international hinzukaufen, um bedarfsorientiert wirtschaften zu können. Aber auch da kennen wir die meisten Erzeuger. Wir versuchen mit unserer Informationsangeboten unter dem Titel »Bio in aller Munde« die Verbraucher zu ermuntern, saisonal einzukaufen«, sagt Barbara Rische und verweist darauf, dass auch bei der veganen Ernährung weniger auf Fertigprodukte und kleine Abpackungen zurückgegriffen werden kann. Denn auch Müllvermeidung ist ein wichtiger Aspekt für die VG. So wurden in mehreren Läden »Unverpackt-Strecken« aufgestellt, wo es möglich ist, sich Linsen Erbsen, Gummibärchen etc. in Pfandgläser abzufüllen. Auch in den angeschlossenen Bistros, die zur Zeit im »To-Go«-Modus laufen, ist es möglich, sich eigene Behälter füllen zu lassen oder sich welche auszuleihen.

Die Festivitäten zu 30 Jahre Verbrauchergemeinschaft werden schwerpunktmäßig im Herbst stattfinden. Geplant sind die bewährten Regionalmärkte mit Spiel, Spaß und Musik, ebenso die beliebten Busfahrten auf die Erzeugerhöfe. Um regionale Musiker zu unterstützen, werden in einigen Märkten in den nächsten Wochen CD-Regale aufgestellt. Reizvoll wäre es auch, dieses Engagement mit Konzerten zu komplettieren, schildert Barbara Rische die derzeitigen Überlegungen. Und noch weiteres ist in Planung: »Durch die Mehrwertsteuersenkung im letzten Jahr konnten wir etwa 4.000 Euro erwirtschaften, mit denen wir gerne ein Projekt, eine Initiative unterstützen möchten. Es sollte natürlich mit ökologischem Landbau und Ernährung zu tun haben. Eine Ausschreibung ist derzeit in Vorbereitung«, so Barbara Rische. Sich regional und nachhaltig zu engagieren muss sich also nicht nur auf den Handel mit Lebensmitteln beschränken.
JB

Man muss nicht zwangsläufig Genossenschaftsmitglied sein, um in den VG-Märkten einkaufen zu können; in den meisten gibt es ein Zwei-Preis-System. Viele weitere Informationen und in Bälde auch das Festprogramm gibt es unter: vg-dresden.de

Studieren in der Warteschleife

Studies berichten zum Start des neuen Online-Semesters wie es ihnen bisher im Home Office ergangen ist

Wie schon im Wintersemester 2020/21 wurde auch im Sommersemester 2021 die Präsenzlehre an den Universitäten in Dresden begrenzt. Faktisch bedeutet dies, das so gut wie alle Seminare und Vorlesungen ins Digitale verlagert wurden, zumindest solange die Corona-Ampel auf rot steht. Da sich die Lage zu bessern beginnt, steht eine Umschaltung auf Präsenzbetrieb in HTW und TUD im Raum. Mindestens solange heißt es also noch Bude, statt Audimax und Heimküche statt Mensa.

Anton, Anglistik
Als bereits »fortgeschrittener« Bachelor-Student (9 Semester!) habe ich durch das Online-Semester glücklicherweise keine sozialen Probleme – ich kenne bereits Leute und vereinsame nicht komplett. Das stelle ich mir als Neuankömmling deutlich schwieriger vor. Natürlich würde aber auch ich mich über einen baldigen Präsenzunterricht freuen, sofern das möglich ist. Die Konzentration fällt zuhause dann doch manchmal schwer. Für lineare Vorlesungen empfinde ich die Option der Audioaufzeichnung jedoch durchaus auch als hilfreich: bei enorm schläfrigen Dozierenden die Geschwindigkeit zu verdoppeln spart zum Beispiel jede Menge Zeit.

Anton

Gregor, Philosophie
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im Online-Semester vor allem die Seminare, die vom Diskurs mit Lernenden und Lehrenden leben, leiden. Man weiß immer nie so genau, ob der andere entweder schon fertig mit dem ist, was er sagen wollte, oder überhaupt noch etwas sagen will, oder es reden zwei Leute gleichzeitig, oder es gibt eine große Stille und irgendwann im Semester geben einfach alle auf und niemand sagt mehr irgendwas. Schauderös! Das zweite große Problem das ich hatte, war es, von zu Hause zu arbeiten, während die Bibliothek nicht oder nur halb offen hatte. Zwar war es gut, dass die SLUB schnell wieder den Ausleihservice anbot, aber ich glaube, dass ich wesentlich produktiver hätte arbeiten können, wenn ich einen Arbeitsplatz außerhalb meines eigenen Zimmers gehabt hätte. Zuhause verschmilzt die Arbeitszeit mit Prokrastinationszeit und eigentlich auch jeder anderen Zeit.

Gregor

Clara, Lehramt Kunst und Anglistik
Was sich zunächst nach einer wunderbaren Möglichkeit anhörte, Uni für ein paar Wochen vom Bett aus zu machen, entpuppte sich schnell als enorme mentale Belastung. Ich habe mich oft überfordert und allein gelassen gefühlt, vor allem auf organisatorischer Ebene und beim Erschließen der Seminarinhalte. Denn auch die meisten Dozenten schienen trotz aller Bemühungen äußerst unsicher, wie ein Alternativprogramm anzugehen wäre. So langsam mag sich das einpendeln, hat aber auch mir, die ich glaubte, das System Uni nach einigen Semestern weitestgehend durchblickt zu haben, einiges an Kraft und Nerven abgefordert.

Clara

Philipp, Germanistik
Eigentlich wurde ja schon alles gesagt: Schön isses nicht! Klar ist aber auch, dass die »Corona-Konstellation« nicht jeden gleich trifft. Ich für meinen Teil war schon vor dem Super-GAU kein Organisationstalent, aber seitdem ich mein Seminar mit auf Toilette nehmen kann, ist mir erst so richtig klar geworden, wie schwer es ist, ohne wirklichen Druck von außen den Tag zu bewältigen. Dass es Leute gibt, die das schaffen, macht die Sache nicht unbedingt besser. Und auch, wenn einem zwei Semester von offizieller Seite »geschenkt« wurden, ist das Jahr, das immer als das »sich ewig hinziehende« bezeichnet wird, verschluckt worden in der ganzen Warterei auf das Ende. Zumindest habe ich persönlich noch nie das Gefühl gehabt, so wenig in zwölf Monaten erlebt und geschafft zu haben. Aber ich will mich nicht beschweren, wozu auch?

Philipp

Jonas, Bauingenieurwesen
Meine Online-Semester liefen bisher überraschend gut. Die digitale Form der Lehre eröffnet völlig neue Möglichkeiten, sofern sie umfänglich angeboten wird. Meist ist das auch der Fall. Wenn dem jedoch nicht so ist, ist es natürlich ein Reinfall, und ich fange an, die betreffenden Module zu verschieben. Dass das eine sehr kurzsichtige Strategie ist, ist mir bewusst, besser als live gefilmte Tafelbilder abzuschreiben, ist sie allemal. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit der Umsetzung, was sicher auch an meinem naturwissenschaftlichen Studiengang liegt. Am schwersten fällt mir komischerweise nicht die Selbstmotivation, sondern die Organisation. Drei verschiedene Programme, Links zu den virtuellen Räumen finden, wann ist welche Abgabe, wie wird sie geregelt, wann sind Einschreibungen und so weiter. All diese Dinge fehlerfrei im Blick zu haben scheint unmöglich, zumindest für mich.

Jonas