Der Exot

Zeitreise in die Gesellschaft vergangener Jahrhunderte – ein Stadträtsel. Von wem ist die Rede?

Dresden ist voller spannender Geschichten über seine Geschichte und jene, die sie vorantrieben. Die meisten davon sind schon ausführlich erzählt. Deshalb möchten wir das Angebot machen, das eigene lokale Geschichtswissen auf die Probe zu stellen. In einer losen Folge stellen wir Persönlichkeiten aus dem Dresdner Leben vor und das, was sie für die Stadt bedeutsam gemacht hat.

In diesem Fall ist es eher die Stadt und seine Künstler, die das weitere Leben des Gesuchten beeinflusst. Geboren wird er 1895 im zaristischen Russland. Als Spross einer angesehenen deutschen Kaufmannsfamilie genießt er in Moskau eine sorgenfreie Kindheit. Die Schule aber besucht er in Dresden. In einem angesehenen und elitären Internat bestand der Gesuchte im Jahr 1913 seine Matura. Die Zeit in Dresden bot dem seit der Kindheit musisch Interessierten ein schier unendliches Angebot an künstlerischen Erfahrungen. In der Semperoper besucht er Richard Strauss’ Opern »Salome« und »Elektra«, die hier uraufgeführt werden, und die Maler der Künstlergruppe »Brücke« beeindrucken den jungen Mann sehr. Nach dem Abitur zieht er zurück nach Moskau und der bald darauf ausbrechende Erste Weltkrieg bedeutet eine Zäsur im Leben unseres Gesuchten. Als feindlicher Ausländer wird er an der Wolga interniert, während sein Vater hinter den Ural verbannt ist.

Ein Bild von der Lehranstalt, die der Gesuchte besucht hat

Nach dem Ende des Krieges und den großen Veränderungen in Russland kehrt der junge Mann nach Moskau zurück, welches seine Familie bereits in Richtung Deutschland verlassen hat. Er folgt ihnen 1919 nach Dresden. Lebt dort zunächst in Hellerau bei einer Freundin und beginnt hier auch zu malen, ist jedoch nicht recht zufrieden mit seinen Schöpfungen. Er beginnt mit Oskar Kokoschka und Otto Dix zu verkehren. Letzterer habe ihn in seinen Ambitionen recht ermutigt. Zudem arbeitet er als Komponist und Tanzlehrer und findet in Dresden Anerkennung für ein kubistisches Bühnenbild für eine Hamsun-Inszenierung.

Schon ein Jahr später verlässt er Dresden wieder in Richtung Berlin, wo er am Film »Nosferatu« von Murnau mitarbeitet. Auch mit seiner Malerei feiert er langsam Erfolge und wird sogar zu einer Präsentation ins Amsterdamer Stedelijk Museum eingeladen. Franz Roh, ein angesehener Kunstkritiker nennt seine Schöpfungen »magischer Realismus«.

Der Gesuchte hadert mit seinen Werken. Mit seinem damaligen Lebenspartner Friedrich Wilhelm Murnau teilte er die Sehnsucht nach der Südsee, nach der Ferne. Diesem inneren Ruf folgte er und verlässt Deutschland im Jahr 1923 als ungelernter Leichtmatrose an Bord der SS Hamburg in Richtung Indischer Ozean. An seinem ersten Aufenthaltsort verdient er seinen Lebensunterhalt als Musiker, leitet das Hoftanzorchester des Sultans Hamengkubuwono VIII. und lernt Gamelan und Kendanh zu spielen. 1927 findet er endlich »seine« Insel, auf der er sich niederlässt. Sein Haus wird zum Treffpunkt internationaler Künstler. So gehören Vicki Baum und Charlie Chaplin zu seinen Gästen.

Ende der dreißiger Jahre verschärft sich das politische Klima im »Paradies«. Während in Europa rechte und nationalistische Parteien an Boden gewinnen, verschärft die hiesige Kolonialmacht vor Ort die Gesetze, auch für Homosexuelle. Unser Gesuchter wird in diesem Zuge zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt. Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird er nun erneut interniert, diesmal als feindlicher Ausländer. Als Japan die Kolonie angreift, werden die Internierten 1942 nach Bombay verschifft. Bei einem Luftangriff der Japaner sinkt das Schiff mit mehr als 400 Gefangenen westlich von Sumatra.

Die Menschen seiner Wahlheimat verehren den Deutschen bis heute, hat er doch die Malerei der Insel maßgeblich beeinflusst. Der Kunstsammler und Maler Agung Rai sagt über ihn, dass er, statt wie in der sonst flächigen und rein religiösen Malerei, Perspektive und neue Motive eingeführt habe; also eine lebendige Kunst geschaffen habe. Außerdem habe er neue Tanzchoreographien eingeführt, die nur scheinbar einheimischen Ursprungs sind.

ReH

Folgende Fragen gilt es beantworten:

  1. Wer ist die gesuchte Person?
  2. Wie lautet der Name seiner Lehranstalt in Dresden?
  3. Wie heißt die Insel, auf der der Gesuchte ein neues Zuhause fand?

Wer alle drei Fragen richtig beantwortet und die Lösung unter dem Stichwort »Der Exot« bis 31. Juli an verlosung@dresdner.nu sendet, nimmt an der Verlosung des DRESDNER-Stadträtsel-Überraschungspakets teil.

DRESDNER Stadtgeschichten werden übrigens auch ausführlich in unserem Podcast erzählt. Nachzuhören unter dresdner.nu/podcast und überall da, wo es Podcasts gibt.