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Shame

Songs of Praise

(Dead Oceans)


Sie gelten schon jetzt als die neuen Lieblinge von der Insel, obwohl die Songs der fünf Briten so gar nicht lieblich sind. Eher spröde, wütend, ur-melancholisch und trotzdem: Pop! Die bissige Haltung von Punk mischt sich mit kühlen Indiegitarren und einem Bassspiel, das mich stets neu begeistert. Mag der Vergleich auch etwas hinken, aber ich fühle mich von der dunklen Kraft, die in der Musik steckt, an The Birthday Party erinnert. Duster, swampy, erzählerisch, böse. Aber schönerweise wird hier das eigene Unwohlgefühl auch in Gesellschaftskritik übersetzt und nicht bloß als Selbstzerstörung und Ich-Verortung inszeniert. Die findet aber auch statt, zum Glück. Denn so ein schöner stolzer Kaputtnik-Song wie »One Rizla« wird nicht alle Jahre in Vinyl geschnitten. Aber anstatt sich nur im Selbst zu baden, werden die Oberflächlichkeiten der heutigen Zeit, die monetär-motivierte zwischenmenschliche Abhängigkeit voneinander und so manche mittelschichtige Komfortzone angegangen, angeschrieen. Der Gesang von Charlie Steen zeigt sich dabei sehr abwechslungsreich und ist dem Theater näher, als dem Tagesprogramm lokaler Radiosender. Da wird geflüstert, mit dunkler Stimme erzählt, harmonisch gesungen, gekeift, geschrieen – manchmal alles in einem Song. Dass die Jungs aber auch Humor haben, beweißt nicht nur der der LP beigelegte großformatige Jahreskalender, auf dem alle Geburtstage der Bandmitglieder markiert sind, sondern auch ihre jungenhafte Inszenierung in den Videos und auf Fotos. Ihr erstes Album strotz vor Ideen und gekonnten Brüchen. »Es entstand nach einem langen, langweilen Sommer«, wie die Band kürzlich in einem Interview mitteilte. Nun, man will ja nichts böses wünschen, aber: Möge auch ihr nächster Sommer möglichst langweilig sein!
Dj Cramér
www.shame.world/
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