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Lana Del Rey

Honeymoon

(Vertigo/ Universal)


Es wird sie wieder geben – Leute, welche die neue Del Rey kaufen, um sich mit ihrem Partner an stürmischen Herbsttagen in einer Westküsten-Stimmung aus Sommerhitze, Softeis, Strand und frühen Cocktails einzukuscheln. Es sei ihnen vergönnt. Nichtsdestotrotz lieben sie an Kunstfigur und Musik genau das, was Kritiker unerschütterlich monieren. Der Vorwurf: Einer kitschigen Postkarte gleich reduzieren sie den Blick auf einen kleinen, fiktiven Kosmos, gemalt in Pastellfarben, gedimmt und auf hohem Niveau sediert. Dabei wird übersehen, dass eine Ecke dieser Postkarte stets lodert und die Idylle ständig bedroht wird von Einsicht wie Sehnsucht nach Vergänglichkeit. Es blitzen schnelle Bilder mit Frauen auf dem Rücksitz frisierter Feuerstühle und rauschigen Männern in ständiger Spannung aus Begehren und Gewalt. Auch auf ihrem dritten Album bedient die Königin des »happysad« in gewohnter Manier beide Stimmungen, verbindet sie, spielt sie gegeneinander aus, lässt sie ins Absurde mäandern. Trotzdem ist »Honeymoon« weit mehr als die weitere Schablonenarbeit eines bewährten Konzeptes. Zu dominant schiebt sich Del Reys Stimme diesmal vor die Instrumente, seufzt über große Melodien ausgeklügelte Zitate von den Eagles bis hin zu T.S. Eliot – eben jenem Dichter, der uns in dem hier zitierten Text schon vor über einem dreiviertel Jahrhundert von einem geheimnisvollen Garten in einem, die Zeit übergreifenden Zustand erzählt. Die Songs auf »Honeymoon« nehmen den willigen Zuhörer nun mit auf eine leuchtend finstere Reise an eben jene Orte abseits jeder Ratio. Wer sich darauf einlässt, wird an der Größe dieser Künstlerin wohl so schnell nicht mehr zweifeln.
Matthias Hufnagl
lanadelrey.com/
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