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Marteria

Zum Glück in die Zukunft II

(Four Music/ Sony)


So sicher wie Evolution mit R geschrieben wird, so sicher balanciert Marteria alias Martin Laciny alias Marsimoto auf dem schmalen Grat zwischen der im Deutsch-Rap allzu vertrauten Aggressivität und einer selten anzutreffenden Nachdenklichkeit. Gleich der Opener »Kids« macht unmissverständlich klar, worum es hier zum fetten Kopfnicker-Beat geht, wenn wir hören: »Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern/ So ist es hier im Block tagein, tagaus/ Ich halt mir zwei Finger an den Kopf und mach Peng, Peng, Peng, Peng«. »Kids« klingt wie eine Hymne an die ins Alter gekommene Easyjet-Generation, die Marteria bereits mit »Verstrahlt« oder »Lila Wolken« aufs Korn genommen hat. Und es ist ein gelungener Einstieg ins Album, das musikalisch und textlich wie aus einem Guss wirkt. Mal besummt Marteria One-Night-Stands lyrisch als »Eintagsliebe«, mal stürzt er mit Campino in einer Bar ab: »Jeder Schluck macht Glück, Glück, Glück«. In »John Tra Volta«, in dem nicht mehr als ein Stromausfall thematisiert wird, reimt er »Jede Berührung elektrisiert dich/Nur der elektrische Stuhl funktioniert nicht«. Pop und Politik schließen sich für den gebürtigen Rostocker nicht aus und Berührungsängste scheint er nicht zu kennen. Und da ist ja noch der eingangs erwähnte »Bengalische Tiger«, der noch immer in ihm steckt und zu futuristischen Dancehall-Sounds raus auf die Straße drängt. Wummernde Basslines und digitales 808-Geballer spielen hier nicht die Hauptrollen, stattdessen drängen sich klagende Chöre, melancholische Piano- und Synthie-Samples, tiefe Bässe und warme, analoge Sounds nachhaltig ins Ohr. »Zurück in die Zukunft II« ist der beste Beweis, dass großes Kino im deutschen HipHop möglich ist, ohne dabei peinlich zu wirken und ins allgegenwärtige Rauschen des Pop-Mainstreams abzugleiten.
Frog
Marteria ist am 7.3.2014 live im Eventwerk zu erleben.
www.marteria.com/
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