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Thees Uhlmann

#2

(Grand Hotel Van Cleef/ Indigo)


Auf dem zweiten Soloalbum des ehemaligen Tomte-Anführers wird an allen Ecken und Kanten gezündelt. Und Thees hält die Fackel in den Händen. Seinem selbstbetitelten Solodebüt von 2011 war durchschlagender Erfolg beschieden. Mit ihm verhält es sich so ähnlich wie mit Peter Fox, der solo erfolgreicher ist als im Kollektiv. Auch Thees ist solch ein Einzelkämpfer, besitzt jedoch in dem Gitarristen und Produzenten Tobias Kuhn einen kongenialen Begleiter, der dem rockigen Sound einen grollenden und stampfenden Springsteen-Touch verleiht. Im Zentrum steht die Stimme, die sich einprägt, die Fragen stellt, verstörende Bilder heraufbeschwört und keine Gewissheiten parat hat. Geschickt verwebt er Realismus und Fantasie und erzählt in klassischer Songwriter-Manier Geschichten. Besonders eindrucksvoll gelingt ihm das bei »Im Sommer nach dem Krieg«, wo er eine düstere Vision seiner geliebten norddeutschen Landschaft herauf beschwört, bei der man nicht sicher sein kann, ob das Szenario nach dem verlorenen Weltkrieg im besetzten Land spielt oder ob er in eine gar nicht mal so unwahrscheinliche Zukunft blickt. Geschichte wird hier mal eher beiläufig als lyrischer Tagebucheintrag (»Am 7. März«) zelebriert, mal als Momentaufnahme einer Generation, die durch detonierende Bomben in ihrer Stadt kurz an die Vergangenheit erinnert wird, im nächsten Moment aber wieder von Amnesie befallen wird; schön kontrastiert vom Oh-Ho-Ho-Ho-Chorus, der bestens in einem Fußballstadion aufgehoben wäre. Kurzum: Dies ist ein wichtiges Album. Aber nicht, weil es gewichtig daher kommt, sondern weil hier hintergründige, spannende Geschichten so lebendig erzählt werden, wie es derzeit wohl kein anderer Musiker deutscher Zunge vermag.
Frog
Thees Uhlmann kommt am 8.11.2013 in den Alten Schlachthof.
www.thees-uhlmann.de
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