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Julia Holter

»Tragedy«/»Ekstasis«

(Tragedy: Leaving Records/ Ekstasis: RVNG Intl.)


Julia Holters Alben lassen Verlegenheit entstehen. Obwohl man durchaus zu benennen weiß, welche Einflüsse und Ideen Holters Musik bestimmen, bleibt das Gefühl des sprachlichen Ungenügens, sobald das Außergewöhnliche auf den Begriff gebracht werden soll. Holter, in musikalischer Praxis und Theorie ausgebildet am »California Institute of Arts«, vereinnahmt auf verschiedenen Ebenen. Ihre Musik reizt die intellektuellen Synapsen und spielt auf der emotionalen Klaviatur der Seele. Das Erlebnis gleicht dem Traum, dessen Bilder nach dem Erwachen in die intimen Schubladen der Seele zurück sinken und zugleich Fragen nach der Bedeutung hervorrufen. Eben dort, wo vergessene Emotionen und Gedanken in mythischen Gestalten schlummern, wenn nicht gar lauern, scheinen Julia Holters wundervolle Alben ihren Ausgang zu nehmen. Während das Konzeptalbum »Tragedy« die Idee des griechischen Dramas in die vielschichtige Sprache einer Ambient-Oper übersetzt, lassen sich die Songs von »Ekstasis« als »Auskopplungen« des Chorus verstehen, die Holter in ihrer auditiven Reinszenierung der Dramas aussparte. Im Vergleich nimmt sich »Ekstasis«, dessen Idee zeitgleich zu den Tragedy-Aufnahmen aufkam, als Vorhaben aus, Odysseus in das Reich der Assoziationen zu verführen. Lüsterne Elfen, Feen und Sirenen, die mit dem Popgenre Schabernack treiben, scheinen hier am Werk zu sein, so verzaubernd sind Wendungen der vielschichtigen Klangspiele, deren sphärische Stimme dazu verlockt, auf den liebreizenden Tonspuren in einen Traum zu entschweben, in dem das Ohr einen poetischen Soundkosmos schauen kann.
Kai-Uwe Reinhold
Am 4.7.2012 ist Julia Holter im Thalia-Kino live zu erleben.
juliashammasholter.com
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