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Casper

XOXO

(Four Music/ Sony)


Gutes Album. Und das nicht, weil man hier Beats und Rythmus endlich mal nicht in Verbindung mit Phallus, Fick und Kampfhund geliefert bekommt. »XOXO« bezieht seine Größe nämlich gerade nicht aus einem herbeigesehnten Anderssein im Vergleich mit dominierenden Größen oder verblassenden Legenden des Deutsch-HipHop der letzten zwei Dekaden. Diese Platte ist allein, für sich und überhaupt eine Wucht. Casper haut drauf: textlich wie musikalisch, intelligent und mit Schmackes. Hier versteht es einer mit jugendlicher Reibeisenstimme der Jugend wieder eine Stimme zu geben. Klingt plakativ. Ist es auch und ist es nicht und das ist auch gut so. Nostalgisch wird von der nächsten Revolution geträumt,Vergangenes verklärt, Neues in Kauf genommen, Rotwein aus dem Tetra-Pak gelehrt und der eigenen musikalischen Sozialisation gehuldigt. Ziemlich viel auf einmal. Ziemlich viel genau richtig. Selbst Features mit Thees Uhlmann und Marteria stören nicht und fügen sich bereichernd in das Gesamt-Ausrufezeichen ein. Aber Moment mal: Dürfen Kurt Cobain, The Smiths und Ian Curtis überhaupt namentlich auf einer HipHop-Platte genannt werden, ohne das diese sofort aus dem Genre geklatscht wird? Scheißegal. Oder mit den Worten des Künstlers: »Anti alles. Für immer.« Und während der Schutt in London und Manchester gerade noch auskühlt, haben wir hierzulande Casper, der schon auf dem zweiten Stück seiner neuen Platte folgende Zeilen rotzig ins Mikro spricht : »Die Wölfe sind los und wollen das Blut sehen/ Lasst die Bänder rolln/ Das Volk will zusehen/ Lasst die Spiele beginnen...« Warnung, Prophezeiung oder doch nur Revolutionspop? Auf jeden Fall mächtig Gänsehaut.
M. Hufnagl
Casper kommt am 21. Oktober in die Reithalle/ Strasse E. Konzert ist bereits ausverkauft.
www.casperxo.com
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