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Zwischen Terror und Liebe – Die Frei-Spieler präsentieren »Die dritte Generation – Kinder von Marx & Coca Cola« im projekttheater

14. Januar 2016 - »Immer nur arbeiten, essen, schlafen« - In ihrer Lebenswirklichkeit kann die dritte Generation kaum noch Perspektiven erkennen. Die dritte Generation sind Cathrine, Scott, Theo und Robert, die gemeinsam in einer WG leben. Sie sehnen sich nach einem großen Umbruch, einer Revolution. In ihrem Drang nach Veränderung verfallen sie immer mehr dem Aktionismus, weshalb aus harmlosen Streichen schnell handfeste Terroranschläge werden. Bis auf zarte antikapitalistische Untertöne bleibt die ideologische Motivation ihrer Taten allerdings weitgehend unklar. Man könnte sogar meinen sie sind Terroristen aus Langeweile. Alle sind auf der Suche nach einem Weg, um aus der perspektivlosen Trägheit des Lebens sowie der vielfachen Fremdbestimmtheit auszubrechen. Selbst die Liebe vermag diesen Ausbruch aus der Alltagsdepression nicht mehr herbeizuführen.


Die Frei-Spieler entwerfen in ihrem Stück eine szenische Collage aus Zitaten und Bildern, die von Angst, Terror, Liebe, Revolution, Resignation und Überwachung erzählen. Die Grundlage dafür bilden Rainer Werner Fassbinders »Die dritte Generation« sowie Jean-Luc Godards »Masculin – Feminin. Oder die Kinder von Marx und Coca Cola«. In dieser verstörend guten Mischung nehmen die Angst und das Unverständnis vor dem Fremden Gestalt an. Dabei kommt das Stück auch mit einem einfachen Bühnenbild mit großen Texttafeln und ganz ohne Musik aus. Im Spiel des Ensembles zeigt sich kontinuierlich die seltsame Fremdbestimmtheit, die alle Figuren führt als wären sie Marionetten. So wirken die Darsteller oft wie gruselige Maschinenwesen in typischer Fassbinder-Manier. Durchbrochen wird die bedrückende Atmosphäre immer wieder durch absurde Dialoge und Performances. Hier wird das Publikum auch schon mal mit Gummitieren beworfen. Nach dieser spannenden Szenencollage verlässt man den Saal auf jeden Fall mit vielen Fragen.

Nicole Scheffel

Nächste Vorstellungen: »Die dritte Generation - Kinder von Marx und Coca Cola« am 20. und 21. Januar im projekttheater



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