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Wolf-Dieter Gööcks »Johotrallala-Freischütz« in der Saloppe
Was war es zu Zeiten der romatischen Opern schön. Da genügte ein wohlfeiler Schuss, um Herz und Hand der Braut zu erobern. Dumm ist nur, wenn der Teufel seine Finger im Spiel hat, und der Jägerbursche Max, das Ziel und damit erst einmal sein Lebensglück verfehlt. Aber zum Glück gibt es ja im Leben immer eine zweite Chance und die Legende der sieben Freikugeln, die in der gespenstischen Wolfsschlucht mithilfe der magischen Kräfte gegossen werden müssen. Casus knaxus allerdings ist, dass über das Ziel der letzten Kugel der Teufel selbst verfügt und es missgünstige Mitmenschen gibt, die sich dieses zunutze machen wollen. Aber wo der Teufel ist, ist auch die göttliche Fügung meist nicht weit... Nun, das Sujet des »Freischütz« ist nicht wirklich von harten Überraschungen geprägt, man kann auch sagen: Das Ding ist todlangweilig. Umso wohltuender, wenn sich ein Theatermann wie Wolf-Dieter Gööck, kongenial unterstützt von Dieter Beckert, mit anarchistischem Sinn und Verstand des drögen Stoffes annimmt. In der bewährten Manier der vergangenen Jahre wird das Stück als Ausgangsbasis genommen und mithilfe junger Nachwuchssänger kräftig gerüttelt und geschüttelt und mit allem an inhaltlichen und musikalischen Zitaten versehen, was die Zeitläufte so hergeben.

Je weiter sich das Stück vom Orignal entfernt, umso unterhaltsamer wird es. Dies ist vor allem der musikalischen Einrichtung von Milko Kersten und seiner »musi nad labem« zu verdanken. Die Walküren (mindestens ein Wagner-Zitat musste sein) zu den Klängen einer Tröte reiten zu lassen, war einer der Höhepunkte. Die Übergänge von der Ursprungsmusik zu Abschweifungen und musikalischen Zitaten gelingt nahezu mühelos und macht das Zuhören zum großen Spaß, zumal in dem wirklich passenden, entspannten Ambiente der Saloppe. Insgesamt eine durchgängig kurzweilige Angelegenheit, die den Wunsch nach mehr solch klugen Subversivitäten weckt. Jana Betscher

weitere Vorstellungen: 19. bis 22. Juli, jeweils 20 Uhr



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