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»Wir erreichen den Fluss« in der Semperoper
Mit tosendem Beifall bildete die Inszenierung »Wir erreichen den Fluss« am 13. September den Auftakt der neuen Spielzeit der Semperoper. Die Begeisterung der Zuschauer an diesem Abend galt dabei nicht nur der hervorragenden Aufführungen, sondern besonders dem zur Premiere anwesenden Komponisten Hans Werner Henze. Die Kriegsoper hatte 1976 ihre Uraufführung in London und gilt als politischstes Werk Henzes. Im Zentrum der Handlung steht der General (Simon Neal); ein abgebrühter Kerl, der Befehle ausführt und gibt, ohne über ihr Ausmaß und die verheerenden Folgen nachzudenken. Das Stück verfolgt die Entwicklung des zunehmend erblindenden Pedanten hin zu einem Kriegsverweigerer. Die Inszenierung (Elisabeth Stöpper) zeigt an verschiedenen Schauplätzen eine Flut von Grauen und Schrecken; das Schlachtfeld mit Verwundeten und Toten, die Kaserne mit sich prügelnden Soldaten oder dutzende von Wahnsinnig gewordenen in einem Irrenhaus. Dabei überlappen sich immer wieder Dialoge und Handlungen laufen parallel zueinander ab. Neben der Thematik an sich, lässt auch die sehr chaotische und komplexe Handlung das Gefühl von Beklemmung und Überwältigung entstehen, das sich in dem musikalischen Werk perfekt widerspiegelt. Drei separate Orchestergruppen und über 50 Solisten lassen unter der musikalischen Leitung von Erik Charles Nielsen einen gigantischen, vielschichtigen Klag entstehen.
Rahmensprengend wirken auch das Bühnenbild (Rebecca Ringst, Annett Hunger) sowie die außergewöhnliche Anzahl von über 100 Darstellern, die immer wieder durch die Zuschauerreihen laufen oder sich mit Maschinengewähren an den Türen positionieren. Das Geschehen wird so nah wie möglich an den Zuschauer herangetragen. Ein Steg führt mitten durch das Parkett bis hin zur Königsloge und die Bühne ragt in den Zuschauerraum; der Orchestergraben und die vorderen Reihen des Parketts sind mit Bühnenaufbauten verdeckt, die sich teilweise hoch bis in die erste und zweite Loge ziehen und drei seperate Spielebenen bilden.
»Wir erreichen den Fluss« ist ein Appell gegen Krieg, Gewalt und Inhumanität. Dem Zuschauer werden die brutalen und traumatischen Folgen des Krieges vor Augen geführt – es geht um Gewalt und Gnadenlosigkeit, Verzweiflung und Angst, aber auch um Einsicht und Hoffnung. Der Semperoper ist es mit »Wir erreichen den Fluss« gelungen, sich von einer noch nie gesehenen Seite zu zeigen. Sarah Wessel/ Fotos: Matthias Creutziger

Nächste Aufführungen: 20./25./26./29.9.2012, jew. 19 Uhr.



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