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Willkommen im Frauenzimmer: »Alarmstufe Blond« in der Herkuleskeule
»Mein Name ist Blond. Jane Blond.« Birgit Schaller wirft sich in ihrem neuen Soloprogramm von Anfang an in die Vollen. Selbstbewusst steht sie an der Rampe und fragt ins Publikum: »Wie gehen Sie denn mit dem Klischee um«? Als hätte man sie extra bestellt sitzt dort Dorit Gäbler, seit Menschengedenken blondeste aller Blondinen, und meint direkt »Ich negiere das«. Auch eine Möglichkeit.
Dabei geht es in diesem Programm gar nicht vordergründig ums Blondsein. Es geht eher ums Frausein. Aber auch nicht nur. Blondinenwitze müssen natürlich schon gerissen werden, klar. Dabei bleibt es aber nicht. Vor Energie strotzend setzt sich die Blondine Birgit Schaller eine blonde Perücke nach der nächsten auf und hievt von Killerspielen bis Betreuungsgeld, von Pferdefleischskandal bis Sexismusdebatte alles auf die Bühne, was der Alltag hergibt. Und gerade in ihrem Kommentar zur Sexismusdebatte zeigt sich, wozu Kabarett in der Lage ist: »Mensch, Leute! Wir Frauen sind doch keine Opfer«! Klare Worte. Sexismusdebatte, ja bitte. Wenn, dann aber korrekt geführt statt hysterisch aufgeblasen. In Sachen Direktheit stellt das allerdings den Höhepunkt des Programms dar.
Birgit Schaller macht einen auf Daniela Katzenberger, was natürlich nur als Bauernopfer ausreicht, zu dankbar ist dieser kleine Griff. Und Marilyn Monroe ist nicht tot, sondern sitzt saufend in irgendeiner Bar, glücklich darüber, unerkannt altern zu dürfen. Das hat Herz, aber leider keinen Biss. Viel wird in den zwei Stunden erzählt und gesungen, vielleicht ein paar Themen zu viel tangiert. Es fehlt so etwas wie ein dramaturgischer Faden. Aber möglicherweise braucht es den gar nicht. Birgit Schaller ist eine Vollblutentertainerin, vermeidet nur eben die ernsthafte Provokation. Hier wird nicht polarisiert, sondern amüsiert. So erklärt sie, warum Schwarmintelligenz nichts anderes als Trinkfaulheit ist. Und noch ein Tipp: Wer vorher schnell noch mal googelt, wann Flaubert eigentlich gelebt hat, umgeht hier die analoge Verarsche. Nicht dumm, eigentlich. S.R.

Nächste Vorstellungen: 8./12./13./29.3.2013 mit weiteren Terminen im April



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