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»Wenn Recht nicht Macht ist, ist es Übel«: Bühnamit präsentiert ihr neues Noir-Drama »Eigenschatten«
Wer kann sich sicher fühlen in einer Stadt voller Verbrechen? New York im Jahr 1993 scheint in einem Sumpf aus Kriminalität und Korruption zu versinken. Überall und zu jeder Zeit kann das Böse zuschlagen. Folglich ist jeder verdächtig und auch die harmloseste Persönlichkeit kann sich schnell als Serienmörder entpuppen. Wem kann man trauen? Gibt es einen Ort der Sicherheit? »Bühnamit« nimmt uns mit in ein Refugium von Recht und Ordnung: Das Polizeirevier. Doch kann dieses in einer von Grund auf verdorbenen Stadt tatsächlich eine Insel der Tugend sein?

Auf der Grundlage des Stückes »Polizeirevier 21« von Sidney Kingsley, präsentieren die Regisseure Martin Zenker, Annika Werner und Tobias Schilde ein mitreißendes Kriminaldrama. Von Beginn an ist das Büro der Ermittler von Geschäftigkeit und Spannung erfüllt. Mehrere und höchst unterschiedliche Fälle stehen gleichzeitig auf der Tagesordnung und halten die Gesetzeshüter sowie die Zuschauer stets in Atem. Im Mittelpunkt steht Detective Jim McLeod, dessen impulsive aber doch labile Persönlichkeit Roman Matthes auf überzeugende Weise darstellt. Getrieben von ständiger Paranoia und im Glauben, den Unterschied zwischen Recht und Unrecht als Einziger zu kennen, steht er nicht nur in Konflikt mit dem Bösen, sondern auch mit Kollegen, Anwälten und Vorgesetzten, die seinen radikalen Kurs nicht billigen. In dramatischen Verhörszenen gelangt sein übersteigerter Gerechtigkeitssinn zum Ausbruch und bedroht letztendlich seine eigene Existenz. »Wenn Recht nicht Macht ist, ist es Übel«, schrieb Oscar Wilde, aber kann nicht auch Recht zu Unrecht werden, wenn es mit Gewalt eingefordert wird? McLeod, der jeden Fall persönlich nimmt und nur Gut oder Böse kennt, schafft sich zur Not auch seine eigene Wahrheit und verliert so zunehmend den Sinn für die Realität und die Kontrolle über sein Leben.

Ist die Gesellschaft von Grund auf böse? Sind alle schuldig oder keiner? Dass ein schlichtes Schwarz-Weiß-Denken nicht möglich ist, zeigen die Schauspieler von »Bühnamit« eindrucksvoll. Die Charaktere wirken glaubhaft, menschlich und vielschichtig. Niemand kann sofort eindeutig beurteilt werden. Somit erwarten den Zuschauer sowohl zahlreiche Überraschungen als auch knisternde Spannung, dramatische Wendungen und nicht zuletzt eine subtile Portion Gesellschaftskritik. Allein die häufigen simultan ablaufenden Handlungen, welche die geschäftige Atmosphäre des Polizeireviers illustrieren sollen, mögen teilweise überfordernd wirken und hätten, zugunsten einer klareren Fokussierung des Hauptgeschehens, etwas reduziert werden können. Alles in allem bietet »Bühnamit« aber ein rundum gelungenes Noir-Drama, das jedem noch lange in Erinnerung bleiben wird und nicht nur für Krimi-Fans definitiv einen Besuch wert ist. Willi Barthold

Nächste Vorstellungen: 7.6. Theaterschule Pegasus, 8./9.6. Die Bühne (der TU), 11.6. Fraunhofer IWU, 15.6.2014 Drogenmühle Heidenau



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